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Düsseldorfer Flughafen: Arbeiten, damit andere Urlaub machen können

Start in die Ferien : Sie arbeiten, damit andere Urlaub machen können

Wo die einen schon von Sonne und Palmen träumen, haben die anderen mächtig zu tun. Dem Flughafen stehen die besucherstärksten Tage im Jahr bevor. Doch die Aufgaben sind klar verteilt.

Schon bevor der Schalter öffnet, hat sich eine lange Schlange gebildet. Kein Wunder, die, die hier anstehen, wollen nach Punta Cana in die Dominikanische Republik - zu spät sein will bei einem Langstreckenflug niemand. Weit vorn ein Paar mit gelbem und pinkfarbenem Koffer. Ungewöhnlich, wo doch die meisten auf schwarzes Reisegepäck zurückgreifen. Am Schalter bekommen sie ein paar Minuten später ihre Bordkarten gereicht, die Koffer ruckeln über das Fließband. Der Urlaub kann losgehen.

An diesem Wochenende erwartet der Flughafen wesentlich mehr Fluggäste als an normalen Tagen. 3,9 Millionen Menschen starten hier in ihre Sommerferien. Allein von Freitag bis Sonntag werden 258 000 erwartet. „Da muss alles zusammenpassen“, sagt Thomas Schnalke, Vorsitzender der Flughafen-Geschäftsführung. Vom Check-In über die Sicherheit bis zum Abfertigen des Gepäcks.

 Natürlich muss man noch die Sicherheitskontrolle passieren, dann kann der Urlaub aber wirklich losgehen.
Natürlich muss man noch die Sicherheitskontrolle passieren, dann kann der Urlaub aber wirklich losgehen. Foto: ja/cas

Susanne Gielessen steht am Anfang dieses Ablaufs. Sie ist Check-In-Agentin und bringt die Menschen auf die erste Stufe Richtung Urlaub. Mit vier Kollegen hat sie etwa drei bis vier Check-In-Einsätze am Tag – kümmert sich also um 600 bis 1200 Fluggäste. „Die sind ganz unterschiedlich drauf. Manche sind schon in Urlaubsstimmung und ganz entspannt, andere eher gestresst“, sagt sie. Schwierig werde es dann, wenn mit Gepäck oder Ausweis etwas nicht stimmt. Wenn der Pass etwa abgelaufen ist. „Bei Langstreckenflügen können wir da nichts machen“, sagt Gielessen, die wohl auch schon Urlauber nach Hause geschickt hat. Auch beim Gepäck dürfe sie mittlerweile keine Kompromisse mehr machen – jedes Kilo zu viel kostet. Oder muss ausgepackt werden.

Ist die erste Hürde genommen, geht es weiter. Dahin, wo Anne Kister und ihre Kollegen den Überblick haben. Sie arbeitet bei der Bundespolizei. Für den tatsächlichen Sicherheitscheck ist allerdings eine andere Firma zuständig. Mittlerweile funktioniert der in Düsseldorf mit Körperscannern. Nacheinander treten die Urlauber in die silberne Kammer und müssen die Hände über den Kopf nehmen. Ein Mitarbeiter stellt am Bildschirm ein, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Dann winkt er den Passagier zu sich aus dem Scanner. Auf dem Bildschirm erscheint eine Silhouette, gelb markiert sind die Stellen, an denen etwas verdächtig aussieht. Uhr? Gürtel? Schuh? An der Seite überprüfen weitere Mitarbeiter, ob alles in Ordnung ist.

Nebendran durchläuft das Handgepäck die Kontrolle. Eine Mitarbeiterin blickt konzentriert auf den Bildschirm. Orange werden die Umrisse des Gepäcks angezeigt, blau ist, was komisch ist. Immer wieder steht sie auf, sortiert die Taschen. Die Besitzer der Taschen, die nach links kommen, dürfen weitergehen, die, die rechts landen, werden durchsucht. In einem Mülleimer sammeln sich zu große Cremetuben und Deo-Sprays. „Ich habe schon Nutella-Gläser gesehen, die in Tüten umgefüllt waren, um Glas zu sparen“, erinnert sich Anne Kister. Oder Sägen und Schneidegeräte. Die werden hier alle aussortiert.

 Während die Passagiere durchleuchtet werden, haben ihre Koffer das schon hinter sich. Vom Check-In sausen und poltern die über Förderbänder durch die Sortieranlage. Erster Schritt: Sie werden mit großen grauen Wannen „verheiratet“. „Da bringen wir die Informationen aus dem Code am Koffer mit unseren Informationen zusammen“, sagt Ingo Krahforst, Betriebsleiter der Gepäcksteuerung. Denn er und sein Team wissen, wo das Gepäck für das Beladen gesammelt wird. In der Anlage gehen die Stücke noch durch ein Röntgengerät und werden auf den langen Strecken Förderband verteilt.  Die Koffer für die Dominikanische Republik, sind längst weg – denn vom Check-In bis zum Bestimmungsort vergehen gerade einmal drei bis fünf Minuten.

Der Bestimmungsort, das ist ein langes Fließband in einer Halle direkt am Vorfeld. Dort wird noch mit richtiger Muskelkraft gearbeitet, denn hier werden die Koffer und Rucksäcke auf Wagen und in Container gepackt. Und die werden dann zum Flugzeug gefahren, mit dem es in den Urlaub geht. Wie etwa dem Airbus A330-200, der auf den Abflug nach Punta Cana wartet.

Das Beladen eines Fliegers ist eine kleine Wissenschaft für sich. Denn das Gewicht muss gut verteilt sein, damit der Schwerpunkt des Flugzeugs in der Luft stimmt. Mit berücksichtigen müssen die Mitarbeiter das Gewicht des Tanks, der Verpflegung und auch die Sitzplätze, die besetzt sind, falls der Flug nicht voll ist. Das Flugzeug selbst wird gerade noch geputzt, Abfall vom vorherigen Flug wird ausgeladen, neue Kissen, und Toilettenpapier werden eingeladen. Im Hintergrund steigen schon ein paar Männer und Frauen in türkisfarbener Uniform die Stufen hinauf – die Crew.

Dann kommen die Wagen mit den Koffern. Bevor die in den Flieger geräumt werden – containerweise, anders als früher wird heute nicht mehr jeder einzelne Koffer angepackt –, überprüft  ein Mitarbeiter die Zettel, auf denen steht, ob die Ladung, die hier ankommt, auch zum Flieger gehört. Er hebt die Abdeckung einer der Wagen und da: ein gelber und ein pinkfarbener Koffer. Bis hierhin haben sie ein ganzes Stück Strecke hinter sich gebracht – bis zu zwei Kilometer lässt sie das Fließband durch den Flughafen nehmen. Doch die wirklich lange, steht ihnen noch bevor. Mehr als 7000 Kilometer – in die Dominikanische Republik.