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Düsseldorfer Wagenbauleiter spricht über seine Aufgabe im Karneval

Karneval : Düsseldorfer Wagenbauleiter: „Ich bereue keinen Tag im Karneval“

Für Dieter Müller geht es jetzt in die heiße Phase. Er ist Wagenbauleiter für den Rosenmontagszug. Und genießt jeden Moment.

Immer wieder klingelt sein Telefon. Und wenn er nicht gerade in seinem kleinen Büro in der Wagenbauhalle sitzt, gibt es drumherum ja auch noch genug zu tun. Als Wagenbauleiter im Rosenmontagszug ist Dieter Müller in gewisser Weise der Ansprechpartner für alle und alles. Und das macht ihm auch gar nichts aus. Er übernimmt das Amt in diesem Jahr von Wolfgang Becker, der dieses 18 Jahre lang bekleidet hat. Vergangenes Jahr war er schon als Lehrling dabei. Ein nicht ganz leichtes Erbe, auch wenn Dieter Müller natürlich trotzdem schon viel Karneval auf dem Buckel hat – und von den Alteingesessenen in der Wagenbauhalle unterstützt wird.

Seit knapp elf Jahren ist er im Karneval aktiv. Alter Hase vielleicht – als Urgestein würde er sich aber noch nicht bezeichnen. Da gebe es ganz andere. Wenn man ihn nach seinen Highlights der letzten Jahre fragt, wird er nachdenklich. „Ich finde eigentlich alles schön“, sagt er dann.

Er erinnert sich gerne an seine Anfänge bei den Jrön-Wisse Jonges, dem Karnevalsverein, in dem er seit elf Jahren aktiv ist. Damals seien sie noch fünf Mann gewesen – heute gebe es wieder 28 Aktive. „Es ist schön, zu sehen, wie der Verein wieder anfängt, zu leben“, sagt Müller. Aber auch die verschiedenen Sitzungen in der Session findet er toll – was die großen aber eben auch die kleinen Vereine so auf die Beine stellen.

Und die Prinzenkürung, die ist natürlich auch ein Highlight, findet Müller. „Ich mag eigentlich alles am Karneval“, sagt er. Und: „Es gibt nicht einen Tag dabei, den ich bereue.“ Ein echter Karnevalist sei eben mit vollem Herzblut bei der Sache – egal, ob es mal Meinungsverschiedenheiten oder Hindernisse gebe. Schade findet er, dass der Nachwuchs oft fehle. „Das Brauchtum ist eine tolle Sache. Das muss man unbedingt erhalten“, sagt er. Allerdings stelle er immer wieder fest, dass auch beim Rosenmontagszug viele gar nicht mehr im Kostüm kommen.

An seinem aktuellen Einsatzort kann er aber noch etwas ganz Besonderes miterleben. „Ich sehe die Wagen für den Zug von Tag zu Tag wachsen“, sagt er mit ein bisschen Stolz und blickt durch das große Fenster seines Büros, durch das er den Überblick über die Wagenbauhalle hat. Da stehen sie – bunt bemalt in Reih’ und Glied – und warten auf ihren großen Tag. „Das ist vielleicht die schönste Sache“, sagt Müller. Er sehe vorher schon die Entwürfe und Planung für die Wagen – und dann eigentlich alles, was danach kommt. Das Drahten, das Kaschieren, das Malen. Wie der Karneval auch mal den Spiegel vorhalten dürfe, Sachen sagen darf, die man sonst vielleicht nicht so sagt – das reizt ihn besonders an der Session.

Und dafür opfert Dieter Müller viel Zeit. Ab etwa September kommt er jeden Tag in die Halle. Nach der Arbeit, denn der 64-Jährige arbeitet noch als selbstständiger Anlagenmechaniker. Von etwa 16 Uhr an ist er dann hier – bis die letzten aus der Halle gehen. Das ist meist gegen 21 Uhr. Spannend sei das – wie hier die unterschiedlichsten Menschen zusammen kommen, nebeneinander arbeiten und sich irgendwie arrangieren müssen. Da habe jeder seine eigene Philosophie.

Auch am Rosenmontag muss Müller arbeiten statt feiern. „Ich werde vorne am Zug fahren – als Geschwindigkeitsregler“, sagt er. Später werde er dann auf dem Lautsprecherwagen die Vereine verabschieden. Danach geht es für ihn zurück in die Halle. Zum Abriss. „Da machen wir dann in fünf Minuten kaputt, woran fünf Monate gearbeitet wurde“, sagt er und lacht herzlich. Dass er durch das Arbeiten die große Feier verpasst, stört ihn gar nicht. „Irgendwer muss ja alle gerade halten.“ Das sei es ihm wert. Feiern wird er dann ab Aschermittwoch. Da fliegt er mit Prinzenpaar und Co. nach Teneriffa – und erholt sich von den stressigen Monaten.