Neu in den Programmkinos „Die Wurzeln des Glücks“: Ein Schwein im Heiligen Land

Düsseldorf · Düsseldorfer Programmkinos: Das sind die neuen Filme der Woche.

 Eine Szene aus dem Film „Die Wurzeln des Glücks“.

Eine Szene aus dem Film „Die Wurzeln des Glücks“.

Foto: dpa/Sam Hellman

Die Wurzeln des Glücks

Ein Schwein im Heiligen Land? Das war zwar in „Das Schwein von Gaza“ eine provokant-gelungene Rezeptur für eine groteske Komödie, muss aber nicht immer funktionieren. Die israelisch-belgische Produktion adaptiert den Briefroman „Schweine züchten in Nazareth“ als recht versöhnliche Familienversöhnungsschnulze mit Hollywood-Stars und –touch.

 Kommentarbild, Philipp Koep

Kommentarbild, Philipp Koep

Foto: Judith Michaelis

Der New Yorker Herzchirurg Harry Rosenmerck hat sein altes Leben hinter sich gelassen um im Land seiner Vorfahren Schweine zu züchten. Über das sehr unkoschere Geschäftsmodell gerät er mit dem örtlichen Rabbi schnell aneinander. Derweil schlägt sich seine Ex-Frau in New York mit der perspektivelosen Tochter, ihrem Sohn, der sich im Streit von der Familie gelöst hat und schließlich auch noch mit der Diagnose Hirntumor herum.

Regisseurin Amanda Shters, gleichzeitig Autorin der Romanvorlage, rückt in diesem Ensemblefilm die Geschichte des schweinezüchtenden Kardiologen sehr in den Mittelpunkt, kann aber den einzelnen Figuren nie wirklich Gestalt verleihen.

Cinema, Vorpremiere am Montag im Cinema, 19 Uhr (engl. OmU)

Die Agentin

Deformation professionel – manche Berufe verändern eben den Charakter. Die Spionage-Thriller des israelischen Regisseurs Yuval Adler („Bethlehem“) stellt die seelische Komponente des gefährlichen Metiers in den Mittelpunkt: Angst und Loyalitätskonflikte in einem zynischen Krieg der Tricks und Lügen.

Rachel war früher eine Agentin des israelischen Geheimdienstes, für den sie eine gefährliche Mission im Todfeind-Staat Iran übernahm. Dort verliebte sie sich in den Geschäftsmann Farhad, den sie eigentlich ausspionieren sollte. Sie „kündigte“ dem Mossad und tauchte im Mullah-Land ab. Doch nun ruft sie ihren Ex-Kontaktmann Thomas Hirsch beim Mossad mit einer irritierenden Nachricht an: ihr Vater sei gestorben - schon wieder. Hirsch, der seinen Ruhestand in Köln verlebt, ist alarmiert. Der Mossad beruft ein Krisentreffen ein, Hirsch muss abwägen, was er über Rachel weiß und was Rachel wissen könnte...

Nach ihrer Hollywood-Karriere konzentriert sich Diane Kruger auf deutsche und französische Filme, nach dem NSU-Drama „Aus dem Nichts“ spielt sie erneut eine Hauptrolle in einem engagierten Politdrama.

Metropol, täglich 19 und (außer Montag) 21.30 Uhr, am Mittwoch um 21.30 Uhr im OmU

Prelude

Coming of Age am Konservatorium. David Berger will es schaffen, der junge Pianist ist begabt und besessen von der Idee, ein großer Musiker zu werden. Doch für ein Stipendium an der berühmten Juillard School in New York muss er die gestrenge Klavierlehrerin Matussek überzeugen. Und außerdem gibt es da noch Walter, der nicht nur um das Stipendium, sondern auch um das Herz der hübschen Gesangsstudentin Marie konkurriert.

Die deutsch-iranische Nachwuchsregisseurin Sabrina Sarabi schafft es im Präludium das Thema kraftvoll zu umreißen, verliert diese Verve aber zunehmend zwischen Musikschul-Klischees und einer sehr konstruiert wirkenden Dreiecksgeschichte.

Metropol, Donnerstag bis Sonntag,  21.30 Uhr, Dienstag/Mittwoch 17 Uhr

Carmine Street Guitars

Im Südwesten von Manhattan, da wo das Straßennummernraster noch nicht greift, hat sich noch ein altes Stück Greenwich Village erhalten. In einer skurrilen Mischung aus Liebenswürdigkeit und Sturheit führt hier Rick Kelly seine Gitarrenwerkstatt. Aus den Resten der Gentrifizierung des ehemaligen Künstlerviertels baut der Mann Gitarren, die echte Unikate sind. Das Holz hierfür sammelt er aus historischen Gebäuden und so wird aus massiven Dielen der Korpus einer E-Gitarre. Natürlich hat der Mann eine illustre Kundschaft von Bill Frisell bis Jim Jarmusch. Die Dokumentation von Ron Mann verfolgte diesen gelebten Anachronismus über eine Woche mit der Kamera.

Metropol, täglich 17 Uhr (Montag 18 Uhr)

Late Night

In der Männerdomäne des Late-Night-Talk-Fernsehens hat sich Katherine Newbury über Jahrzehnte einen legendären Ruf erarbeitet: sie ist noch tougher und noch zynischer als ihre Kollegen. Doch der Selbstbehauptungskampf im Haifischbecken der Medienwelt ist für eine Frau doppelt schwer: die Branche misst stets mit zweierlei Maß. Lebensjahre zählen bei Frauen negativ und jetzt wird ihr auch noch vorgeworfen, sie sei frauenfeindlich und nicht „emotional“ genug. Ihr Sender stellt ihr als Alibi die unerfahrene Molly, quasi als Quotenfrau zur Seite. Die unbedarfte junge Frau mit Migrationshintergrund hat eine gefühlte Lebenserwartung von zwei Wochen in Katherines Autorenkreis, einer ausgemachten Macho-Truppe. Doch Molly hat etwas, was den Medienprofis längst abhanden gekommen ist: Gespür und Herz für die Dinge, die den Zuschauern wichtig sind. Aus der Kröte, die Newbury schlucken soll, wird bald das Aschenputtel. Vor allem Emma Thompson macht dieses etwas naiv-versöhnliche Mediendrama sehenswert, auch mit 60!

Cinema, täglich 16.45 Uhr und (außer Montag) 19 Uhr (am Sonntag im engl. OmU)

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