Feuerwehr in Düsseldorf „Bauen ist nicht unsere Kernkompetenz“

Interview | Düsseldorf · Der Feuerwehrchef und der Feuerwehrdezernent über anstehende Sanierungen und Umgang mit Sexismus.

 Christian Zaum (Dezernat für Feuerwehr) und Feuerwehrchef David von der Lieth (r.) sprechen über die großen Herausforderungen.

Christian Zaum (Dezernat für Feuerwehr) und Feuerwehrchef David von der Lieth (r.) sprechen über die großen Herausforderungen.

Foto: Anne Orthen (orth)

Die Düsseldorfer Feuerwehr steht vor Herausforderungen: In den nächsten Jahren sollen die Feuerwachen saniert und erneuert werden, das Personal wird diverser, die Bevölkerung wächst und mit ihr auch die Anforderungen an Feuerwehr und Rettungsdienst. Ein Gespräch mit Feuerwehrdezernent Christian Zaum und Feuerwehrchef David von der Lieth über Düsseldorfs Vorreiterrolle, die Zukunft und den Umgang mit Problemen.

Herr von der Lieth, Sie haben 2018 den Posten als Feuerwehrchef angetreten. Wie geht es Ihnen nach fünf Jahren im Amt?

David von der Lieth: Mir geht es sehr gut damit. Die Düsseldorfer Feuerwehr ist sehr gut aufgestellt. Anders als viele andere Unternehmen haben wir keinen Fachkräftemangel, unsere Personaldecke ist stabil. Bei unseren Auszubildenden haben wir seit einigen Jahren einen erfreulich hohen Frauenanteil von aktuell 25 Prozent. Daneben wird unsere Fahrzeugflotte strategisch kontinuierlich erneuert und die Ausrüstung ist ebenfalls auf einem sehr guten Stand.

In anderen Städten gibt es derzeit große Personalsorgen – warum nicht in Düsseldorf?

Von der Lieth: Schon durch meine Vorgänger gab es früh Bemühungen, die Feuerwehr strukturell gut aufzustellen. Das bringt uns den Luxus, dass viele Strukturprobleme anderer Berufsfeuerwehren bei uns nicht oder nicht mehr vorhanden sind. Das ist sicherlich nicht für die nächsten 50 Jahre zementiert, sondern ein beständiger Prozess, aber aktuell ist die Düsseldorfer Feuerwehr sehr stabil und kann diese Stadt sehr gut schützen.

Christian Zaum: Gerade was das Personal angeht, haben wir uns bereits vor vier, fünf Jahren geöffnet. Als ich 2021 die Position als Feuerwehrdezernent übernommen habe, gab es noch häufig Diskussionen über fehlendes Personal. Das war ein Tal, durch das wir schreiten mussten, aber wir haben es kommen sehen und frühzeitig gehandelt, sodass es inzwischen überwunden ist. Dafür mussten die Ärmel hochgekrempelt werden. Es war ein aktiver Prozess und man kann schon sagen, dass wir da der Zeit ein Stück weit voraus waren.

Sie sprachen schon den gestiegenen Frauenanteil an. Wie kann die Feuerwehr in der Hinsicht vielleicht noch attraktiver werden?

Von der Lieth: Es gibt einen einfachen Faktor, der sich simpel anhört, aber schwierig umzusetzen ist: Ein höherer Frauenanteil. Je größer der ist, desto attraktiver werden wir allgemein für unsere Bewerber, aber speziell für Frauen. Ein höherer Frauenanteil schafft Vernetzungsmöglichkeiten. In der Kommunikation merkt man, dass es in jüngeren Jahrgängen, insbesondere unter Auszubildenden, kaum eine Wahrnehmung der Unterschiede mehr gibt. Auch tradierte Ansichten, die hin und wieder noch vorhanden sind, verändern sich zunehmend.

Wo Sie tradierte Ansichten erwähnen: In Feuerwehr und Rettungsdienst gibt es häufig aber auch Vorfälle von Rassismus oder Sexismus. 2021 gab es Fälle in Düsseldorf, die bekannt wurden. Wie wurde damit umgegangen?

Von der Lieth: Das Thema begleitet uns fortwährend. Es wäre illusorisch, davon auszugehen, dass es in einer solch großen Organisation keine Vorfälle gäbe. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – mittlerweile wird es gemeldet. Das war 2021 nicht der Fall. Ich habe es aus der Zeitung erfahren und war völlig paralysiert.

Was ist inzwischen anders?

Von der Lieth: Wir haben ein großes Maßnahmenpaket geschnürt. Unter anderem gab es Umbildungen, sowohl generell personell als auch in der Führungsstruktur. Mit der Landeszentrale für politische Bildung wurde ein Führungskräfteseminar zum Thema Rassismus/Extremismus eingeführt. Es war mir wichtig, dass Führungspersonal sowohl Gruppendynamiken erkennen als auch aktiv auf Stammtischparolen reagieren kann. Uns ist da eine gewisse Hilflosigkeit aufgefallen, der wir mit dem Seminar und einer Sensibilisierung für das Thema schon ab der Ausbildung und darüber hinaus entgegentreten. Das Führungskräfteseminar wird mittlerweile übrigens sogar NRW-weit angeboten.

