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Ehrenamt: Die Müllers teilen gerne ihre Freizeit

Ehrenamt : Warum die Müllers stets für andere da sind

Elvira und Wolfgang Müller teilen gerne — vor allem ihre Freizeit. Für sein Engagement gab es jetzt einen „Martinstaler“ der Stadt.

Vor wenigen Tagen hat Wolfgang Müller den „Martinstaler“ der Stadt Düsseldorf erhalten. Er gehört zum ehrenamtlichen Redaktionsteam des Magazins „ImPuls“, der Hauszeitung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Unterbilk. Die informiert die Bilker und Unterbilker, greift für Senioren relevante Themen auf. Müller freut sich sehr darüber, dass die Stadt das ehrenamtliche Engagement anerkennt. Doch es gab für das achtköpfige Team des Magazins genau einen bronzenen Martinstaler. Deshalb wird Wolfgang Müller nun sieben weitere aus Gips gießen, damit jeder einen Taler als Erinnerung bekommt. Für den 74-Jährigen ist dies eine typische Geste. Denn er teilt gerne. Besonders seine Freizeit.

Und genau dies hat er mit seiner gleichaltrigen Ehefrau Elvira gemeinsam. Die beiden sind seit 50 Jahren verheiratet und können das manchmal selbst kaum glauben. Warum sie sich beide, seitdem sie Rentner sind, für andere einsetzen und helfen, erklärt Wolfgang Müller ganz einfach: „Wir haben die Dinge immer schon selbst in die Hand genommen.“ Er nennt ein Beispiel: „Wir haben unseren Sohn und unsere Tochter nicht in einer normalen Kita angemeldet, sondern ganz bewusst in einem Kinderladen.“ Die Müllers wollten Verantwortung übernehmen. Auch später in der Waldorfschule haben sie sich als Eltern engagiert, intensiv mit den Lehrern zusammengearbeit und das Umfeld gestaltet. Besonders Letzteres ist ihnen bis heute wichtig.

Wolfgang Müller hat Nachrichtentechnik studiert. Seine Frau Elvira, die in der Werbung gearbeitet hat, finanzierte ihm damals das Studium. Vor acht Jahren wurden beide pensioniert. Ihr war schnell klar, dass sie ehrenamtlich aktiv werden wollte. Sie machte deshalb bei der Diakonie in Flingern eine Ausbildung zur Demenz- und Seniorenbegleiterin. Ehemann Wolfgang, der handwerklich vieles kann, widmete sich in seinem ersten Jahr als Renter den Renovierungen und Erneuerungen im eigenen Haushalt. „Doch nach einem Jahr war diese Optimierungsphase beendet“, sagt er.

Ein wichtiges Ziel: Die Vernetzung der Menschen im Viertel

Die Zeit für neue Aufgaben war reif. Elvira Müller hatte da bereits Kontakte zum Awo-Zentrum an der Siegstraße in Unterbilk geknüpft, wo sie auch schon mal in der Verwaltung gearbeitet hatte. Half dort nun ehrenamtlich, zunächst im Büro, dann beim Sonntagscafé und wurde schnell Vorsitzende des Awo-Ortsvereins. Doch diesen Vorsitz gibt sie zum Ende des Jahres wieder ab: „Ich habe immer versucht, auch Jüngere für unsere Aktivitäten zu gewinnen, aber das ist leider fehlgeschlagen“, sagt sie. Jüngere Eltern seien mit ihrem Job und den Kindern beschäftigt, das verstehe sie. Ältere wollte sie für neue Programme begeistern, beispielsweise auch mal für eine Nachwanderung oder andere Ausflüge. Das sei leider schwierig, die meisten möchten bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen.

Das aber reicht Elvira Müller nicht. Sie besucht Fortbildungen der Awo und hat gerade etwas Neues ins Leben gerufen: „Machen Sie Unterbilk zu ihrem Projekt“ heißt es. Dafür nutzt die Awo in Unterbilk auch die Internet-Plattform nebenan.de. „Ziel ist es, sich im Viertel zu vernetzen.“ Es sei auch eine soziale Tauschbörse für Nachbarn. Man könne Zeit anbieten, Geräte tauschen, einen Hund ausführen und vieles mehr. Und da gibt es auch Lustiges: So habe eine Frau in der Nachbarschaft für ihre Hochzeitsfeier viel zu viele Flaschen Gin eingekauft und wollte sie nun für viel weniger Geld loswerden. Das Schnäppchen ließ sich Wolfgang Müller nicht entgehen.

Er ist übrigens längst selbst im Zentrum plus an der Siegstraße aktiv: Der Diplomingenieur bietet dort ein Repair-Café an, in dem er u.a. Haushaltsgeräte repariert und macht eine Beratung für Senioren, die Hilfe beim Bedienen des Smartphones oder Computers brauchen. Zudem ist er seiner Frau in den Awo-Vorstand gefolgt, als Schriftführer. Das Paar ist immer noch voller neuer Pläne für sein Viertel, möchte mehr Initiativen miteinander in Verbindung bringen. Vorstellbar sei so ein Dreck-weg-Tag; da treffe man Nachbarn und erfahre, welche anderen Bedürfnisse es im Viertel gibt. Auch ein Hofflohmarkt sei denkbar, wie es ihn in anderen Stadtteilen schon gibt. Oder eine Tanzveranstaltung auf dem Sieplatz. Und als Großmutter einer Enkelin möchte Elvira Müller ganz bald noch mal den Versuch starten, einen Yogakurs für Großeltern und Enkel anzubieten.

Bleibt bei all dem denn noch private Freizeit? Elvira Müller sagt: „Wir haben wirklich viel Zeit.“ Ihr Mann ergänzt: „Wir haben auch viel Glück, sind gesund, da kann man einiges zurückgeben.“ Sie kennen viele Paare in ihrem Alter, die viel verreisen.“ Doch das würde sie nicht erfüllen. Sie freuen sich über Erfahrungen, die sie mit ihren Ehrenämter machen. Für beide ist es eine Haltung, sich zu kümmern. In einem Fall haben sie jedoch  Nachfolger gefunden: Zehn Jahre lang organisierten sie das Hoffest  der Genossenschaftswohnungen — das übernehmen jetzt jüngere Nachbarn.