Düsseldorfer haben vegane, proteinreiche Schokolade Raccoon entwickelt

Gründer : Raccoon: Düsseldorfer Paar geht mit fairer Schokolade in die Selbstständigkeit

Matthias und Jessica Ludwig haben vor zweieinhalb Jahren ihre Jobs gekündigt und verkaufen seitdem vegane Schokolade, die trotzdem proteinreich ist.

Einfach machen – das war in etwa die Devise von Matthias und Jessica Ludwig. Das Ehepaar hatte schon lange den Traum, sich selbstständig zu machen, sich etwas Eigenes aufzubauen. Doch lange fehlte die Idee. Im März 2017 standen sie dann doch vor der Gründung – und verkaufen seitdem vegane Schokolade mit Extra-Proteinen. Mittlerweile schon an mehr als 2000 Supermärkte.

Dabei kamen beide beruflich nicht unbedingt aus der Richtung der Lebensmittelhersteller. Jessica Ludwig war Kinderkrankenschwester, Matthias Ludwig bei einer Bank tätig. „Irgendwie haben uns unsere Jobs genervt und wir wollten was eigenes machen“, sagt er. Die Idee für die Schokolade kam dann eines Abends auf der Couch. „Wir haben gemerkt, dass wir sehr auf gesunde Ernährung achten – bis wir abends auf der Couch sitzen. Da haben wir dann doch Schokolade und so aus dem Schrank geholt“, sagt der Gründer.

Wie also wird die Schokolade gesünder? Wer an gesunde Schokolade denkt, hat oft dunkle, mit hohem Kakaoanteil im Sinn. Doch die Idee der Ludwigs war eine andere. Mit Sojaprotein sollte ihre Schokolade aussehen und schmecken wie eine mit Vollmilch, aber eben proteinreicher und vegan sein. Die ersten Versuche fanden noch in der heimischen Küche statt. Das Ergebnis: Nicht eklig, aber auch nicht so richtig lecker – eher mittelmäßig. Es musste mehr Expertise her – und die war mit einem Unternehmen aus Bayern gefunden. Gesüßt wird ihr heutiges Produkt mit Kokosblütenzucker und Reissirup – und hat aber dennoch auf 100 Gramm je nach Sorte knapp 600 Kalorien und 20 bis 30 Gramm Zucker. Komplett kalorienarm geht es eben nie bei Schokolade.

Raccoon-Schokolade mit Espresso. Eine Tafel beinhaltet 70 Gramm. Foto: Raccoonchoc

2017 gründete das Paar „Raccoon“ mit dem Waschbären-Logo

Im Frühjahr 2017 gründete das Paar „Raccoon“ und hängte kurze Zeit später nach schlaflosen Nächten auch die vorherigen Jobs an den Nagel. Ob sie diesen Schritt je bereut hätten? „Es gibt immer wieder auch mal schlechte Nachrichten oder Hindernisse. Aber insgesamt sind wir glücklich mit der Entscheidung“, sagt Matthias Ludwig.

Dabei gab es für die Gründer schon ziemlich schlechte Nachrichten. Früher hieß die Schokolade nämlich noch anders – und noch im ersten Jahr gab es Rechtsstreitigkeiten um den Namen. Der endete damit, dass sich das junge Unternehmen umbenennen musste – 12 000 bereits gedruckte Verpackungen wanderten in den Müll. Und die Frage kam auf: Sollen wir lieber aufhören? „Nicht aus diesem Grund“, lautete dann die Entscheidung. Denn bis dahin wurde schon deutlich, dass es Kunden gibt, die Interesse an der Schokolade haben.

Im Mai 2018 ging es also noch einmal von vorne los. Und mittlerweile verkaufen die beiden Gründer ihre elf Sorten Schokolade schon an grob 2200 Supermärkte deutschlandweit – vor allem Kaufland und Rewe haben die Tafeln in ihr Sortiment aufgenommen.

Die Packung fällt im Regal direkt ins Auge. In verschiedenen Pastelltönen, mit großen Blättern, die von der Seite hineinranken und in der Mitte einem Waschbärengesicht, das einen direkt ansieht. Der Waschbär trägt ein Schweißband um den Kopf – klar, sportlich und gesund eben. Zieht man dann die 70-Gramm-Tafel aus der Packung, ist die in durchsichtige Folie eingeschlagen. Aber die fühlt sich irgendwie anders an. „Die ist aus Bioholzfasern und komplett kompostierbar“, sagt Matthias Ludwig.

Denn insgesamt war dem Paar wichtig, dass bei der Herstellung ihres Produkts weder Natur noch Tier oder Mensch Schaden nehmen. Der Kakao kommt direkt von einem kleinen Bauern in der Dominikanischen Republik. Die Verarbeitung findet komplett in der Produktion von Raccoon statt. Das Sojaprotein kommt aus Europa. Alle Zutaten sind biozertifiziert. Dass die Schokolade mit 2,99 Euro pro Tafel nicht ganz günstig ist, räumt Ludwig ein – doch all die genannten Dinge kosten eben. Und es gebe mittlerweile nunmal viele Menschen, denen es nicht egal ist, dass die Schokolade, die man so für einen Euro oder weniger bekommt, auch dementsprechend hergestellt ist.

Anfangs seien die beiden das Ganze noch spontan angegangen, haben einfach losgelegt. Mittlerweile machen sie konkretere Pläne. In welchen Supermärkten wollen wir noch vertreten sein? Welche Ziele setzen wir uns für die nächsten Jahre? Doch egal, ob das alles klappt oder ob der wackelige Start-up-Markt auch noch schlechte Nachrichten für sie bereit hat: „Wir haben so viel Lebenserfahrung gewonnen. Das war es jetzt schon wert“, sagt Matthias Ludwig.