Düsseldorfer fährt beim AVD Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring

Oldtimer : Ein Gentleman im Renntempo

Unternehmer Wolfgang Friedrichs besitzt seine Aston-Martin-Sammlung nicht nur zum Angucken.

Wolfgang Friedrichs hat am vergangenen Wochenende seine zivile Kleidung gegen einen feuerfesten Overall getauscht. Ich traf ihn am Nürburgring zum AVD Oldtimer Grand Prix, der wichtigsten Veranstaltung für klassische Rennwagen in Deutschland, wo er mit seinem Aston Martin DB 4 GT im Rennen für 2-sitzige Rennsportwagen bis 1961 und mit einem Aston Martin „Project“ bei der Gentle Drivers Trophy teilnahm.

Um dort gut abzuschneiden, reiste er bereits am Donnerstag an, um Einstellarbeiten an den Wagen vorzunehmen. Beim Training am Freitag erreichte er den Startplatz sechs in der Trophy, und den 5. bei den Rennsportwagen. Man sah ihm die warmen Temperaturen im Cockpit und die harte Arbeit am Lenkrad an. „Wir hatten keine Probleme, und ich bin mit beiden Startplätzen sehr zufrieden. Vielleicht kann ich im Rennen noch ein paar Plätze gut machen.“ So das Fazit des Unternehmers.

Wolfgang Friedrichs erstes Auto war ein Käfer 1303 Standard

Friedrichs auf dem Nürburgring. Foto: Mike Neubauer

Auch, wenn es in diesem Moment schwer vorstellbar ist, aber der 67-jährige ging das Thema Auto zu Beginn eher praktisch an. Seine motorisierte Karriere begann er in Norddeutschland auf Mopeds mit 50 Kubikzentimetern, um in seinem Beruf von A nach B zu kommen. Als die Strecken größer wurden, musste er aufs Auto umsteigen. Es begann, wie bei vielen, mit einem Käfer 1303 Standard. Danach kamen ein Fiat 124, BMW und Mercedes – Autos, die heute als Klassiker gelten, damals aber ganz normale „Gebrauchte“ waren.

Erst Anfang der 80er Jahre kaufte sich Friedrichs seinen ersten echten Oldtimer, einen Peugeot 404 Cabrio. Mit diesem machte er eine lange Reise durch Europa und war überrascht, wie alltagstauglich der Wagen war. Es folgte eine Corvette Cabrio, die er ebenfalls normal nutzte. Danach übernahm der Beruf die Hauptrolle, so dass keine Zeit mehr für Oldtimer blieb, geschweige denn dafür, eine Sammlung aufzubauen.

Ein paar Jahre später war der Zeitpunkt für den wohlüberlegten Kauf eines automobilen Klassikers gekommen, und nun entschied er sich ganz bewusst für einen Aston Martin DB S 6 Vantage. Im Gegensatz zu vielen anderen hatte er keine Angst vor englischen Fabrikaten. Im Gegenteil, seiner Meinung nach sind die Automobile von der Insel mechanisch ausgereift und halten länger, wenn man sie richtig pflegt. Besonders aber das zeitlose Styling und die auch in den Straßenwagen vorhandene „Renn-DNA“ hatten es ihm angetan.

1997 erfüllte er sich den nächsten großen Wunsch, er kaufte einen offenen 2-Sitzer von Aston Martin, einen reinen Rennsportwagen, um an der berühmten Mille Miglia für klassische Automobile teilzunehmen, einem in den 50er-Jahren sehr wichtigen Rennen. Seit der Wiederauflage 1977 ist es eine Gleichmäßigkeitsprüfung, kein wirkliches Rennen mehr. Trotzdem geht es oft im Renntempo über öffentliche Straßen Norditaliens. Friedrichs wurde im ersten Versuch 27. der Gesamtwertung.

Danach wurde er von Aston Martin zu einem Testtag auf einer Rennstrecke eingeladen und erlebte, was es heißt, alte Rennwagen auf einer abgesperrten Strecke schnell zu bewegen. Von sich selbst sagt er, er sei ein Gentleman-Driver und meint damit, immer so zu fahren, dass er sich und andere nicht gefährdet. Ihm genügt es, bei Rennen im vorderen Mittelfeld anzukommen. Rennen um jeden Preis und ohne Rücksicht auf Verluste, das sei mit seinen, dafür zu wertvollen Autos gar nicht möglich. Leider verändere sich die Szene aber zunehmend dahin, dass mit nicht originalen Autos auf „Teufel-komm-raus“ gefahren werde, was am Ende auch ihn gefährden könnte.

Friedrichs sammelt Aston Martin Sportwagen der 50er und 60er

Der Düsseldorfer genießt es, auf den Rennstrecken mit seinen Schätzen unterwegs zu sein und lässt diese im Rahmen der Regeln weiterentwickeln, um sie schneller zu machen. Es ist für ihn ein ernster und wichtiger Sport, der körperlich anstrengend ist, weil in den Autos keine Hilfen eingebaut sind und Trommelbremsen dem Fahrer alles abverlangen. Dies mache aber die Faszination des Fahrens mit diesen Autos aus.

Friedrichs ist mit dem Hause Aston Martin inzwischen eng verbunden. Er nennt ein Einzelstück sein Eigen, einen „Project“ benannten Rennsportwagen, der die 24 Stunden von Le Mans gefahren ist. Den Aston Martin Formel 1 aus den 50er Jahren besitzt er ebenfalls und fährt ihn regelmäßig auf Rennstrecken. Er hat im Laufe der Jahre eine der umfangreichsten Sammlungen von Aston Martin Rennsportwagen der 50er und 60er Jahre zusammengetragen. Dazu kommen einige zivile Fahrzeuge aus dieser Zeit und einige wenige neuere Wagen.

Die Engländer empfindet er als begeisterter und engagierter in Bezug auf die Pflege der Traditionen und das Besuchen von Klassiker-Veranstaltungen als die Deutschen. Für Friedrichs sind seine Autos keine „Assets“, also Anlagegüter, sondern eine echte Leidenschaft, die er immer wieder gerne in Rennen auslebt, auch wenn die Wagen dabei Gefahren ausgesetzt sind. Es sind und bleiben für ihn Automobile, die gebaut wurden, um sie schnell zu bewegen.

Am Nürburgring haben beide Autos bei den Besuchern für großes Aufsehen gesorgt und sind tausendfach fotografiert worden. Leider bekam das Team mit dem „Project“ am Samstag technische Probleme, so dass dieser nicht am Rennen teilnehmen konnte. Der DB 4 GT lief dagegen wie ein Uhrwerk und absolvierte das Highlight des Wochenendes, das einstündiges Rennen am Abend, ohne Probleme und landete am Ende auf dem 5. Gesamtrang. Und er wurde Sieger seiner Klasse.

Friedrichs: „Es ist eine besondere Freude diese Autos auf einer Rennstrecke schnell zu bewegen und der Regen am Freitag hat es noch aufregender gemacht. Im Rennen am Samstagabend lief es richtig gut, und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es ist fantastisch hier am Ring in die Dunkelheit hinein zu fahren“, resümiert der Hobbyrennfahrer. Die Autos kommen in einem Stück wieder in die Garage, werden dort gewartet und auf den nächsten Einsatz vorbereitet.

Wolfgang Friedrichs ist viel beschäftigt, und ein Termin mit ihm nicht einfach zu vereinbaren. Dann sprechen wir über Aston Martin – und das fast zwei Stunden lang. Leidenschaft eben.

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