Abseits dessen gibt es einen weiteren Faktor, der die Feuerwehr auf Dauer attraktiver und leistungsfähiger machen soll: Die Feuerwachen sollen saniert beziehungsweise rundum erneuert werden. Dazu wurde in den letzten Jahren Feuerwehrtechnische Maßnahmen (FOM I) entwickelt, womit vier Standorte parallel geplant und umgesetzt werden sollen.Wie geht es Ihnen jetzt damit?

Zaum: Wir sind schon sehr erleichtert. Wie David von der Lieth schon ausführte, sind wir in vielen Punkten sehr gut aufgestellt, unsere Achillesferse sind jedoch die Wachen. Kürzlich haben wir 150 Jahre Berufsfeuerwehr gefeiert – und einige Standorte stammen baulich noch aus dieser Zeit. Sie werden zwar in Schuss gehalten und funktionieren, sind aber weder den heutigen Anforderungen noch unseren Ansprüchen gewachsen. Die Stadt wächst und wir müssen mitwachsen.

Es gab in der Vorlage einen Grobkostenrahmen, der für die vier Standorte 105 Millionen Euro Kosten vorsieht. Die 26,25 Millionen für die Planung sind ja nun bewilligt. Wie geht es weiter?

Zaum: Wir treten jetzt erst einmal in die konkreten Planungen ein. Wie viel die Bauarbeiten am Ende wirklich kosten, ist noch offen und ich möchte mich auch nicht aus dem Fenster lehnen. Die hier genannte Zahl war für die Politik zur Orientierung gedacht.

Was ist besonders wichtig bei dem FOM I-Paket?

Zaum: Besonders das Stichwort ‚schneller‘ ist wichtig. Die Werstener Feuerwache, für die im Sommer der erste Spatenstich erfolgt, hat 14 Jahre Planungszeit hinter sich. So lange können wir nicht warten! Wir merken jetzt schon, dass Erfahrung verloren geht, wenn man längere Zeit keine Feuerwachen mehr baut, hinzu kommen viele Neuerungen in Sachen Ausstattung, Arbeitsschutz und allgemeinen Anforderungen. Zudem wird auch das Thema Nachhaltigkeit und Ökologie immer wichtiger, auch das wollen wir natürlich in der Planung bedenken. An allererster Stelle muss aber die Funktionalität stehen! Das Garagentor muss aufgehen – egal ob es 40 Grad plus oder 15 Grad minus sind!

Der Name FOM I lässt schon darauf schließen, dass ein weiteres Paket folgen soll, richtig?

Zaum: FOM II ist eingeplant und zwar nicht erst, wenn alle Baumaßnahmen aus FOM I abgeschlossen sein werden. Wir möchten schon voranschreiten, sobald wir einzelne Maßnahmen gut in den Griff bekommen haben und direkt an anderen Wachen weitermachen. Das Konzept orientiert sich dabei an der Schulbauoffensive.

Was war besonders schwierig bei der Entwicklung des Pakets?

Von der Lieth: Wir sind, was das Gebäudethema angeht, nie auf eine generelle Ablehnung gestoßen oder mussten kräftezehrende Überzeugungsarbeit leisten. Die Frage, die sich stellte, war vielmehr die: Wohin wollen wir eigentlich? Es erschien nicht sinnvoll, sich in Einzelmaßnahmen zu verlieren oder zu bauen und kurz darauf zu bemerken, dass es schon wieder neue Bedarfe gibt. Wir haben also eine Struktur entwickelt und die Bedarfe gemeinsam mit dem Gebäudemanagement ermittelt. Das war viel Arbeit, Bauen ist schließlich nicht unsere Kernkompetenz, sondern Feuer zu löschen (lacht). Und ein Problem wird die Standortfrage sein: Nur weil wir ein Gelände gut finden, heißt das noch lange nicht, dass uns jeder mit offenen Armen willkommen heißt.

Wenn Sie für die neuen Wachen einen Wunsch frei hätten – unabhängig vom Budget – was wäre das?

Von der Lieth: Ich glaube, dass mein Wunsch durchaus auch im Budget liegen würde: Jeder kennt die alten Feuerwachen, die zum Stadtbild dazugehören, etwa die Wachen 1 und 3. Obwohl sie schon wirklich alt sind, sind sie immer noch tauglich, das ist uns bei den Bauten aus den 50er und 60er Jahren nicht so gut gelungen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass die Planer und Architekten den Mut haben, Entwürfe zu gestalten, die prägend sind. Es muss nicht außergewöhnlich sein, aber doch architektonisch schön. Sodass wir die Chance bekommen, wieder Gebäude zu etablieren, die noch in Hundert Jahren bestehen und funktionieren.