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Eigene Spuren für Straßenbahnen

Eigene Spuren für Straßenbahnen

Die Stadt will auf der Erkrather- und der Flurstraße Fahrbahnen für Autos sperren, damit die Bahnen schneller durchkommen.

In Düsseldorf sind Straßenbahnen im Schnitt zu langsam unterwegs. Viele Ampeln, viele Haltestellen und dann auch noch Fahrspuren, die sie sich mit Autos teilen und in denen sie mit im Stau stehen — das sind drei der Ursachen für das Problem. Eigene Fahrspuren für Bahnen sind aktuell der Ansatz, den die Stadt intensiviert.

Vorbild dafür ist die Grafenberger Allee. An deren östlichen Ende, am Staufenplatz, hat die Rheinbahn nach dem Start der Wehrhahn-Linie eine so genannte ÖPNV-Spur geschaffen. Aus zwei Auto-Fahrspuren wurde auf dem Stück eine. Gelbe Markierungen zeigen den Autofahrern in der linken Fahrspur an, dass sie rechts rüber müssen. Die Bahn hat freie Fahrt und hängt nicht im Ampel-Rückstau. Das hat sich bewährt: Die Bahnen sind so viel schneller, dass insgesamt weniger von ihnen auf die Strecke müssen.

Deshalb startet die Stadt nun zwei weitere Verkehrsversuche, in denen ÖPNV-Spuren geschaffen werden. Der Verkehrsauschuss berät morgen über die beiden neuen Stellen:

Erkrather Straße In Lierenfeld geht es um den Abschnitt zwischen Egilweg und Schlesischer Straße. Dort teilt sich die Linie U75 eine Spur mit den Autos und steht insbesondere am Nachmittag mit im Stau. Nach Berechnungen der Rheinbahn verspäten sich die Züge allein an der Stelle um bis zu drei Minuten.

Die U75 transportiert im Schnitt 62 000 Fahrgäste am Tag, das ist die höchste Nachfrage aller Linien in der Innenstadt. In den 16 Hauptverkehrsstunden sind im Schnitt 12 700 Autos unterwegs. Im Vergleich zur Grafenberger Allee sind also gut 50 Prozent mehr Fahrer und Insassen betroffen. Wegen dieses Konflikts (und weil die FDP Teil der Ampel-Kooperation ist), wird der Verkehrsversuch zunächst auf ein halbes Jahr angelegt. An den Stellen, an denen Autofahrer auf die andere Seite müssen, etwa um in eine Einfahrt zu gelangen, wird die gelbe Markierung unterbrochen.

Die Stadt rechnet in ihrem Plan ausdrücklich mit zusätzlichen Staus und will genau untersuchen, welches Ausmaß sie annehmen und welche anderen Routen die Autofahrer nehmen. Sollten die Vorteile überwiegen, wird die ÖPNV-Spur dauerhaft eingerichtet.

Flurstraße Die Linie 709 hat eine hohe Bedeutung für den Düsseldorfer Osten und insbesondere für Flingern Nord. 54 000 Fahrgäste nutzen die Linie im Schnitt pro Tag, viele von ihnen wollen zum Hauptbahnhof und sind folglich auf verlässliche Anschlüsse angewiesen. Wegen des hohen Interesses ist die 709 sogar im Fünf-Minuten-Takt unterwegs. Einer der Hauptgegner der erhofften Verlässlichkeit ist die Kreuzung von Flur- und Doro-theenstraße. Dort wollen viele Autofahrer links abbiegen, die Staus reichen weit zurück und bremsen die Bahnen aus.

Für ein Jahr soll nun getestet werden, welche Folgen es hat, wenn die linke Fahrspur zwischen Hoffeld- und Doro-theenstraße für Autofahrer entfällt. Die ÖPNV-Spur wird ebenfalls gelb markiert. Sie endet an der Straßenbahn-Haltestelle „Flingern S“, die Linksabbiegespur auf die Dorotheenstraße bleibt erhalten. Aus dem beschränkten Parkverbot in der rechten Spur wird ein absolutes Halteverbot, damit die Spur frei bleibt. Der Verkehrsversuch bringt also nicht nur gute Nachrichten für die Nahverkehrsnutzer, sondern angesichts der sehr wahrscheinlichen Abschlepp-Einsätze auch für die städtische Kasse.