Düsseldorfer Politik erwägt Wasserbusse auf dem Rhein als Alternative

Nahverkehr : Stadt Düsseldorf berät über Wasserbusse auf dem Rhein

Die Politik beantragt im Rat eine Machbarkeitsstudie für ein lokales und regionales Wasserbussystem. Vorbild dafür ist beispielsweise Hamburg.

Erst eine Seilbahn nach Knittkuhl, nun Wasserbusse auf dem Rhein: Die Unfähigkeit, den Autoverkehr zu reduzieren und/oder den „normalen“ ÖPNV spürbar auszubauen, führt immer mal wieder zu exotischen Ideen. Eine steht am Donnerstag im Rat auf der Tagesordnung.


Der Antrag:
Eine ganz große Koalition aus CDU, SPD, Grünen und FDP beauftragt auf Initiative der Christdemokraten das Verkehrsdezernat, eine Machbarkeitsstudie für ein regionales Wasserbussystem auf dem Rhein analog der Stadt Köln erstellen zu lassen und hierfür Fördermittel beim Land  zu beantragen. In der Studie sollen die rechtlichen, finanziellen und zeitlichen Voraussetzungen sowie das Nachfragepotenzial von Wasserbussen für Verbindungen innerhalb des Stadtgebietes sowie für Strecken zwischen Duisburg und Leverkusen geprüft werden.


Der Kontext: Schon im Verkehrsausschuss am 9. Mai fragte die CDU nach einem Schiffslinienverkehr auf dem Rhein, Verkehrsdezernentin Zuschke sagte damals, ein mögliches Liniennetz und Betreiberkonzept könne man erst erstellen, wenn eine größere Machbarkeitsstudie beauftragt und eingeholt werde. Eine solche Studie hat Ende März die Stadt Köln für „Wasserbusse“ zwischen Leverkusen und Wesseling in Auftrag gegeben, zur Hälfte wird sie vom Land bezahlt. Auch in anderen Städten sind Wasserbuslinien ein Thema, naheliegenderweise etwa in Hamburg, Kiel oder Rotterdam.

Weil das Ziel des Projektes ist, Autofahrern, insbesondere Berufspendlern, eine neue und umweltfreundliche Alternative anzubieten, muss es natürlich zum einen Anknüpfungspunkte zu P&R-Plätzen geben, an denen Pendler ihr Auto abstellen und dann bequem aufs Schiff umsteigen können. Außerdem sollten die Wasserbusse sauber, sprich mit Elektroantrieb fahren.

Bewertung: Gewiss, jede realistische Alternative zum Auto ist in Düsseldorf willkommen, jede Idee verdient eine Prüfung. Wobei die Betonung auf realistisch liegt. Wasserbusse dürften so gesehen auf Sicht keine Lösung sein, das zeigt gerade das Beispiel Köln. Dort begann die politische Debatte vor drei Jahren, bis heute liegt nicht einmal die Machbarkeitsstudie vor. Tatsächlich dürfte es sehr schwierig werden, große Parkflächen direkt im Naturschutzgebiet am Rhein zu schaffen. Ein weiteres Problem ist, dass am Fluss Umsteigemöglichkeiten in Bus und Bahn Mangelware sind. Fazit: Wasserbusse können eine Attraktion für Touristen- und Ausflugsfahrten sein, lösen aber nicht das große Düsseldorfer Verkehrsproblem.

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