Düsseldorfer Start-up Wmoove: Aus Abfall Energie gewinnen — direkt vor Ort

Düsseldorfer Start-up Wmoove: Aus Abfall Energie gewinnen — direkt vor Ort

Das Unternehmen Wmoove hat mobile Anlagen entwickelt, mit denen Flughäfen oder Krankenhäuser ihren nicht recycelbaren Müll in Strom und Wärme verwandeln können.

Abfall direkt vor Ort verwerten - darin sieht das Unternehmen Wmoove die Zukunft. „Für uns macht es keinen Sinn, Müll hunderte Kilometer weit zu fahren, um ihn zu verbrennen. Dieses Geschäftsmodell ist veraltet“, sagt Jürgen Resch. Er und seine zwei Mitgründer Nikolaus Donner und Thomas Buchender haben deshalb mobile Anlagen in Containergröße entwickelt, die Abfall in Energie umsetzen.

Dabei konzentriert sich das Start-up auf die Abfallstoffe, die nicht recycelt werden können oder dürfen. Das sei vor allem für Gewerbekunden wie Flughäfen, Krankenhäuser oder Einkaufszentren interessant, die laut Hygieneverordnung gewisse Vorschriften beachten müssen. An Flughäfen und Häfen kommen internationale Abfälle aus dem Ausland an, zum Beispiel ein Sack mit Lebensmittelresten auf einem Schiff aus den Philippinen. „Solche Abfälle dürfen in Deutschland nicht recycelt werden, die muss man verbrennen“, sagt Resch. Ebenso verhalte es sich bei Krankenhäusern mit Müll wie kontaminierten Binden oder Gipseinlagen. Und selbst in Einkaufszentren würden Abfälle anfallen, bei denen nicht genau definiert werden kann, woher sie stammen. Auch dort landet zum Schluss dann alles in der Verbrennung.

Bisher werden die Müllsäcke in einem großen Container gesammelt, regelmäßig abgeholt und zu einer Verbrennungsanlage gefahren. Möchte ein Kunde auf die mobile Anlage von Wmoove umsteigen, werde diese einfach anstelle des alten Containers platziert. Die Abfallbeseitigung findet normalerweise im hinteren, nicht direkt sichtbaren Bereich statt. Aber es gebe auch eine hübsche begrünte Version für den Parkplatz, um beispielsweise Stromtankstellen zur Verfügung zu stellen.

Statt in einen Container gebe man den Abfall nun in eine Box und schiebe diese in die Anlage wie eine Pizza in den Ofen, erklärt Resch die Vorgehensweise. „Dann macht man die Tür zu, die Stoffe werden erhitzt und die gereinigten Gase einem Generator zugeführt, der die Energie erzeugt.“ Damit können dann Elektromodule oder Batteriepacks aufgeladen werden, zum Beispiel zum Starten von Elektroautos. „Ebenso haben Kunden die Möglichkeit, den Strom als Eigenbedarf direkt in ihr Einkaufszentrum oder Hotel einzuspeisen oder die Hitze als Fernwärme zu nutzen.“

Die Idee kommt an: Vergangenes Jahr konnte Wmoove den Energiekonzern Eon als strategischen Partner gewinnen. Auch zwei Investoren sehen Potenzial in den mobilen Anlagen. Sie unterstützen das Team, das sich so bereits vergrößern konnte, mit Know-how und Kontakten. „Wir bekommen Anfragen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland“, erzählt Resch. „In Ländern wie Japan oder Indien ist die Dezentralisierung der Abfallwirtschaft ein ganz großes Thema.“

Laut Resch, Donner und Buchender, die vor Wmoove alle schon ein Unternehmen geführt haben, hat ihre Idee auch die ersten Kunden überzeugt. Zwei Anlagen stehen bereits, drei weitere sollen dieses Jahr noch folgen. Anhand dieser sogenannten Nullserie will das Start-up schauen, wie sich ihr Produkt im Live-Betrieb macht und welche Punkte noch verbessert werden können, bevor es im Frühjahr 2019 an die Serienproduktion geht.

Im Moment wird noch jede Anlage einzeln gebaut, da kann man noch nachsteuern: „Vielleicht steht ein Türgriff so weit raus, dass etwas daran hängenbleibt, dann müsste man den noch umbauen. Oder die Türscharniere sind zu schwach.“ Auch um optische Anpassungen kann es dabei gehen. So wählten Resch und sein Team für ihre Anlage das Standardmaß von Containern. Als sie einen Spediteur probehalber den Transport nach Übersee berechnen ließen, fiel das Angebot außergewöhnlich teuer aus — denn um vor Spritzwasser geschützt zu sein, muss die Anlage in einen Container passen. Und dafür war sie nun sechs Zentimeter zu lang.

Den Entschluss, zusammen ein Unternehmen auf die Beine zu stellen, fassten die drei Gründer mit österreichischen Wurzeln in Stuttgart. Dort hatten sie sich kennengelernt. Nach Düsseldorf zog Jürgen Resch ursprünglich der Liebe wegen. Doch dann merkte er, dass gute Voraussetzungen für eine Gründung herrschen: „Hier wird man als Start-up ernstgenommen und kommt mit den etablierten Unternehmen in Austausch. Zum anderen sind die Unternehmen in Düsseldorf extrem offen, man bekommt ein tolles Feedback. Das hilft, um sich in kürzester Zeit weiterzuentwickeln.“