Düsseldorfer Schauspielhaus geht mit großen Namen in die neue Saison

Nach Umbauarbeiten : Düsseldorfer Schauspielhaus geht mit großen Namen in die neue Saison

Nach jahrelangen Umbauarbeiten zieht das Düsseldorfer Schauspielhaus ab der nächsten Saison wieder in sein denkmalgeschütztes Theatergebäude. Das Haus geht mit einem ambitionierten Spielplan in die Saison 2019/2020.

Noch wird gehämmert auf den Baustellen auf dem Platz vor dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Doch Intendant Wilfried Schulz und sein Erfolgs-Team – Chefdramaturg Robert Koall, Stefan Fischer Fels (Junges Schauspielhaus) und Christof Seeger-Zurmühlen (Bürgerbühne) – gucken optimistisch auf die nächste Spielzeit, gehen davon aus, dass ab September auf beiden Bühnen am Gustaf-Gründgens-Platz der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.

Voller Zuversicht: Generalintendant Wilfried Schulz. Foto: dpa/Federico Gambarini

Fast alle der 29 Neuproduktionen (zwei Drittel der Stoffe stammen aus dem 21. Jahrhundert!) sollen hier gespielt werden. Erstmals in der Ära Schulz, der auf drei erfolgreiche Spielzeiten mit Besucherrekorden zurückblicken kann,  wurde das Programm 2019/2020 auf der Bühne des Großen Hauses vorgestellt. Und nicht mehr, wie in den letzten Jahren, im Central, der Ausweichspielstätte am Hauptbahnhof.

Theaterbau wird im kommenden Jahr 50 Jahre alt

„Fünfzig“ steht in orangefarbenen Leuchtbuchstaben auf der Tageszeitungsgroßen „Dhaus“-Programm-Übersicht. Denn der denkmalgeschützte Theaterbau feiert im kommenden Jahr das 50-jährige Jubiläum. Aus diesem Anlass wird in NRWs einzigem Staatstheater mit einem Etat von 27,5 Millionen Euro richtig geklotzt. Zum Jubiläum im Januar 2020 kommt nicht nur Brechts „Leben des Galilei“ heraus, sondern Düsseldorfs Publikums-Liebling André Kaczmarczyk (er steht in zahlreichen Stücke als Haupt-Darsteller auf den Brettern) kreiert mit dem Ensemble einen Liederabend mit dem Titel „I build my time“.

Zudem macht im Mai nächsten Jahres das internationale Festival „Theater der Welt“ Düsseldorf zum Zentrum der internationalen Theaterwelt. So wird derzeit schon an zwei spektakulären Koproduktionen mit Südafrika und Brasilien gearbeitet. Ein Jugend-Stück (Der Schatz) wird gar in Japan, Brasilien und Düsseldorf zu erleben sein. Ein weiteres Partnerland ist Kanada.

Nicht weniger spektakulär: „Fortuna“ Düsseldorf besteht 125 Jahre. So treten Kicker und Schauspieler gemeinsam in „O Fortuna“, einem Stück der Bürgerbühne, auf die Bretter. Der Clou aber: die Rückkehr des New Yorker Kult-Regisseurs Robert Wilson, der mit der Musik von Coco Rosie „Das Dschungelbuch“ auf die Bühne bringen wird. Ob das Familienstück erneut ein Knüller wird? Möglich wär’s; zählt doch Wilsons „Sandmann“ mit 60 ausverkauften Vorstellungen (und Gastspiel in China) zu den absoluten Theater-Hypes der letzten Jahre. Klar, dass für Wilsons Theatermagie beim „Dschungelbuch“ erneut ein extremer technischer Aufwand nötig ist. Ohne die kräftige Finanzspritze eines Bauunternehmens (beteiligt am Kö-Bogen) wäre das nicht zu verwirklichen, sagt Netzwerker Wilfried Schulz, der es eben auch mit Baulöwen kann.

Robert Wilsons Inszenierung von „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann mit 60 ausverkauften Vorstellungen gehörte zu den absoluten Theater-Hypes der letzten Jahre. Foto: Lucie Jansch

An die Geschichte des Baus erinnert zur Saison-Eröffnung, am 20. September, Armin Petras. Er wird Büchners „Dantons Tod“ inszenieren: das Drama über die Französische Revolution, mit dem 1970 der Neubau eröffnet wurde. Und das ebenfalls vor 30 Jahren in einer denkwürdigen, deutschlandweit beachteten Inszenierung herauskam. Denn Regisseur Hans Hollmann nahm im Wendejahr 1989 die Situation des vom Volk gestürzten SED-Regimes zum Anlass und zog mit dem Volksruf „Wir sind das Volk“ eine damals brandaktuelle Parallele zu den Leipziger Montagsdemonstrationen. So schließt sich der Düsseldorfer „Danton“-Kreis in mehrfacher Hinsicht.

Im Theater Menschheitsfragen stellen und über den Himmel nachdenken, das wollen die Macher mit zahlreichen Projekten. So auch mit Harry Mulischs „Die Entdeckung des Himmels“. Den Roman - in dem der Niederländer Mulisch einen frustrierten Gott zeigte, der genug von seiner Schöpfung hat, die Tafeln mit den Zehn Geboten zurückholt und die Menschen dem Teufel übergibt – soll Matthias Hartmann inszenieren. Gesellschaftliche und philosophische Fragen stellt außerdem „Gott“, das neue Stück von Ferdinand von Schirach, das im April 2020 parallel in Düsseldorf und dem Berliner Ensemble uraufgeführt werden soll.

Näheres im neuen D’haus-Spielplan-Heft, das in Düsseldorf (Central und Schauspielhaus) ausliegt.

www.dhaus.de