Düsseldorf: Wo die Schüler in drei Sprachen zu Hause sind

Schulserie : Hier sind die Schüler in drei Sprachen zu Hause

Das Lycée francais an der Graf-Recke-Straße ist eine Privatschule. 600 Kinder aus 30 Nationen werden hier in Französisch, Deutsch und Englisch auf ihr Leben vorbereitet. Der Sprachunterricht beginnt bereits in der Vorschule.

Schon von weitem ist es zu sehen, das Lycée francais de Düsseldorf an der Graf-Recke-Straße. Seit 1978 beherbergt das Gebäude die Privatschule, an der damals noch 171 Schüler lernten. Heute sind es 600 Kinder aus 30 Nationen, die von einem 60-köpfigen Kollegium betreut werden. Der Name lässt es bereits vermuten: Hier wird französisch gesprochen und gelernt. Frankreich mitten in Düsseldorf.

„Bonjour, comment vas-tu?“, „Hallo, wie geht es dir?“ schallt es über die Straße. Gerade sind sich zwei Schüler begegnet, die nun zusammen zum Lycée laufen. Was dem Zuhörer sofort auffällt: Ausgetauscht wird sich auf Französisch, aber auch auf Deutsch. Spätestens auf dem Schulhof gesellt sich dann noch die dritte Sprache hinzu: Englisch. Offenbar ist man hier in jeder Sprache zu Hause.

Das Lycée, das Vorschule, Grundschule und auch Gymnasium in einem ist, ist eine Einrichtung der sogenannten „Agence pour l`enseignement francais à l`étranger“ (AEFE). Die Agentur wiederum ist eine nationale öffentliche Stelle, die das französischen Außenministerium verwaltet. Sie soll die Qualität der Schulen gewährleisten, die den französischen Lehrplan außerhalb Frankreichs unterrichten. Ihr Netzwerk spannt sich weltweit, die Agentur verfügt über knapp 500 Schulen. Eine davon ist die in Düsseldorf.

Seit 2016 ist Madame Magali Durand-Assouly Direktorin am Lycée. Die französische Beamtin ist insgesamt für fünf Jahre an der Schule, danach geht es weiter. Dieses Rotationsmodell ist eine der Besonderheit der französischen Schulen. Was zeichnet das Lycée in ihren Augen aus? „Ganz klar die Mehrsprachigkeit. Ein Schüler von uns kann weltweit Fuß fassen. Denn an jeder Schule der AEFE findet die gleiche Ausbildung statt. Wichtig sind die Werte, die wir vermitteln. Wir stehen für Offenheit, Toleranz, wir dulden keinen Antisemitismus.“

Bereits in der Vorschule lernen die Kinder Französisch, Englisch und Deutsch. Schon ab der „Petite Section“ (Klasse der 3-jährigen Kinder) wird an den sprachlichen Fähigkeiten gearbeitet. 50 Prozent der Kinder haben französischen Hintergrund. Ihre Eltern arbeiten in Düsseldorf, doch ihnen ist es wichtig, dass die Kinder nach dem französischen Bildungssystem unterrichtet werden. „Es gibt viele Franzosen in Düsseldorf. Denken Sie beispielsweise allein an die Niederlassungen von L`Orèal, Hermes oder Peugeot“, erklärt Magali Durand-Assouly. Doch sie betont auch, dass nicht nur Franzosen ihre Kinder an die französische Schule schicken. „Unsere Schule ist offen für alle. Es gibt viele Eltern, die die multikulturelle und multlinguale Umgebung sehr schätzen“, weiß Durand-Assouly. Befrage man die Eltern nicht-französischer Herkunft dazu, was ihre Motive bei der Wahl der französischen Schule gewesen seien, so erhalte man meist eine Antwort. „Sie lieben Frankreich, die französische Kultur und die französische Sprache. Sie schätzen aber auch die Schule und das französische Bildungssystem generell aufgrund seiner Strukturiertheit“, sagt Patricia Tempel, Direktorin der Vor- und Grundschule.

Strukturiertheit bedeutet nicht nur, dass die Schüler täglich Sport treiben. Es bedeutet beispielsweise auch, dass bereits schon die Grundschüler bis 14.30 Uhr Unterricht haben, die älteren Schüler bis 17.30 Uhr. So wie Cora (15) und Amélie (15). Cora kommt aus einem deutschen Elternhaus, Amélie ist Deutsch-Französin und hat neun Jahre in Paris gelebt. Cora empfindet die Ausbildung an einer französischen Schule als etwas sehr besonderes. „Es ist ein Privileg, zweisprachig zu lernen“, sagt sie. Manchmal fühle man sich jedoch als Außenseiter: Die Ferien richten sich nach den Zeiten in Frankreich und nicht nach Deutschland. Deswegen kommt es vor, dass Amélie und Cora noch Schule haben, wenn ihre Freunde schon Freizeit haben. Ein weiterer Punkt: die langen Tage.

„Das ist anstrengend. Denn wir machen zuhause noch unsere Aufgaben. Nach so einem langen Tag ist man manchmal sehr müde“, räumen die Schülerinnen ein.

Die harte Arbeit lohnt sich aber. „Wir haben mehr Ferientage und können uns dann erholen“, sagen sie und lachen.

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