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Düsseldorfer Grünen-OB-Kandidat: Die Stärken und Schwächen Engstfelds

Kommunalwahl : Die Stärken und Schwächen des Düsseldorfer Grünen-OB-Kandidaten Engstfeld

Stefan Engstfeld stellt sich den Mitgliedern seiner Partei am 21. Januar zur Wahl und möchte der Bewerber für die Rathausspitze werden. Eine Analyse zum Kandidaten-Kandidaten.

Stärken

Mittelgrün Schaut man sich die Grünen an, die es bisher zum Oberbürgermeister oder zum Ministerpräsidenten gebracht haben, fällt eine Gemeinsamkeit auf: Sie haben einen grünen Kern, sind aber ökologisch gemäßigt und in ihren politischen Schwerpunkten breit aufgestellt – also auch für Menschen im sozialdemokratischen und im bürgerlichen Spektrum mindestens theoretisch wählbar. Für diese Form von mittelgrün steht auch Stefan Engstfeld, und das nachweisbar in seinen gut zehn Jahren als Landtagsabgeordneter. Er setzte sich ebenso für Lärm- und Klimaschutz, mehr Bus und Bahn ein wie gegen Kinderarmut oder zu hohe Mieten.

Beharrlich Zu Beginn seiner Zeit als Landtagsabgeordneter hat sich Engstfeld an die Seite der Bürger-Initiative gestellt, die für Lärmschutz auf der Fleher Brücke kämpfte. Die betroffenen Bürger warteten seit den 70ern Jahren auf eine Lärmschutzwand und andere wirksame Mittel. Engstfeld hat sich trotz aller über die Jahrzehnte aufgebauten Gegenargumente so lange dafür eingesetzt, bis der Lärmschutz merklich verbessert wurde. Im metaphorischen Vergleich kann man sagen: Thomas Geisel läuft Marathon wegen der Strecke, Stefan Engstfeld wegen des Ziels.

Diplomatisch Im Landtag gab und gibt es ein besonderes Phänomen: den Zusammenschluss von Düsseldorfer Abgeordneten verschiedener Fraktionen, der bisweilen von der CDU bis zu den Piraten reichte. Die treibende Kraft hinter diesem Bündnis war und ist Stefan Engstfeld. So beharrlich er Grünen-Standpunkte vertritt, so offen und verlässlich erscheint er als Gesprächspartner. Diese Gabe hat zwei Vorteile: Der 50-Jährige hat keine nennenswerten Feinde, die ihm das Leben im Wahlkampf unnötig schwer machen. Folglich wird sich auch kaum jemand finden, der die Rolle des Vermittlers in Frage stellt.

Rheinisch Es wird für die OB-Kandidaten im Wahlkampf auch darum gehen, sich ausreichend von Amtsinhaber Thomas Geisel zu unterscheiden. Unabhängig von der inhaltlichen Relevanz wird dabei der Düsseldorf-Faktor eine Rolle spielen. Geisel wird wieder damit zu kämpfen haben, dass er Schwabe ist. Engstfeld, der in Duisburg geboren ist und seit langer Zeit in Düsseldorf lebt, ist in diesem Punkt ein natürlicher Gegenentwurf. Er ist Fortuna-Fan, häufiger Gast auf Karnevalssitzungen und Mitglied der Düsseldorfer Jonges. Das wiederum macht ihn zusätzlich noch für bürgerliche Kreise in der Landeshauptstadt vermittelbar.

Schwächen

Der Politikbetrieb Stefan Engstfeld saß schon im Studierendenparlament und ist seit knapp 25 Jahren Mitglied der Grünen. Er kennt die verschiedenen Ebenen der Politik in Deutschland sehr gut und hat dort viele Netzwerke aufgebaut. Die Kehrseite: Das hilft im Wahlkampf wenig bis nichts, und etwas anderes kennt Engstfeld in der praktischen Anwendung kaum. Das birgt mindestens die Gefahr, dass er in entscheidenden Situationen auf Mechanismen des Politikbetriebs vertraut, statt sich an den Bürgern zu orientieren.

