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Ehrlich Brothers knacken drei Weltrekorde in der Düsseldorfer Arena

Die schwebenden Ehrlich Brothers bei ihrem Zaubertrick mit den meisten beteiligten Zuschauern und Weltrekord zwei in der Arena.⇥Foto: Sebastian Drueen FOTO: Sebastian Drueen

Düsseldorf Das Zauberer-Duo gastierte am Samstag mit seiner neuen Show „Flash“ in der Arena. Die Rekordversuche glückten – aber es gab auch Schwächen bei der Show.

Ein selbstkomponiertes Lied, zwei blitzförmige, zehn Meter hohe Türme, fliegende Zauberer in spacigen Kostümen und dazu so schier unendlich viel Pyrotechnik: Am Samstag zeigten die Ehrlich Brothers in der Arena „Flash – die neue Stadionshow“. Und stellten dabei drei Weltrekorde auf.

Die Brüder Christian und Andreas Ehrlich zaubern seit ihrer Kindheit. Zuerst mit Zauberkästen, dann mit der Hilfe des Vaters im Werkzeugkeller. Seit mittlerweile 19 Jahren treten sie als Magier-Duo auf. Mit ihrer aktuellen Tour bereisten sie bereits Paris, London und Helsinki.

„Flash“ startet natürlich spektakulär. Erst landet ein Hubschrauber auf der Bühne, dann verschwindet ein Lamborghini aus 24 Karat Gold von der Bühne und taucht mit einem Knall am anderen Ende der Arena wieder auf.

Chris und Andreas Ehrlich (vorne, v.l.n.r.) nehmen die Urkunde für den längsten Fanbrief entgegen – der dritte Weltrekord des Abends. ⇥Foto: Ralph Larmann FOTO: Ralph Larmann

Am Samstagabend wollen die Magier nicht weniger als drei Weltrekorde brechen, zunächst den eigenen von 2016: Mit 40 211 verkauften Karten ist die Düsseldorfer Arena nicht nur ausverkauft, der erste Rekord für „die meisten Zuschauer bei einer Zaubershow“ wurde damit gebrochen.

Der zweite Rekord: der „Zaubertrick mit den meisten beteiligten Zuschauern“. Zum Ende der Show wurden alle Zuschauer aufgefordert, bei einem Kunststück mitzumachen. Jeder zerriss unter Anleitung der Zauberbrüder vier Karten, mischte und tauschte die Schnipsel, bis nur noch einer übrig blieb, der genau zu dem Kartenstück passte, das jeder vorher rausgefischt und gesichert hatte.

Und schon im Vorhinein hatte ein Fanclub des Magier-Duos den Rekord für den längsten Fanbrief geknackt: 23 Kilometer lang, dafür brauchten sie eineinhalb Jahre. Viele Kisten voller Papierrollen wurden dazu im Rund des Stadions ausgelegt – der Weltrekord Nummer drei.

Der Erfolg des Duos ist unbestritten: seit 2012 füllen sie Hallen, Arenen und nun ganze Fußballstadien. Vielfach wurden sie ausgezeichnet, zuletzt 2016 vom Magischen Zirkel Deutschlands als „Magier des Jahres“. Ihre Illusionen sind auch unter Kollegen bewundert, sodass die Brüder bereits mehrfach Kaufangebote von David Copperfield bekamen, die sie allerdings ablehnten. Begleitet werden die Ehrlich Brothers von einer 25-köpfigen Band, mehr als 30 Artisten und  zwei Tanzgruppen aus Büttgen und Herford.

Nach dem fulminanten Auftakt flacht die Show etwas ab

Zurück zur Show: Nach der Auftaktnummer sind die Erwartungen des Publikums so hoch, dass es etwas enttäuscht, was folgt: altbekannte Taschenspielertricks mit Geldmünzen oder Spielkarten. Die Zaubershow lebt von den großen Momenten, in denen man etwa rätselt, wie es möglich ist, dass vor den Augen einer zwölfjährigen Zuschauerin ein Baum wächst, dessen Früchte sie anschließend sogar essen kann. Kinder fangen spätestens dann an zu staunen, wenn eine klassische Nummer mit abgesägten Gliedmaßen dazu führt, dass Andreas Ehrlich keine Beine mehr hat, sein Bruder derweil mit gleich vier davon einen Moonwalk hinlegt. Zu oft aber werden Tricks gezeigt, die nicht für die Arena konzipiert sind, weil sie im Zuschauerraum stattfinden und vom Großteil der Gäste nur auf der Leinwand verfolgt werden können.

Dann ein Düsseldorfer Star-Auftritt. Der Besuch von Tischtennisprofi Timo Boll ist sympathisch. Er erfüllt Christian Ehrlichs Kindheitstraum, indem er mit ihm eine Partie Tischtennis spielt und sich anschließend bereitwillig vom Matchpartner erschrecken lässt. Nummern wie diese ziehen die Show aber in die Länge, sodass die mehr als vier Stunden teilweise monoton wirken. Auch hätte man sich gewünscht, einen roten Faden im Programm zu finden, da die sehr unterschiedlichen Illusionen und Tricks inhaltlich nichts miteinander zu tun haben und teilweise willkürlich aneinandergereiht wirken.

Andreas Ehrlich ist als studierter Lehrer und dreifacher Familienvater für die Tricks zuständig, bei denen es gilt, die Kleinsten zu begeistern oder einzubeziehen. Familienfreundlich ist es zum Beispiel dann, wenn das einst verlorene Plüschtier von Zuschauerin Lilly (10) wie durch Zauberhand wieder auftaucht. Die kleinen Fans werden die Brüder allein dadurch für sich gewonnen haben, weil sie ihnen einen Regen aus Süßigkeiten bescherten.

Christian gibt sich derweil als Frauenheld, flirtet fleißig und greift rote Rosen für attraktive Zuschauerinnen aus der Luft. Etwas fragwürdig erscheint hierbei eine Nummer gegen Ende, die die Familientauglichkeit der Show für einige Minuten unterbricht: Eine sich im Regen lasziv bewegende Tänzerin schlängelt sich erst um den Zauberer, bevor sie sich dann auf Hüfthöhe „durch“ seinen Körper windet.

Sympatisch und nahbar wird das Duo, indem es sich von seiner familiären Seite zeigt. Berührend sind auch die wenigen ernsten Momente der Show, wie der von Herzen kommende Dank an die Fans und an den Vater, der mit den Söhnen im Keller die Zaubertricks übte und vor einiger Zeit an Blutkrebs verstarb.

Die Show wurde mit 28 Kameras für RTL aufgezeichnet, wo sie voraussichtlich im Herbst ausgestrahlt wird. Ab November sind die Ehrlich Brothers mit ihrem Programm „Dream & Fly“ auf Tour.