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Ed-Sheeran-Debatte: Jetzt kommt das Festival-Gelände doch

Messeparkplatz : Nach Ed-Sheeran-Debatte: Jetzt kommt das Festivalgelände für Düsseldorf doch

Ed Sheeran ist gescheitert, eine Düsseldorfer Ausgabe von „Rock in Rio“ wird wahrscheinlicher. Der Stadtrat wird nächste Woche die Planung einer Konzertfläche in Auftrag geben — weil bisherige Kritiker nun zustimmen.

Die ganze Ed-Sheeran-Geschichte hatte für Michael Brill, den Chef der städtischen Veranstaltungstochter D.Live, eine Pointe und eine Konsequenz. Die Pointe: Vor kurzem traf er im Ausland einen Fan des britischen Sängers, der ein T-Shirt zu dessen jüngster Tournee trug. Darauf war Düsseldorf als Spielort verzeichnet. „Immerhin haben wir es auf ein T-Shirt geschafft, es war nicht alles vergebens“, sagt Brill.

Die Ironie hat einen ernsten Kern und das ist die erwähnte Konsequenz: Es ist nun sehr wahrscheinlich, dass Düsseldorf auf dem Messeparkplatz P1 ein Gelände für sehr große Konzerte und Festivals (80 000 Besucher) erhält. Der Stadtrat wird in seiner Sitzung am 11. Oktober über einen Antrag abstimmen, mit dem die Verwaltung beauftragt wird, alles für die Fläche auf den Weg zu bringen und dort „eine dauerhafte Nutzbarkeit für wenige Veranstaltungen pro Jahr“ zu ermöglichen. Das Gelände steht voraussichtlich ab 2020 zur Verfügung. Dass der Antrag angenommen wird, scheint sicher, da die Fraktionen der Ampel-Kooperation ihn gemeinsam gestellt haben und im Rat eine Mehrheit besitzen.

Das bedeutet, dass die Grünen das Vorhaben nun unterstützen, nachdem sie das Ed-Sheeran-Konzert wie die CDU abgelehnt hatten. Die Grünen haben das in ihrer Fraktion offensichtlich reichlich diskutiert und dazu auch die Baumschutzgruppe sowie den BUND eingeladen. Auf ihrer Internetseite erklären die Grünen, dass sie von den „Chancen eines Open-Air-Geländes für Konzerte und Festivals überzeugt“ seien. Insbesondere der Vergleich mit den Bedingungen des abgelehnten Ed-Sheeran-Konzerts zeige, dass sich die „Mühe eines ordentlichen Verfahrens mit optimierter Planung lohnt“.

Optimierte Planung meint in diesem Zusammenhang vor allem vier Punkte:

1. Die Zahl der zu fällenden Bäume sinkt. Laut Antrag hat sich die Ampel-Kooperation auf maximal 60 Bäume verständigt, die gefällt werden dürfen - notfalls müssten Tribünen anders platziert waren. Das Ed-Sheeran-Konzert hätte rund 100 Bäume gekostet. D.Live-Chef Brill bestätigt diesen Ansatz. Da man nun einen deutlich längeren Vorlauf habe, könne man eine ganze Reihe von Bäumen in Ruhe so vorbereiten, dass sie umgepflanzt werden können.

2. Es gibt deutlich mehr Geld für neue Bäume. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Ausgleich für die gefällten Bäume. Der Antrag geht aber weit darüber hinaus. danach stellt die Stadt weitere fünf Millionen Euro für neue Straßenbäume in der Innenstadt bereit (verteilt über fünf Jahre). Beim Ed-Sheeran-Konzert wäre es rund eine Million Euro gewesen. Laut Grünen reicht das Geld nun für gut 1000 neue Bäume.

3. Das Gelände wird flexibler entwickelt. Es sollen sowohl Konzerte als auch Festivals stattfinden können „Wir wissen ja nicht, wie sich die Branche in den nächsten Jahren entwickelt, da sollten wir so flexibel wie möglich sein“, sagt D.Live-Chef Brill.

4. Das Ganze soll nachhaltig sein. Der Antrag enthält darüber hinaus die Vorgabe, dass Arten- und Lärmschutz zu beachten sind. Maßgeblich sollen die Leitlinien für nachhaltige Großveranstaltungen sein. Und: Die Bürger sollen im Planungsverfahren ordentlich beteiligt werden.

Sollte der zweite und so oder so letzte Anlauf für die neue Nutzung des Geländes gelingen, könnte das Festival „Rock in Rio“ nach Düsseldorf kommen. Die Macher hatten im Sommer einen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben, dass sie sehr bald eine Zusage bräuchten, weil sie sich sonst nach anderen Partnern in Deutschland umschauen müssten. Das gelang aus den genannten politischen Gründen nicht, der Kontakt aber ist geblieben. „Wir sprechen regelmäßig miteinander und hoffen, dass es klappt“, sagt Brill. „Aber natürlich müssen sich Veranstalter auch andere Optionen anschauen und natürlich kann es sein, dass sie doch in eine andere Stadt gehen. Aber auf unseren Prozess hat das keinen Einfluss.“