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Düsseldorfer Blumenhändlerin erfindet sich in der Corona-Krise neu

Corona in Düsseldorf: Blumenhändlerin erfindet sich neu : „Kreativ werden und neue Wege gehen“

Die Pempelforter Blumenhändlerin Martina Rössler erfindet sich in der Corona-Krise neu.

Anfang 2002 bin ich der Liebe wegen von der Elbe mit Sack und Pack an den Rhein gezogen. Mit meinen fast 54 Jahren bin ich die dritte Generation Florist in meiner Familie, und Anfang März 2004 haben mein Mann und ich unseren kleinen Laden Flower & More eröffnet – an der Derendorfer Straße in der Nähe des Rochusmarktes.

Seit dem ersten großen Lockdown haben wir unseren Laden wegen seiner „stolzen“ Größe von 35 Quadratmetern Verkaufsfläche auf Türverkauf umgerüstet und einen Onlineshop eröffnet. Aber ohne all die größeren Aufträge wie Hochzeiten, Events, große Adventsdekorationen und die wöchentlichen Aufträge von Firmen, die uns über so manche ruhige Sommer und Wintermonate brachten, können wir uns gerade so über Wasser halten.

Auch ist es seit Corona aufwändiger, an Ware zu kommen, vor allem sind die Einkaufspreise zum Teil erheblich gestiegen, wo soll auch die Ware herkommen? Die Pandemie wütet ja nicht nur bei uns, sondern weltweit.

Das spüren natürlich auch die Kunden, wodurch es jetzt noch viel aufwendiger ist, einigen Kunden zu erklären, was sowieso schon lange Dauerthema bei den meisten Kollegen in Deutschland ist und uns wirklich das Leben schwer macht, dass wir nicht zu den Konditionen eines Discounters einkaufen und so unsere Preise, wenn wir davon leben wollen, nicht dem gleich sind. Sie sehen nur etwa Primeln zum Discounterpreis von 77 Cent und bei uns für 2,50 Euro, dass unsere aber von einem Gärtner aus der Region kommen und so andere Herstellungskosten haben als ein Discounter-Produkt sehen viele nicht. Dazu kommt bei uns noch Arbeitsaufwand und alles andere Drumherum dazu.

Zudem erleichtert uns der Türverkauf nicht den Verkauf, wir leben davon, dass der Kunde Blumen und Pflanzen sehen, erleben, fühlen, riechen kann, aber anders geht es bei uns momentan nicht. Unser Laden ist zu klein, und alles raus stellen bringt auch einige Probleme: das Wetter, die Temperaturen, der Platz auf dem Gehweg – jeder Zentimeter kostet.

Jetzt beim zweiten Lockdown dürfen wir zwar verkaufen, aber nur schnell verderbliche Ware, es ist gerade ein Hindernislaufen. Gerade die aktuell trendigen Trockenblumen oder Zimmerpflanzen zählen nicht dazu, sie sind langlebig, wenn man es genau nimmt, nur erklären sie den Kunden genau das, wo sie gerade jetzt das haben wollen: Das können die Kunden nur als Click & Buy-Bestellung übers Internet oder Telefon kaufen, das macht einen irre und wir reden uns Fransen an den Mund.

Ich weiß von vielen Kollegen, die nicht mehr vor und zurück wissen, gerade die ältere Generation tut sich schwer mit der Digitalisierung ihres Verkaufs, und diese kleinen alteingesessenen Geschäfte werden über kurz oder lang aufgeben, weil sie den Sprung nicht schaffen in die neue Welt des Verkaufs. Ja, es sind harte Zeiten, die aber auch – wie ich finde – etwas Gutes mit sich bringen, man kann sein Konzept überdenken, kreativ werden, neue Wege gehen. Ob es interaktive Online-Workshops oder Videos sind. Und kreativ sein gehört ja in das Berufsbild des Floristen, nur wie unsere Kunden es insgesamt annehmen, wird sich zeigen, es wird sich auch zeigen, wer diese Zeit zur Neufindung nutzt in unserer Branche.

(bpa)