Der Amtsbonus Während die FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und der noch nicht benannte Kandidat der CDU sich auf die bürgerlichen Wähler konzentrieren, wird Stefan Engstfeld bei den jüngeren und urbanen Düsseldorfern punkten wollen. Dabei, und damit für seine gesamte Kandidatur, wird der größte Konkurrent der Amtsinhaber sein. Und Thomas Geisel geht in dieses Rennen mit einem wichtigen Vorteil: seinem Bekanntheitsgrad. Engstfeld ist als Mitglied vieler Düsseldorfer Vereine und sehr regelmäßiger Gast gesellschaftlicher Veranstaltungen aller Größenordnungen durchaus kein Unbekannter. Es gibt aber größere Teile der Bevölkerung, die sich bis zum Wahltag seinen Namen nicht merken werden – Geisels aber bereits kennen.

Die weichen Faktoren In seiner Bewerbung für die partei-interne Wahl am 21. Januar betont Engstfeld auffallend einen Punkt: „Ich stehe für ein Miteinander statt Gegeneinander. Ich stehe für Respekt vor der anderen Meinung und dafür, scheinbare Gegensätze zu einer neuen Lösung zu kombinieren. Ich möchte Brücken bauen und Partizipation an politischen Entscheidungen ermöglichen. Zeit nehmen. Zuhören. Zusammen anpacken. Das ist mein Politikstil, für den ich antrete.“ Das zielt erkennbar darauf, sich von Oberbürgermeister Geisel zu unterscheiden, dem Alleingänge vorgeworfen werden und die Unfähigkeit, zuzuhören und andere Positionen zu respektieren. Engstfeld sollte im Wahlkampf nicht zu viel Energie für diesen Punkt aufwenden, weil er zwar in politischen und gesellschaftlichen Kreisen angenehm auffällt, den Bürgern ist er nicht wichtig. Diese Fähigkeit, so der überzeugungsstarke Engstfeld sie hat, spielt nach, aber nicht vor der Wahl eine Rolle.

Die Partei Wer mal bei einer Mitgliederversammlung der Düsseldorfer Grünen war, kennt ein wesentliches Kennzeichen der Partei: relativ viel Elite, relativ wenig Basis. Die Düsseldorfer Grünen haben mehr erfahrene und bekannte Repräsentanten als die hiesige SPD. Diese Spitzenvertreter erscheinen professionell und sind, wenn man ihren Profilen in den Sozialen Netzwerken glaubt, reichlich unterwegs. Sie werden für und mit Engstfeld eine gute Kampagne organisieren und ihn anständig unterstützen. Aber: Es wird keine große Bewegung geben, die Engstfeld trägt, und keinen, der in den entscheidenden Wochen noch auf eine kongeniale Idee kommt, die für zusätzliche Wählerstimmen sorgt. Das haben die Wahlkämpfe der vergangenen Jahre gezeigt. Die Grünen haben bei der Landtagswahl 2017 bis zum Wahlabend nicht wahrhaben wollen, wie schlecht es um sie steht. Und sie waren über die mehr 29 Prozent bei der Europawahl im vergangenen Jahr genauso erstaunt wie der Rest der Stadt.

Fazit Stefan Engstfeld hat gute Chancen, der erste Grünen-Oberbürgermeister in Düsseldorf zu werden. Der schwierigere Wahlgang für ihn wird dabei der erste. In der Landeshauptstadt gehen vier Kandidaten ins Rennen, die alle das Potential haben, mindestens 20 Prozent der Stimmen zu holen. Da kann es einem leicht passieren, dass man mit knappem Rückstand Dritter wird. Schafft es Engstfeld aber in die Stichwahl, steigen seine Chancen, weil dann vor allem die unentschlossenen Wähler eines denken könnten: Warum eigentlich nicht?