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Düsseldorfer Verein gibt Musik aus der Stadt eine Plattform

„Düsseldorf darstellen und vermitteln“ : Düsseldorfer Musik im Internet hat eine feste Adresse: Oststraße 118

„Kooperativ Mitte“ heißt das Format, das im Bahnhofsviertel hiesigen Künstlern die Möglichkeit gibt, ihre Konzerte live in die Welt zu senden.

Es gibt Menschen, die in der Corona-Zeit weniger arbeiten, die davon sprechen, dass sie „endlich mal entschleunigen können“. Zu diesen Menschen zählen Roland Ermrich und Jörg Cölsmann nicht. Die beiden Kulturmacher und -ermöglicher haben in den vergangenen Wochen noch viel mehr Stunden in ihre Arbeit gesteckt, als sie ursprünglich schon geplant hatten oder absehen konnten. Im Ladenlokal des Vereins „Düsseldorf Darstellen und Ver­mitteln“ an der Oststraße ist auch für die beiden Herren ziemlich überraschend ein neues Zentrum für Musik aus der Landeshauptstadt und ihre Liveübertragung in die Welt geworden. Und das kam so:

Jörg Cölsmann hatte eine Fotoausstellung im Ladenlokal geplant und wollte, während die Bilder hingen, jeden Abend Musik machen (lassen). Corona verhinderte die Ausstellung beziehungsweise deren Besuch, nicht aber das Rahmenprogramm. Und so spielten die Musiker, die Bands, die DJs trotzdem und sendeten ihre Auftritte live im Internet. So sind seit Ende April mehr als 30 Konzerte zusammengekommen, das Archiv auf der Internetseite dmitte.de/tv gibt deshalb einen Eindruck davon, was in Düsseldorf alles gespielt wird: von Oper und Operette über Weltmusik bis zu Rock und Rap. „Das ist reiner privater Enthusiasmus“, sagt Ermrich. „Denn eine Stunde Konzert bedeuten sechs Stunden Vor- und Nachbereitung.“

Welchen Enthusiasmus oder Ehrgeiz das bei Cölsmann ausgelöst hat, ist durch das „Schaufenster“ des Ladenlokals gut zu sehen. Da stehen Profilampen, um die Musiker gut auszuleuchten, da stehen Boxen in den verschiedenen Ecken und da sind inzwischen mehrere Kameras, um die Auftritte aus verschiedenen Perspektiven filmen und zusammenschneiden zu können. Die Künstler erhalten so richtig gut gemachte Videos, mit denen sie bei Plattenfirmen oder Veranstaltern für sich werben können.

Das Engagement in und für das Viertel vor dem Hauptbahnhof trägt vier Namen. Der erwähnte Verein heißt „Düsseldorf darstellen und ver­mitteln“, die Internetseite, die aus dem Kiez berichtet, findet man unter D-Mitte, das Gesamtphänomen rund um die Livestreams und Videos heißt „Kooperativ Mitte“ und der Ort, an dem das Ganze stattfindet, trägt den Titel „Parkkultur“ (wegen des benachbarten Parkhauses).

Letzteres ist ein temporäres Phänomen, denn für die Oststraße gibt es Baupläne. Bis die soweit sind, dürfte es noch eineinhalb Jahre dauern, bis Ende 2021 wird es voraussichtlich noch Kultur an Hausnummer 118 geben. Der Verein sucht jetzt schon ein neues Zuhause und hofft, dass die Stadt die bisherige Arbeit anerkennt. Neben der Kultur haben sich Ermrich und seine Mitstreiter auch darum gekümmert, dass die Sorgen und Wünsche der Anwohner ausgesprochen, gesammelt und gehört werden. Sie setzten sich dafür ein, dass an der Bismarckstraße nicht nur ein Schild mit der Aufschrift „Fahrradstraße“ steht, sondern dass sich dort auch für Radler etwas tut. Wenn in diesen Tagen die Gastronomen, wie schon lange diskutiert, mit ihren Terrassen auf die Bismarckstraße gehen, dann ist das auch ein Verdienst von „Düsseldorf darstellen und vermitteln“. Und wenn die Diskussion weitergeht, wie sich der Hauptbahnhof und sein Vorplatz verändern, werden die Vertreter des Viertels sich auch wieder einbringen. „Wir sind nicht nur eine kulturelle Einrichtung, wir sind ein Bürgerbüro, das vermittelt zwischen den Menschen in der Nachbarschaft und der Stadt“, sagt Ermrich, der hofft, dass die Stadt bei der Suche nach neuen Räumen oder der künftigen Miete helfen wird.

Einen Eindruck von den Aussichten gibt es im Sommer auch noch, denn neben Konzerten, Lesungen und Vorträgen (siehe Infokasten) wollen die Herren aus der Stadtmitte auch Interviews mit den Oberbürgermeister-Kandidaten führen und filmen. Themenschwerpunkte: Kultur, Internationalität und Integration.

Wenn die so genannte Corona-Zeit im nächsten Jahr vorbei sein sollte, wird es für Ermrich und Cölsmann auch nicht ruhiger. Denn 2021 möchten die beiden ein Festival veranstalten, bei dem die besondere Mischung Düsseldorfer Musik, die sich im Frühsommer 2020 an der Oststraße 118 ergeben hat, noch einmal am Stück zu erleben ist.