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Düsseldorfer App „Dermanostic“ bringt den Hautarzt aufs Smartphone

Düsseldorfer Start-up ausgezeichnet : App „Dermanostic“ bringt den Hautarzt aufs Smartphone

Foto hochladen und in maximal 24 Stunden eine Diagnose von der Dermatologin bekommen. Das ist das Prinzip der App eines Düsseldorfer Start-ups. Nun bekam das einen Preis dafür.

38 Tage wartet man in NRW als gesetzlich Versicherter im Durchschnitt auf einen Termin beim Hautarzt. Das zeigt eine Studie der Grünen aus dem Jahr 2017. Bei so manchem Hautproblem ist diese Wartezeit aber zu lang. Die Düsseldorfer Dermatologinnen Alice Martin und Estefanía Lang haben dafür eine Lösung gefunden. Ihr Start-up, das sie mit ihren Ehemännern Ole Martin und Patrick Lang gegründet haben, hat im März die App „Dermanostic“ in die App-Stores gestellt — und bringt damit den Hautarzt aufs Smartphone. Dafür haben sie nun den Start-up-Preis von „NRW-Wirtschaft im Wandel“ erhalten.

Die Idee kam ganz praktisch aus dem Alltag der beiden Gründerinnen. Immer wieder schickten Freunde Fotos von Hautstellen mit der Bitte um eine Einschätzung oder einen Rat von den Fachleuten. In den meisten Fällen konnten die Ärztinnen weiterhelfen und entschieden sich, diesen schnellen Weg, zu einer Diagnose zu kommen, zu professionalisieren.

Seit Oktober haben 1600 Patienten eine Diagnose erhalten

Im Oktober 2019 gründeten sie „Dermanostic“, im März ging die App an den Start. Seitdem haben etwa 1600 Patienten eine Diagnose erhalten. Dass sogenannte Telemedizin — also Diagnostik und Therapie aus der Ferne via Videotelefonie oder Messenger — gerade bei Hautärzten funktioniert, dazu gebe es bereits Studien, sagt Laura Siebertz. „Die Bildqualität der aktuellen Smartphone-Kameras reicht für die Diagnose aus“, sagt die Sprecherin von Dermanostic.

Der Weg zur Diagnose per App ist einfach. Hat man die App auf das Smartphone geladen, kann man dort einen „Neuen Fall“ anlegen. Dann wird man aufgefordert, die Hautstelle, um die es geht, drei Mal zu fotografieren. Ein Mal aus etwa 30, ein Mal aus etwa zehn Zentimeter Entfernung. Und ein drittes Mal mit gleichem Abstand, aber aus einem anderen Winkel. Anschließend muss man noch einige Fragen beantworten. Wo befindet sich die Hautveränderung? Seit wann ist sie einem aufgefallen? Juckt es oder tut es weh? Danach sind noch allgemeine Informationen zum Patienten gefragt.

Die App selbst kann man kostenlos herunterladen. Schickt man einen Fall an das Hautarzt-Team, kostet das einmalig 25 Euro. Die müssen die Patienten allerdings selbst zahlen, bislang übernimmt die Krankenkasse die Kosten noch nicht. Die Daten werden nur in Deutschland gespeichert — pseudonymisiert, verschlüsselt und datenschutzkonform. Die Anbieter versichern, sich innerhalb der nächsten 24 Stunden mit einer Diagnose zu melden. „Meistens geht es aber schneller“, sagt Laura Siebertz, die durchschnittliche Zeit bis Diagnosestellung beträgt demnach 3,8 Stunden.

App passt in eine Zeit, in der viele den Arztbesuch meiden

Auch wenn es so nicht geplant war, kam die App genau zur richtigen Zeit, denn gerade jetzt während der Pandemie vermeiden viele jeden Termin beim Arzt, der nicht unbedingt notwendig ist. Vorteil ist auch, dass die Behandlung zeit- und ortsunabhängig funktioniert. Weil die Behandlung per App anonymer ist, als bei einem persönlichen Termin, nutzten viele diesen Weg auch bei Problemen an eher unangenehmen Stellen. Welche, mit denen man sich vielleicht nicht direkt zum Arzt traut.

In 40 Prozent der Fälle, die bislang so behandelt wurden, sei keine Therapie notwendig — oder nur eine mit nicht-verschreibungspflichtigen Salben. In wieder 40 Prozent ist ein verschreibungspflichtiges Medikament nötig. Eine Salbe, Creme oder Tablette aus der Apotheke. In diesem Fall sendet das Team von Dermanostic ein Rezept an eine Apotheke in der Nähe des Patienten. In den restlichen etwa 20 Prozent muss der Patient doch noch zu einem persönlichen Gespräch zum Hautarzt. Etwa, wenn der Verdacht auf Hautkrebs besteht. Auch hier hilft das Team bei der Vermittlung. Denn ganz ersetzen will und kann die App das persönliche Gespräch mit dem Hautarzt nicht, das wissen auch die Gründer. Sie sei eher eine Ergänzung.