1. NRW
  2. Düsseldorf

Düsseldorfer entwickelt Familien-App "Kid-Coins"

Erfindung : Start-Up: Münzen sammeln für den Familienfrieden

Der Düsseldorfer Phillipe Münzenmaier hat die App „Kid-Coins“ entwickelt, um zu Kinder zu motivieren, Aufgaben im Haushalt zu erledigen.

Es ist die klassische Start-Up-Geschichte: Ein Gründer begegnet im Alltag einem Problem, hat die Expertise, es zu beheben und traut sich, den Schritt ins Unbekannte zu wagen. Dass der Gründer in diesem Fall auch noch den zum Produkt passenden Nachnamen trägt, wirkt dabei schon fast wie ausgedacht: Phillipe Münzenmaier hat eine App entwickelt, die Familien dabei helfen soll, das Chaos zu Hause in den Griff zu bekommen. Sie funktioniert nach einem Motivationssystem: Die Kinder sammeln virtuell Münzen, sogenannte Coins, und können sich damit in der App hinterlegte Wünsche erfüllen.

Phillipe Münzenmaier hat drei Kinder und weiß, dass das Zusammenleben mit fünf Personen unter einem Dach nicht immer einfach ist. Nicht erst seit Corona. „Die täglichen Diskussionen mit den Kindern um kleine Handgriffe können schon sehr anstrengen“, sagt der 46-Jährige. Betten machen, Zimmer aufräumen, Müll rausbringen oder auch Schulaufgaben erledigen — bei Familie Münzenmaier wurde um vermeintliche Selbstverständlichkeiten viel diskutiert. „Wenn man ohnehin wenig Zeit hat, möchte man sie nicht mit unnötigen Streitereien verschwenden, sondern vielmehr schöne, entspannte Momente mit den Kindern verbringen“, sagt er. Was dem gebürtigen Schwaben darüber hinaus ein Anliegen war: Kindern zu vermitteln, dass Dinge einen Wert haben. Dass sie auf eigene Wünsche sparen. Dass sie etwas dafür tun, um sie sich schließlich erfüllen zu können. „Früher hieß es oft: Oh, da ist etwas kaputt gegangen. Egal, dann gibt es halt ein neues Spielzeug“, erzählt Münzenmaier. Damit sollte Schluss sein.

Vor eineinhalb Jahren legte der IT-Spezialist los. Anfangs wurde ein Flipchart genutzt, um das Belohnungsprinzip zu Hause zu testen. Für jede erledigte Hausarbeit sammelten die Kinder „Coins“. Wie viele für welche Aufgabe im Haushalt, legten die Eltern fest. Die Münzenmaiers bestimmten auch, wie viele Coins zusammenkommen müssen, um den vom Kind angedachten Wunsch zu erfüllen – Fußballkarten, eine Actionfigur oder ein Springseil.

Das erfolgreich getestete Motivationssystem übertrug Münzenmaier in die Kid-Coins-App. Das schuf weitere Anreize: „Für Kinder ist es natürlich interessanter, wenn Tablet oder Handy zum Einsatz kommen“, sagt Münzenmaier. Darüber hinaus wird der Familie in der App sprichwörtlich vor Augen geführt, wie viel mehr Zeit für andere Dinge bleibt, wenn nicht mehr über Kleinigkeiten diskutiert werden muss: Die schönsten Momente jedes Familienmitglieds werden als Foto online in der „Family Wall“ abgelegt, aus der am Ende des Jahres automatisch ein Fotobuch erstellt werden kann.

Der Düsseldorfer ist sich sicher, dass seine „Kid-Coins-App“ auch anderen Familien Erleichterung im Alltag bringen wird. „Bei uns war beispielsweise das Bettenmachen der Jungs nach wenigen Wochen tatsächlich kein Thema mehr“, sagt er. Bis heute. Und das obwohl es dafür schon lange keine Coins mehr dafür gibt. „Die App soll nicht dazu führen, dass Kinder nur noch etwas machen, damit sie etwas dafür bekommen“, betont er. „Beim Bettenmachen beispielsweise genügte die App als Starthilfe. Schnell hatten die Jungs begriffen, dass es ganz leicht ist, die Bettdecke morgens zusammenzufalten“, sagt der Familienvater und lacht.

Vergangenes Jahr hat der 46-Jährige seinen Vollzeit-Job gekündigt, um sich auf die Weiterentwicklung seiner Familien-App zu konzentrieren. In der ersten Finanzierungsrunde für die Kid-Coins GmbH konnte er unter anderem Marcus Stahl, Mitgründer Boxine GmbH (Tonie Box), als Investor für seine Idee gewinnen.

Eltern können die App aktuell kostenlos herunterladen. In Zukunft wird es dann eine kostenpflichtige Premium-Variante geben. Auch an einem Brettspiel für Familien arbeitet Phillipe Münzenmaier bereits. Das soll ebenfalls nach dem Münzen-Sammel-Prinzip funktionieren. Allerdings analog. Ganz klassisch für den Küchentisch. Wenn seine Kinder künftig auch nicht mehr diskutieren, wenn es ums Homeschooling geht, bleibt schließlich noch mehr Zeit für die schönen, entspannten Momente mit der Familie.