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Düsseldorf: Zehnjährige weihten den ersten Industriepfad für Kinder ein

Stadtteile : Zehnjährige weihten den ersten Industriepfad für Kinder ein

Gerresheim Vom Ringofen bis zum Bahnhof lernt der Nachwuchs die Industriegeschichte kindgerecht kennen.

Keine Epoche hat die Stadt so geprägt wie die Industrialisierung, doch wer weiß das schon. Die meisten Fabriken sind durch Wohnhäuser und Büros ersetzt. Diese Industriegeschichte will der Förderkreis Industriepfad (FKI) in die Erinnerung holen und erlebbar machen. Sein Projekt erregt inzwischen bundesweit Aufsehen. In Gerresheim weihte er inzwischen über 20 Info-Stelen und neuerdings die ersten Kinderstelen ein. Maskottchen Piet lädt dabei zur Spurensuche ein.

Ein Maskotchen tänzelt fröhlich auf seinen Drahtstiften

Piet lacht mit grünem Flaschenkopf, rotem Ziegelbauch und blauen Drahtstift-Beinen, denn Drahtindustrie, Ziegeleien und Glasindustrie bestimmten einst das Geschehen vor Ort. Am Montag zogen quietschvergnügte Zehnjährige der Klasse 5c aus dem Marie-Curie-Gymnasium zum Ringofen, um ihre erste Kinder-Stele einzuweihen.

Die Idee dazu entstand in Gerresheim, wo die meisten Idealisten wohnen. Da sind Gaby und Peter Schulenberg, die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger, Retter des Ringofens und Mitbegründer des Industriepfads.  Ihnen zur Seite stand Burkhard Lüking, der Ideenträger des Kinder-Industriepfads, Gymnasiallehrer und Initiator des Schülerwandertags.

Keine Einweihung ohne Ansprache. Franz Nawrath, Vorsitzender von Industriekultur Düsseldorf, pries seinen Verein mit den 25 Info-Ständern zwischen der ältesten Bahnstation Westdeutschlands und dem letzten Ringofen von ehemals 40 Ziegeleiöfen. Er lobte die Illustratorin Brigitta Kuka, die die Comic-Figur mitsamt den wechselnden Geschichten in die Welt gesetzt hatte. Und er bedankte sich bei Solveig Kukelies, Regionalbotschafterin der NRW-Stiftung, die 4000 Euro für die Kinderstelen und zuvor schon 10 000 Euro für die Erwachsenenstelen spendiert hatte.

Bezirksbürgermeister Karsten Kunert ließ schnell noch das Kinderschutzgesetz, anno 1904, Revue passieren, das verhinderte, dass Kinder bis zu zwölf Stunden in Bergwerken oder Ziegeleien arbeiten mussten und keine Chance zum Schulbesuch hatten. Doch dann war kein Halten mehr. Piet rief und die Kinder liefen. Schüler Johannes durfte zu seinem zehnten Geburtstag mit Lehrer Lüking die Stele einweihen. Das Männchen sieht mit seiner Mütze komisch aus, meinte Line. Andere Kinder amüsierten sich über den lachenden Flaschenkopf.

Derweil hatten Gaby und Peter Schulenberg den Löslehm gewässert und Formen bereitgestellt, damit immer drei Kinder in der Ringofen-Zelle ihre eigenen Ziegelsteine herstellen konnten. Wer draußen wartete, betrachtete die lustigen Zeichnungen, die an Wäscheklammern vor dem Ofen hingen. Am meisten wunderten sie sich über das ehemalige Katharinenberg-Kloster, das heutige Bezirksrathaus. Niemand wusste, dass sich dort einstmals Nonnen um Kranke kümmerten und dass dort später Nägel und Nieten produziert wurden, um die Kessel für die Lokomotiven und die Dampfmaschinen zusammenzuhalten.

Woher hat die Dreherstraße ihren Namen? Wie funktioniert ein Ringofen? Was passierte, wenn man früher streikte? Welche Besonderheit hat die Bahnstrecke, die durch Gerresheim führt? Die Antworten können die Kinder von nun an selbst entdecken. Sobald sie die Antworten haben, sollten sie mit ihren Eltern, ihren Freunden, ihrer Klasse wiederkommen und selbst den Lehrer spielen.

Info: Wer den Kinder-Industriepfad nehmen will, sollte am Ringofen starten. U 83 oder 709 (aus der Stadt), Haltestelle Heinrich-Könn-Straße

www.industrie-kultur-duesseldorf.de