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Düsseldorfer Innenstadt st so voll wie vor der Corona-Pandemie

Handel in der Stadt : Düsseldorfer Innenstadt ist so voll wie vor der Corona-Pandemie

Messungen von Fußgängerströmen zeigen, dass die Zahl der Passanten wieder stark gestiegen ist. Ein Aufatmen gibt es beim Handel.

In der Düsseldorfer Innenstadt sind wieder genauso viele Menschen unterwegs wie vor der Pandemie. Das geht aus einer Auswertung von Zahlenmaterial hervor, das das Unternehmen Hystreet mit Scannern an prominenten Orten in der City ermittelt hat.

Als Vergleichszeitraum dienten 14 Tage jeweils von Montag bis Sonntag ab Ende August in den September hinein, und zwar für die Jahre 2019 und 2021, jeweils nach den Sommerferien. Auf der Flinger Straße (Mitte) wurden jetzt 455 000 Passanten gezählt, und damit sogar etwas mehr als vor zwei Jahren (451 000). Auch für die Mittelstraße gilt das. Nicht mehr weit entfernt von Besucherströmen der Vergangenheit ist die Königsallee. Im Osten der Luxusmeile waren 183 000 Fußgänger unterwegs, vor zwei Jahren waren es 211 000. An der Schadowstraße schwanken die Werte je nach Messpunkt mal in die eine, mal in die andere Richtung, was wohl auch an den Baustellen dort liegen dürfte. Im Westen der Straße sind jedenfalls deutlich mehr Menschen unterwegs (482 000 jetzt, zu 366 000 vor zwei Jahren), an anderen Stellen ist es umgekehrt.

Die Zahlen für den Mai zeigen dagegen noch deutliche Unterschiede: Vereinfacht lässt sich sagen, dass 2021 rund halb so viele Menschen unterwegs waren wie vor zwei Jahren. Zur Erinnerung: Ende Mai durften gerade einmal die Gastronomie-Terrassen wieder öffnen, für den Einzelhandel fielen erst dann Einschränkungen wie Terminbuchung und Testpflicht weg.

Im Juni zeigte sich auch deshalb eine leichte Erholung, etwa zwei Drittel der Frequenzen aus dem Juni 2019 werden da erreicht. Juli und August lassen sich aufgrund unterschiedlicher Sommerferienzeiten schwer vergleichen, jetzt im September wird die neue Normalität aber deutlich sichtbar.

Für den Einzelhandel in der Stadt sind das gute Nachrichten. Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes NRW, bestätigt: „Die Kunden haben wieder Lust auf Einkaufen.“ Auch bei den meisten Händlern sei die Stimmung wieder gut. „Sie sind wieder zuversichtlich. In einzelnen Wochen berichten sie auch wieder von Kundenzahlen wie vor der Pandemie.“

Achten spricht von einer „Aufholphase“, da das gesamte Jahr aufgrund des Lockdowns zu Beginn von vielen noch nicht auf Normalniveau beendet werden könne. Aber insbesondere der extrem gebeutelte Textilhandel könne Boden gutmachen. Der vergleichsweise verregnete Sommer habe da wohl auch die Nachfrage nach der aktuellen Herbst- und Winterware verstärkt. Bei den Umsätzen fehle es allerdings oftmals noch etwas. „Die Maskenpflicht führt zu einer kürzeren Verweildauer in den Geschäften. Das wirkt sich aus.“ Positiv sei auch, dass die „Kurzarbeit ganz überwiegend passé“ sei. Auch wenn hier jeder Händler ganz individuell entscheide. Einige versuchten aus wirtschaftlichen Gründen mit der Kurzarbeit die Personalkosten gering zu halten.

Die allgemeine Einschätzung teilt auch Claus Franzen vom Geschäft Franzen an der Königsallee. „Die Lage hat sich einigermaßen normalisiert.“ Die Öffnung der Restaurants hätte in den vergangenen Monaten für den größten Schub gesorgt. Immer noch seien jedoch Geschäftsreisende und Kunden aus dem Ausland seltener zu beobachten. So hätten sich die Umsätze eben auch noch nicht ganz erholt. Kurzarbeit werde entsprechend noch „rudimentär“ eingesetzt, wie Franzen sagt.

Impfungen können für andere Voraussetzungen sorgen

Er erinnert zudem daran, dass im September vergangenen Jahres ein ähnlicher Zustand herrschte. Tatsächlich befanden sich die Passantenzahlen damals auch fast wieder auf Vorkrisenniveau. Im Oktober jedoch änderte sich das rasch, bis es dann sogar zu einem langen Lockdown kam. „Das traf uns damals mitten im Weihnachtsgeschäft. Wir hoffen natürlich, dass wir durch die Impfung jetzt andere Voraussetzungen haben.“

Bei der Peek & Cloppenburg KG in Düsseldorf spricht man im Rückblick von einer „der größten Herausforderung in der 120-jährigen Unternehmensgeschichte“, vor allem im Hinblick auf mangelnde Planbarkeit. In Juli und August habe sich die Situation nun „wieder etwas beruhigt“. Es sei verstärkt zu „Nachkäufen der Kundschaft“ gekommen. „Vermehrt kommen die Kunden mit konkreter Kaufabsicht wieder in die Innenstädte und verlassen unser Verkaufsfläche mit neuer Ware“, heißt es auf Nachfrage. Noch seien die Kundenzahlen im Geschäft allerdings nicht vergleichbar mit der Zeit vor der Pandemie. Ein Grund im September: Die recht hohen Temperaturen hätten die Nachfrage nach Herbstware beeinträchtigt.