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Düsseldorferin sagt Plastik den Kampf an

Menschen aus Düsseldorf : Eine Reise gegen die Flut an Plastik

Zu Beginn haben Ricarda Redeker und Pascal Schürmann Müll gesammelt im Quellenbusch. Daraus entstand die Idee für eine Reise: In fünf Monaten wollen sie aus neun Ländern berichten, wie es möglich ist, Plastik wiederzuverwerten.

Alles begann mit einer Müllsammelaktion im Grüngürtel zwischen Bauhaus und dem Neubaugebiet am Quellenbusch. Ricarda Redeker fiel auf, dass dort auffällig viel Unrat lag und auch Mülleimer fehlten. Die Pandemie nahm im Vorjahr gerade ihren Anfang, und da schaut man womöglich beim Spaziergang im Grünen schon mal etwas genauer hin. Sie organisierte bei der Awista Müllsäcke, Handschuhe und Greifer, und dann ging es los. Mal machten Nachbarn mit, mal war sie nur mit ihrer Frau unterwegs, jedenfalls war es immer wieder nötig, von Neuem anzufangen, jede Woche. „Wir haben bis heute 200 Säcke gesammelt, oft war darunter achtlos weggeworfenes Spielzeug, Schuhe und Socken, Farbeimer und Fernseher uns sogar eine Motorsäge“, zählt sie auf.

Irgendwie hat diese Aktion bei Ricarda Redeker etwas ausgelöst. Und in den Fokus geriet dabei vor allem Plastik. „Es waren so Gedanken über den Kreislauf der Dinge, ich spürte den Wunsch in mir, Paradoxen aufzudecken“, sagt sie. Niemand sei perfekt, aber jeder könne etwas dazu beitragen, dass die Wegwerfgesellschaft innehält und umdenkt. So entstand die Idee, eine Reise zu machen, „denn global ist ja alles miteinander verzahnt, Lieferketten, Ressourcengewinnung. Jede Entscheidung, die wir hier treffen, hat anderswo in der Welt Auswirkungen“, spielt sie auf den Mülltourismus an.

Die Düsseldorfer wollen Instagram und Youtube nutzen

Aber jedes Land habe eben auch gute Ideen, die der Umwelt zugute kommen. „Australien zum Beispiel lässt Plastik zu Pellets verarbeiten, mit denen sogar ganze Häuser gebaut werden“, erzählt Redeker. Ganz so weit wird ihre Reise nicht gehen, neun Länder will sie trotzdem in fünf Monaten durchqueren und von dort jeweils über Instagram und Youtube berichten – über innovative Errungenschaften und menschliche Verfehlungen, vorzugsweise in Gesprächen mit Entscheidern, Medizinern, Wissenschaftlern. „Plastic Extinction“, soll das Projekt heißen, was so viel heißt wie „Plastik soll aussterben“. Und mit Pascal Schürmann hat Ricarda Redeker jemanden gefunden, der sie nicht nur auf ihrer Reise begleiten möchte und der ebenso absolut hinter der Botschaft steht, sondern der genauso tickt wie die Gerresheimerin. „Wir haben beide unseren Job gekündigt“, sagt die ehemalige Arbeits- und Organisations-Psychologin. Übernachtet wird in Hostels oder im Zelt, „außerdem habe ich ein ganz gutes Netzwerk“, sagt die 38-Jährige.

Von Deutschland über die Schweiz, die Niederlande und Italien geht es nach Griechenland und die Türkei bis in den Iran, schließlich nach Indien und Pakistan. Was Redeker und Schürmann bei ihrer „Mission“ auf jeden Fall vermeiden möchten, ist der erhobene Zeigefinger, das Anklagende, „das würde über Social Media auch nicht funktionieren. Wir wollen das Publikum unterhalten, auch humorvoll sein, ohne das Problem zu verniedlichen. Wir wollen Menschen erreichen, die vorher nie über so etwas nachgedacht haben, die Spaßgeneration etwa“, erklärt Redeker.

Ende Juli geht’s los, Redeker und der 32-jährige Schürmann haben sich vorgenommen, im Verlauf ihrer Reise nicht ein einziges Mal eine Plastikflasche zu kaufen, „das ist Teil der Challenge“, sagt die Gerresheimerin. „Wir werden Kanister mitnehmen und versuchen, uns so irgendwie durchzuschlagen“, ergänzt Schürmann. Die beiden wollen auch dokumentieren, dass Plastik nicht immer etwas Schlechtes sein muss, etwa bei medizinischen Geräten, „wichtig ist nur, dass es im System bleibt, recycelt und nicht achtlos weggeworfen wird“, so Redeker. Die zentrale Aussage des Projekts, das weiß sie jetzt schon, wird jedenfalls lauten, dass wir alle unser Konsumverhalten überdenken müssen. Und zwar wirklich jeder, „auch wenn es unbequem ist und es immer 1000 Gründe gibt, alles so zu belassen, wie es schon immer war. Wir haben das Maß verloren und es gilt, die Balance wiederzufinden. Dazu wollen wir etwas beitragen“, erklärt Ricarda Redeker.