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Düsseldorfer Reiner Witzel: „Manchmal läuft ein Huhn durchs Studio“

Düsseldorfer Reiner Witzel: „Manchmal läuft ein Huhn durchs Studio“

Seit fünf Jahren stürzt sich Jazz—Rally-Leiter Reiner Witzel regelmäßig in das Abenteuer Afrika. Aus Kamerun ist er gerade mit einer neuen CD zurückgekehrt.

Reiner Witzel, einer der drei künstlerischen Leiter der Jazz Rally, konnte nach dem Festival nur mal kurz durchatmen. Dann stieg der Saxofonist in den Flieger Richtung Kamerun, Seine Mission: eine CD-Aufnahme mit Kareyce Fotso, die in ihrem Heimatland ein Superstar ist. Über das musikalische Abenteuer sprach er mit unserer Redaktion.

Herr Witzel, wie kam die Verbindung nach Kamerun zustande?

Reiner Witzel: Ich spiele viele internationale Konzerte, oft für das Goethe-Institut. Vor fünf Jahren bin ich dann zum Festival Ya-Jazz eingeladen. Das einzige Jazz-Festival, das es in Kamerun gibt. Damals bin ich nur mit meinem Saxofon gereist und habe darum gebeten, dass man mir dort eine Band zusammenstellt. Den Musikern habe ich Noten und MP3s geschickt, damit sie sich vorbereiten können. Niemand hat sich damit beschäftigt. Im Bus auf dem Weg zum Konzert hat mit der Bass-Mann, der auch der Bandleader ist, nur gesagt: ’Wir geben dir den Groove und du spielst’. Es war ein großartiger Abend. Seitdem habe ich schon rund 30 Konzerte in Kamerun gespielt.

Wie muss man sich ein Studio in Afrika vorstellen?

Witzel: Da läuft auch schon mal ein Huhn durchs Studio und Stromausfälle während der Aufnahme sind ganz normal. Außerdem lernt man, geduldig zu sein. Nichts findet zu der Zeit statt, die abgesprochen war. Da lernt man Gelassenheit. Aber am Ende des Tages steht immer ein tolles Ergebnis. Es wird sehr professionell und kreativ gearbeitet. Und ich habe jede Menge über afrikanische Musik gelernt. Viele Einflüsse kommen von dem Kontinent. Auch Swing ist zum Beispiel nicht in den Südstaaten, sondern in Westafrika entstanden.

Einflüsse, die Sie auf Ihrer CD verarbeitet hast?

Witzel: Es ist eine gemeinsame CD von mir und Kareyce Fotso. Sie ist in ihrer Heimat ein Superstar. Das ist wie bei Herbert Grönemeyer. Wenn Kareyce bei einem Konzert ein paar Akkorde anspielt, singen die Leute sofort mit. Es sind sehr schöne Aufnahmen geworden. Ich habe einen großen Teil der Musik geschrieben, Kareyce die Texte. Fertig wird die CD, die mit Unterstützung des Goethe-Instituts finanziert ist, vermutlich im Herbst. Das Titelstück heißt ’Me kwap ve wa“. Das bedeutet etwa, du gehst mir nicht aus dem Sinn.

(Bei der Probe im Studio: Sängerin Kareyce Fotso mit Reiner Witzel. Die gemeinsame CD soll im Herbst erscheinen. Foto: Witzel)

Auch das neue Bühnen-Outfit kommt aus Kamerun...

Witzel: Ich habe durch einen befreundeten Fernseh-Kommentator Nuvi Gana kennen gekernt. Der ist ein großartiger Designer. Ich hatte mir schon immer einen Anzug aus afrikanischen Stoffen gewünscht. Der war nach nur einem Tag fertig und sehr preiswert. Ich habe mir dann gleich noch zwei weitere Anzüge für die Bühne nachbestellt.

Aber von dem Land haben Sie noch nicht viel gesehen?

Witzel: Leider nicht. Wenn ich in Kamerun bin, wird dort von morgens bis abends gearbeitet. Einmal habe ich den Flieger verpasst und hatte ein bisschen Zeit. Da haben wir einen Ausflug in einen Park mit Gorillas gemacht.