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Düsseldorfer Kabarett "Reiner Tisch" hat jetzt eine neue Bühne

NRW : „Reiner Tisch“ an der Rennbahn

Seit mehr als 22 Jahren macht Frank Küster montags „reinen Tisch“ im Uerige.  Die Rückkehr seiner Kabarettshow aus dem Lockdown feierte er mit Gästen und Publikum nun im Biergarten an der  Rennbahn.

René Steinberg kommt mit dem vielleicht breitesten Lächeln, das die Welt je gesehen hat, auf die Bühne. „Menschen, richtige Menschen! Wie habe ich Euch vermisst“, begrüßte der „Reiner Tisch“-Stargast glückselig die gut 150 Zuschauer vor der Open-Air-Bühne auf der Galopprennbahn. „In den letzten Monaten habe ich mir gedacht: ‚Wir werden es überleben, und am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht am Ende“, philosophierte der komödiantische Kabarettist, der als Pandemie-Trostpflästerchen auch in Autokinos gespielt hatte. „Da hupen dich Autos an. Das hat mich irritiert“, so Steinberg. „Jetzt spiele ich wieder live vor echten Menschen. Das ist fast zu schön, um wahr zu sein.“

Umgekehrt war es genauso. Die humor-kulturell ausgehungerte „Reiner Tisch“-Fangemeinde gierte nach jedem Gag und applaudierte ausdauernd. Darauf war sie bestens vorbereitet, denn Ex-Kom(m)ödchen-Ensemblemitglied Anka Zink hatte bei ihrem Kurzauftritt einen kleinen Applaus-Auffrischungsschnellkurs gegeben. Zuvor hatte Gastgeber Frank Küster bereits für Politisch-Satirisches, Ironisches und Albernes
gesorgt.

Seit November 1998 tritt Frank Küster jeden Monat aufs Neue den Beweis an, dass ihm auch zu den seltsamsten Politikerideen, zur peinlichsten sportlichen Blamage, zum dämlichsten Showsternchen und zum schlechtesten Wetter noch etwas Witziges einfällt. Jedenfalls theoretisch, denn auch Küster wurde mit seinem Showformat „Reiner Tisch“ durch den Lockdown in monatelange Auftritts-Zwangsquarantäne geschickt. Die versuchte er unter anderem als „Coronavirus und Mutantendarsteller“ in Videostreams zu überbrücken.

Ein „frohes neues Jahr“
war der erste Gruß

An seinem Schaukonzept, etwa mit „Open Spot“ (Kurzauftritt eines Gastkünstlers), Stargast, „Jub der Woche“ (Geburtstag oder Jubiläum einer bekannten Person oder Ereignisses) oder dem „Hit aus der Vorzeit“, alles musikalisch untermalt von der zwei Musiker starken „Original-Reiner-Tisch-Kammer-Bigband“, hat Küster nichts geändert. Und er begrüßte sein Publikum wie immer zum ersten reinen Tisch eines neuen Jahres mit einem „frohes neues Jahr“.

Und dann war er bereits mitten drin im normalen Tagesgeschehen und zeigte in gewohnt pointierter Weise Seiten des Alltäglichen auf, die „Otto Normalverbraucher“ normalerweise nur beiläufig zur Kenntnis nimmt. Küster hingegen macht sich Gedanken und kommt immer wieder auf Witziges. So bekamen auch die Kanzlerkandidaten ihr Fett weg. „Nach all den Jahren Merkel fände ich es mal schön, wenn endlich eine Frau an die Regierungsspitze käme“, witzelte Küster. „Wenn ich mir vorstelle, dass ein anderer der Kandidaten die Neujahrsansprache hält, da weiß ich gar nicht, ob ich bis Mitternacht wieder wach werde.“

Abräumer des Abends war aber René Steinberg. Er schlug jeden mit seiner unbändigen Spielfreude, dem geschliffenen Wortwitz, den allgemein nachvollziehbaren Alltagssituationen, seinen wahrlich nicht perfekten Tanzdarbietungen und seinen Familiengeschichten in den Bann. „Noch 2020 waren wir fast alle die besten Fußball-Bundestrainer. Jetzt haben alle umgeschult auf Virologe“, so Steinberg. „Es ist ja ein wahrer Satz: In der Krise zeigt sich der wahre Charakter. Aber ich hätte nie gedacht, dass so viele Verschwurbelte unterwegs sind. Diese Experten haben vielleicht 30 Minuten die Youtube-Akademie besucht und meinen mehr zu wissen, als Professor Drosten und Karl Lauterbach. Das sind Experten, die haben sich jahrelang mit dem Thema Virus beschäftigt.“

Als durch donnernden Applaus und Zwischenrufe die Zugabe gefordert wurde, strahlte Steinberg übers ganze Gesicht und haute noch ein paar Gags raus. So kam er nicht umhin, bei der Verabschiedung ein Selfie von sich und der jubelnden Menge zu machen. „Es war mir ein großes Vergnügen, es war total schön“, bilanzierte Steinberg abseits der Bühne. „Ich habe gemerkt, wie sehr ich die Auftritte brauche. Das Live-Erlebnis mit dem Unvorhersehbaren, ich liebe es.“