Düsseldorfer tötet Tochter (7): Psychologen analysieren Mord in Rath

Düsseldorfer tötet Tochter (7): Psychologen analysieren Mord in Rath

Wie kann es passieren, dass Eltern ihre Kinder töten? Das haben verschiedene Experten untersucht.

Düsseldorf. Ein 32-jähriger Düsseldorfer sitzt in Haft und wartet auf seinen Prozess, weil er am 19. Juli seine Tochter ermordet haben soll. Als Motiv gilt Eifersucht, der Mann hielt die Mutter des Mädchens für untreu. Der gewaltsame Tod der Siebenjährigen aus Rath beschäftigt nun auch Wissenschaftler.

Ulrike Zähringer hat an zwei Studien des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) mitgearbeitet, die sich mit Tötungsdelikten an Kindern in Deutschland befassen. Allgemein lasse sich sagen, dass bei getöteten, jüngeren Kindern Mütter häufiger Täter seien als Väter. Das liege vor allem an Fällen, in denen ein Baby gleich nach der Geburt umgebracht werde. Je älter die Kinder, desto häufiger werden Väter zu Tätern.

Zähringer schätzt, dass jedes Jahr etwa 15 Kinder im Alter bis einschließlich 13 Jahren von ihren leiblichen Vätern gezielt umgebracht werden. „Tötungsdelikte kommen in allen Gesellschaftsschichten vor“, sagt sie. Die Motive seien völlig unterschiedlich. „Es gibt den Typus, der der Ansicht ist, dass es den Kindern mit der Situation so schlecht geht, dass es besser ist, wenn sie aus der Welt scheiden“, sagt Heinz Kindler vom Deutschen Jugendinstitut in München. Rainer Becker, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, nennt das „eine Art falsch verstandene Fürsorge“.

Er bezeichnet vor allem Trennungen oder Scheidungen als „Hochrisiko-Zeiten“. Nicht selten, so sagt er, definieren die Menschen sich über ihre Familie. „Bei Trennungen bricht für Männer, die sich als Macher der Familie definieren, eine Welt zusammen. Das trifft vor allem auf eher konservativ Sozialisierte zu. Da geht es schon sehr klischeehaft auch um Macht- und Besitzdenken.“

Auch Rache könne eine Rolle spielen. „Wir haben noch die Täter, die bestrafen wollen, die ihrer Ex-Frau Schuldgefühle machen und dafür sorgen wollen, dass der andere seines Lebens nicht mehr froh ist.“ Das sagt auch Kindler: „Es gibt den Typ, der der Ansicht ist, dass die Frau sich bei der Trennung so unfair verhalten hat, dass sie bestraft werden muss.“

Zähringer betont dagegen, dass Rache laut KFN-Untersuchungen nur sehr selten das Motiv sei. Gerade wenn Väter zuerst ihre Kinder und dann sich selbst töten, handle es sich oft um „symbiotische Täter“, die sich nur über ihre Elternrolle definieren und für den Fall einer Trennung, wenn die Rolle als glücklicher Familienvater verloren geht, kein alternatives Lebenskonzept haben. „Das hat mit dem Verlust einer Idealvorstellung von Familie zu tun.“

Für die KFN-Studie haben die Kriminologen um Zähringer auch Täter in Gefängnissen getroffen und befragt. „Das sind oft Menschen, die massiv um ihre Kinder trauern und ihre Taten schrecklich bereuen. Das hatten wir so nicht erwartet“, sagt die Kriminologin. „Man darf sich diese Menschen nicht als gefühllose Monster vorstellen.“

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