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Düsseldorfer nutzten Lockdown zum Entrümpeln

NRW : Politiker enttäuscht: Menge an Müll sinkt in Düsseldorf nicht

Die Menge an Sperrmüll nahm 2020 erheblich zu. Die Pandemie zeigte auch an anderer Stelle ihre Auswirkungen – unter anderem durch mehr Kartons von Online-Bestellungen.

Viele Düsseldorfer haben den Lockdown offenbar zum Entrümpeln genutzt. Die Menge an Sperrmüll, die in der Müllverbrennungsanlage entsorgt wurde, stieg 2020 um
23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Er betrug 16 376 Tonnen, das sind 26,4 Kilogramm pro Anwohner (2019: 21,6). Insbesondere im ersten Lockdown im Frühjahr erfasste die Awista erheblich mehr Anmeldungen. Auch die Menge an Sperrmüll, der „wild“ abgestellt wurde, nahm erheblich zu.

Die Awista kam zeitweise nicht mehr mit der Nachfrage mit, als Folge wurde Altholz nicht separat abgeholt, sondern mit anderem Sperrmüll verbrannt. Auch derzeit reichten die Kapazitäten angesichts der vielen Anmeldungen von Sperrmüll nicht aus, hieß es im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen am Montag.

Die Abfallbilanz für das Jahr 2020, die am Montag der Politik vorgestellt wurde, zeigt auch andere Auswirkungen der Pandemie und ihrer politischen Folgen. So sank das Gewicht des gesammelten Altpapiers um 1,9 Prozent (insgesamt: 32 610 Tonnen). Das gilt als Anzeichen dafür, dass mehr Kartons entsorgt worden sind. Denn diese haben großes Volumen und dafür geringes Gewicht. Auch in den Vorjahren hatte sich auf diese Weise die wachsende Beliebtheit des Online-Handels gezeigt.

Dass die Menschen wegen Corona gezwungenermaßen mehr zu Hause waren und dort auch selbst gekocht haben, lässt sich auch an anderen Stellen ablesen. Die Glascontainer nahmen 7,3 Prozent mehr Altglas auf (14 371 Tonnen), in der gelben Tonne wurden 8,3 Prozent mehr Verpackungen (14 686 Tonnen) gesammelt.

Auf den Recyclinghöfen wurde weniger Grünschnitt abgegeben

Auch beim Grünschnitt hat der Lockdown seine Spuren hinterlassen. Auf den Recyclinghöfen wurde 17,3 Prozent weniger Grünschnitt abgegeben (6757 Tonnen). Dies deutet aber nicht auf weniger Gartenarbeit hin, schließlich galt diese im Lockdown ebenfalls als boomende Freizeitbeschäftigung. Im Frühjahr 2020 waren schlicht zwei der drei Recyclinghöfe geschlossen, vor der Anlage in Flingern bildeten sich wegen eingeschränktem Einlass lange Schlangen. Als Folge haben offenbar mehr Menschen ihren Grünschnitt über die ohnehin immer beliebter werdende Biotonne entsorgt. Sie verzeichnet in der Menge einen Zuwachs von 20,5 Prozent.

Beim Altpapier zeigt sich eine Veränderung, die nichts mit Corona zu tun hat. In den Stadtteilen, die von der Awista bedient werden – in nördlichen und südlichen Stadtteilen ist stattdessen teilweise die ZWD zuständig – stieg die Altpapiermenge in den blauen Tonnen um 11,7 Prozent, zugleich sank die Menge in den öffentlichen Depotcontainern um 15,3 Prozent. Dies gilt als Folge des Anschlusszwangs: Wer keine besonderen Gründe gegen die Nutzung vorbringen kann, muss seit 2019 die blaue Tonne nutzen.

Die Politik interessierte sich insbesondere für einen anderen Punkt: Insgesamt haben die Düsseldorfer 2020 ungefähr genau so viel Müll wie in anderen Jahren produziert. Die Gesamtmenge an Müll aus privaten Haushalten lag bei 391,9 Kilogramm pro Einwohner (2019: 389 Kilogramm). Vera Esders (Grüne) zeigte sich enttäuscht, dass die Müllmenge nicht sinkt und auch die Quote von verwertetem Abfall stagniert. „Wir kommen nicht von der Stelle.“ Sie verwies auf sogenannte Zero-Waste-Konzepte, mit denen andere Städte gegensteuern wollen.

Mark Lindert vom Umweltamt bestätigte Handlungsbedarf. Ein Vorhaben zur Besserung der Wertstoffquote sei, den Inhalt von Papierkörben an der Straße nicht mehr zu verbrennen, sondern Wertstoffe aussortieren zu lassen. Dies sei aber noch in Vorbereitung.