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Düüseldorf: Ausstellung "Marteriality Game" von Felix Giesen

Ausstellung im Andreasquartier : Kunst, bei der man schwindelfrei sein sollte

Dass Kunst mehr sein kann als das, was auf eine Leinwand kommt, ist klar. Doch wie kann das Digitale auch erlebbar werden? Die Ausstellung des Düsseldorfer Künstlers Felix Giesen zeigt eine mögliche Lösung auf.

Man sollte schon schwindelfrei sein, um sich Felix Giesens Kunst durch eine VR-Brille ansehen zu können. Bewegt man sich nämlich um das dreidimensionale, abstrakte Gebilde, irrt man quasi blind durch den Raum in der ersten Etage des The Wellem Hotels. Dort zeigt der Künstler aus Kaiserswerth gerade seine Schau „Materiality Game“. Sie spielt, wie der Name schon verrät, mit Materialität, Körperlichkeit und der Grenze zwischen digitalem und analogem Raum. Und wer sich an die VR-Brille traut, der wird mit einem ganz neuen Kunsterlebnis belohnt.

Entstanden sind seine Werke genau dort, im virtuellen Raum. Dort hat er seine „echten“ gemalten Bilder verzerrt und zu dreidimensionalen Gebilden verformt. Drucke dieser Gebilde hängen in der Ausstellung und erinnern an feine, durchscheinende Glasfiguren. Der eigentliche Clou verbirgt sich aber hinter den QR-Codes. Mit dem Smartphone eingescannt leiten sie Besucher weiter zur Social-Media-Plattform Instagram, und schon schwebt das digitale Werk durch den Raum. Dieser Weg führt den Betrachter von der Leinwand über den Druck bis hin ins Digitale – und öffnet so immer weitere Dimensionen der Kunstwerke. Malerei mit Augmented und Virtual Reality sozusagen. Kuratiert hat die Ausstellung Maximilian Biagosch, ebenfalls aus Düsseldorf. Er sagt, durch die Ausspielung über Instagram können die Kunstwerke sogar den Ausstellungsraum verlassen und zum Beispiel über dem Rhein oder im Volksgarten aufgerufen werden. „Das bringt natürlich wieder eine neue Ebene in die Kunstwerke mit ein, das Zusammenspiel mit der Umwelt, mit den Menschen, die vielleicht vor Ort sind“, sagt er. Es gibt auch Kunstwerke in der Ausstellung, bei denen direkt ein Gemälde als Ankerpunkt dient. Per QR-Code werden dem Werk dann digitale Figuren beiseite gestellt. Je nach Blickwinkel fügen sie sich dann ins Gesamtbild ein. „Es ist Malerei über die Grenzen der Leinwand hinweg gedacht“, sagt Biagosch. Und tatsächlich erinnert es ein wenig an den Fortschritt, den damals die ersten perspektivischen Darstellungen bedeutet haben müssen, es zeigt ganz neue Wirkungsfelder auf. „Ich habe schon immer meine Leinwände selbst bespannt, irgendwann habe ich das nicht mehr so akkurat gemacht, was mich zur Idee geführt hat, die Leinwand selbst ins Kunstwerk mitaufzunehmen“, sagt Giesen. Dreidimensional gestaltete Leinwände kamen dabei heraus, ein Vorläufer der Formen, die er heute virtuell produziert. „Im Prinzip sitze ich dann mit meiner VR-Brille da und verzerre meine Gemälde wie einen Teigklumpen“, sagt er, im Spiel damit entstünden dann die Kunstwerke.

Diese Kunstwerke kann man natürlich auch kaufen. Neben dem jeweiligen Print erhält der Käufer dann auch das entsprechende NFT, das Non-Fungible Token. Das bedeutet, dass sie einmalig und unteilbar sind. Das digitale Werk ist dann eindeutig zuordenbar und kann nicht kopiert werden. „Bisher spielte sich das nur im Netz ab, wir wollen NFTs in die echte Welt holen, sie erfahrbarer machen“, sagt Biagosch.