Düsseldorfer Schüler erforschen die Künstliche Intelligenz an Chatbots

Schule: Schüler erforschen die Künstliche Intelligenz in einem Chatbot-Seminar

„Chatbot“-Computer können Antworten auf gesprochene Fragen geben – zuvor muss aber einiges programmiert werden. Das lernen Benrather Schüler jetzt.

Wie funktioniert eigentlich Alexa? Wieso weiß dieses Ding in den meisten Fällen, was ich von ihm will? Dahinter steckt ein sogenannter Bot, der mit Spracherkennung arbeitet. Wie dieser genau arbeitet, erfahren die Schüler eines Informatik- und eines Philosophiekurses am Schloß-Gymnasium Benrath in einem Workshop des ZDI-Netzwerkes MINT. Zusammen mit dem Düsseldorfer Unternehmen Cognigy hat das ZDI einen Kurs zum Thema „Sprachassistenten“ (Conversational Artificial Intelligence) entwickelt.

Sascha Wolter von Cognigy arbeitet mit den Schülern gerade daran, sich mögliche Konversationsverläufe auszudenken. Denn das befähigt den Roboter oder Chatbot, mit dem man spricht, erst dazu, zu kommunizieren. „Wir haben einerseits das Ziel, die Schüler von dem Thema zu begeistern, andererseits wollen wir das Thema Künstliche Intelligenz auch entmystifizieren“, sagt Wolter. Erst dann könnten die Schüler das Thema bewerten.

Wolter zeigt detailliert, wie ein Chatbot arbeitet. Zum Beispiel, dass dieser auf verschiedene Datenbanken zurückgreift und dass er nur darauf antworten kann, was programmiert wurde. Er weist auch auf die zahlreichen Fallstricke hin, wie Mehrdeutigkeiten von Wörtern oder Synonyme für einen Zustand. „Von ‚Ich habe Hunger‘ gibt es zahlreiche Variationen wie ‚Kohldampf haben‘ oder ‚Mir knurrt der Magen‘“, sagt Wolter.

Das alles muss der Entwickler eines Chatbots berücksichtigen. „Bots wirken so seltsam, weil Sprechen aus Sprache und Denken besteht und ein Bot nicht denken kann“, erklärt Wolter. Da müsse man eben drum herum „designen“. Designen meint in diesem Fall, Gesprächsverläufe gestalten. Auf Papierblättern schreiben die Schüler ein Drehbuch, wie eine Konversation mit dem Roboter aussehen könnte. Die Gespräche enden meist nach zwei Wortwechseln in einer Sackgasse. „Ihr seht, dass es gar nicht so leicht ist“, sagt Wolter, der mit Kunden genauso vorgeht.

Als nächstes sollen sich Schüler Situationen ausdenken, in denen ein Chatbot hilfreich wäre. Maike Rummler aus dem Philosophiekurs fände es praktisch, wenn ein Roboter sie krankmelden könnte. „Anstatt selbst bei der Schule und beim Arzt anzurufen, könnte der Chatbot die Aufgabe für mich übernehmen“, sagt Maike. Jasmin Salama fände es praktisch, beim Autofahren Informationen abfragen zu können, ohne auf das Handy schauen zu müssen.

„Der Workshop über Chatbots ist ein Pilotworkshop, der zum ersten Mal in dieser Form stattfindet“, sagt Ekkehardt Hostert, der das ZDI Netzwerk in Düsseldorf leitet. Das Netzwerk ist erst seit 2018 in Düsseldorf aktiv. NRW-weit gibt es weitere Netzwerke, die in Städten oder Landkreisen das Interesse von Schülern an den sogenannten MINT-Fächern wecken wollen – also an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. „Im vergangenen Jahr war ein Workshop über 3D-Druck unser Spitzenreiter“, sagt Hostert. Er rechnet aber auch mit einer hohen Nachfrage nach dem Chatbot-Workshop.

„Ich finde es interessant, zu sehen, in welchen Bereichen man einen Chatbot wirksam einsetzen kann“, sagt Jasmin Salama. Sie glaubt, dass man die Entwicklung nicht nur negativ sehen sollte, Chatbots könnten Menschen nicht ersetzen, aber ihnen helfen. Maike Rummler findet, dass man den Fortschritt nicht aufhalten kann. „Ein Chatbot kann hilfreich sein, auch wenn neue Probleme dadurch entstehen“, sagt sie. Als Beispiel nennt sie Bots, die Arbeiten übernehmen, die bisher von Menschen erledigt wurden. Sie plant jetzt, selbst einen Chatbot zu schreiben. „Es ist gar nicht so kompliziert wie ich dachte.“

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