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Düsseldorfer Friseure verstehen nicht, dass sie trotz Corona arbeiten müssen

Corona-Krise : Salons bleiben offen – zum Ärger einiger Düsseldorfer Friseure

Neben den Geschäften zur Grundversorgung soll laut Bundesregierung auch das Haareschneiden in Zeiten des Coronavirus weiter möglich bleiben. Doch die Friseure können sich so nah am Kunden kaum schützen. Düsseldorfer Salon unterstützt eine Petition für die Schließung.

Frisieren kann man nicht mit der Kneifzange. Genau so wenig lassen sich Haare schneiden, wenn der Schneidende Handschuhe trägt – dann fehlt das Gefühl für die Haare, sie kleben an dem Gummimaterial fest. Beim Haareschneiden kommt der Friseur dem Kopf seines Kunden recht nah. Dabei ist in Zeiten des Coronavirus ja vor allem eines geboten: Abstand. Und trotzdem ist es einer der Jobs, die nach Beschluss der Bundesregierung weiter gemacht werden sollen. Neben Friseursalons sollen Einzelhandelsbetriebe für Lebens- und Futtermittel, Wochenmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Waschsalons, Großhandel und Baumärkte geöffnet bleiben. Diese Entscheidung, Friseursalons quasi zur Grundversorgung zu zählen, können jedoch manche Friseure nicht verstehen.

Zum Beispiel Manuel Tiede (32). Er ist Geschäftsführer des Salons Passion Cut in der Altstadt. Und war geschockt, als er von der Entscheidung der Bundesregierung hörte. „Im ersten Moment habe ich mich schon wie ein Mensch zweiter Klasse gefühlt“, sagt er. „Wir haben kaum eine Möglichkeit, uns zu schützen, weil wir so nah an den Kunden heran müssen, und sollen trotzdem sozusagen zur Grundversorgung beitragen.“ In seinen Augen müssten es die Leute aushalten, wenn sie mal zwei Wochen nicht zum Friseur gehen können.

Friseure kommen ihren Kunden bei der Arbeit etwa bis auf 30 Zentimeter nah. Abstand, um sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, kann hier kaum gehalten werden. Foto: dpa-tmn/Sebastian Kahnert

Hinzu kommt: Während die Kinder von Menschen aus systemrelevanten Berufen noch in Kitas oder in anderweitige gehen dürfen – die von Friseuren aber nicht, obwohl man ja weiterarbeiten soll. Das führt auch in dem kleinen Salon an der Hunsrückenstraße 35 zu Problemen. Eine Mitarbeiterin, die zwei Kinder hat, die gerade nicht in die Schule gehen dürfen, muss zu Hause bleiben. Genau so wie die Inhaberin des Salons.

„Das Problem ist doch, dass viele auch gerne zum Friseur gehen für das Wellness-Erlebnis. Haare schneiden ist aber nicht elementar wichtig. Man könnte doch wenigstens eine Weile darauf verzichten“, sagt die 22-jährige Mitarbeiterin Lisa Fiehl. Nicht nur die beiden sind dieser Meinung: Eine kürzlich eingerichtete Online-Petition für die Schließung von Friseursalons hat bereits knapp 75 000 Unterzeichner gefunden.

Schützen könne man sich kaum, sagt Manuel Tiede. Die Kunden würden zar nur noch auf jeden zweiten Platz gesetzt, um Abstand zu halten. Natürlich werde zudem die Handhygiene streng befolgt und alles regelmäßig desinfiziert. Auch beim Haarewaschen könne man noch Handschuhe tragen. Beim Schneiden allerdings nicht mehr. Und so nah am Kopf eines Fremden, das sei eben gegen jede Empfehlung um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Das hält Tiede für inkonsequent.

Tatsächlich sei das Kundenaufkommen immer noch groß. „Zwar haben ein paar Kunden auch abgesagt, weil sie kein gutes Gefühl in dieser Situation haben“, sagt Tiede. „Aber dafür machen sehr viele andere Kunden neue Termine, wir sind quasi ausgebucht. Als würden alle noch mal schnell einen Termin machen wollen, bevor vielleicht doch noch alles zu gemacht wird. „Und was ist, wenn die Leute Panik bekommen und gar nicht mehr raus gehen? Dann stehen wir in leeren Salons und haben mit den gleichen Umsatzproblemen zu kämpfen, wie derzeit Teile der Gastronomie, die geöffnet bleiben müssen“, sagt Tiede.

Eine Sprecherin der Düsseldorfer Friseur-Innung ist anderer Meinung. Sie ist der Ansicht, dass der Beruf durchaus weiter praktiziert werden kann – unter gewissen Sicherheitsvorkehrungen. Erstens seien die Hygiene-Standards in Salons eh hoch. Zweitens könne man den Betrieb durch räumliche Maßnahmen und Schicht-Betrieb entzerren. „Und drittens arbeiten wir ja die meiste Zeit hinter dem Kopf des Kunden. Wenn der hustet, geht das nach vorne“, sagt sie. Außerdem sei die Ansteckungsgefahr in Eins-zu-eins-Situationen relativ niedrig. Sie rät dazu, nur Kunden mit Termin in den Laden zu lassen und auf der anderen Seite denen, die sich nicht ganz gesund fühlen, ein kostenloses Stornieren des Termins zu ermöglichen.