Gegen Mobbing „Halt Stopp“: Zwei engagierte Frauen sagen Mobbing den Kampf an

Düsseldorf · „Mit uns nicht“ lautet der Spruch der neuen Anti-Mobbing-Kampagne. Unterstützung bekommen die Initiatorinnen von betroffenen Prominenten.

 Das „Anti-Mobbing-Team“ rund um die Gründerinnen des Wettbewerbs, Anja Hollstein (links) und Anna Pein (mitte ). 		Foto: Dominik Lauter

Das „Anti-Mobbing-Team“ rund um die Gründerinnen des Wettbewerbs, Anja Hollstein (links) und Anna Pein (mitte ). Foto: Dominik Lauter

Foto: ja/Dominik Lauter

Mobbing ist eine belastende Erfahrung. Das weiß die 32-jährige Sina Wolff nur zu gut. Sie wurde in ihrer Schulzeit gemobbt: „Bei mir ging es relativ spät los“, erzählt sie. Ab der achten Klasse wurde sie Opfer von Hänseleien durch ihre Mitschüler. Wolff zog sich zurück, dachte zeitweise sogar an Selbstmord. Das Mobbing eskalierte und sie fand sich mit einer Gehirnprellung im Krankenhaus wieder. Für sie war dies der Punkt, an dem es zu viel war: „Halt Stopp“, sagte sie sich und suchte Hilfe bei Freunden, Eltern und der Schule. „Halt Stopp“, so heißt auch die neue Initiative gegen Mobbing an Schulen. Ins Leben gerufen wurde sie von zwei engagierten Frauen, sie findet Unterstützung durch Prominente aus Film, Sport und Musik. Ursula Strunk von der Karnevalsband Kokolores dichtet der Aktion sogar einen eigenen Song.

Über ein soziales Netzwerk erfuhr Anja Hollstein von einem Mobbing-Fall, ähnlich wie der von Wolf. Sie war so sehr von der Geschichte betroffen, dass sie handeln wollte. „Ich bin selbst Mutter und da macht man sich schon Gedanken.“ Es störe sie, dass niemand ernsthaft über dieses Thema spricht. Im gesamten Bundesland gibt es nur eine einzige Hilfegruppe für Betroffene, wie sie erfuhr.

Glücklicherweise kennt sie Anna Pein. Sie ist Trauma-Fachberaterin  — auch für psychische Traumata. Zusammen beschlossen sie, dem Mobbing den Kampf anzusagen. Konkret durch einen Wettbewerb, der nun an 54 weiterführenden Schulen in Düsseldorf geschickt wird.

Die Aufgabe bei Teilnahme: die Schule muss ein Konzept zu Anti-Mobbing-Strategien entwickeln. Das Format ist nicht vorgegeben. Es kann eine Konzeptschrift, ein Maßnahmenkatalog oder ein Kurzfilm oder sonst etwas sein“, so Pein. Der Aspekt „Gemeinsam“ ist für die Initiatorinnen besonders wichtig — denn so soll gegen Mobbing vorgegangen werden. Schüler sollen sich gemeinsam mit den Lehrern auf Strategien einigen, die Mobbing bereits im Vorhinein verhindern. „Insbesondere die Täter sollen anfangen darüber nachzudenken, was Mobbing anrichten kann“, so Pein.

Unter den prominenten Förderern finden sich ebenfalls Betroffene. André Degiorgio alias „Enkelson“ hat bereits in der Grundschule Hänseleien erlebt. Der Düsseldorfer Musiker litt früher unter Stottern. Ein Synonym-Buch und das Musizieren halfen ihm über das Stottern und gehässige Kommentare hinweg. Über Sprachfehler oder Akzente zu lachen, empfindet auch der Schauspieler Prashant Jaiswal als verletzend. Der gebürtige Inder wurde früher des Öfteren damit konfrontiert.

Eine Jury kürt in den Sommerferien die beste Einsendung. Der Hauptpreis ist ein Filmdreh mit professionellen Schauspielern unter Mitwirkung der Schüler der Gewinner-Schule. Gedreht wird mit dem Produzenten Ingmar Hunzelder, der bereits mit einigen prominenten Künstlern zusammen gearbeitet hat.