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Düsseldorf will Rasen und Blumen statt Kies und Schotter im Garten

Gärten : Stadt will den Betonwüsten im Vorgarten den Kampf ansagen

Kampagne für Rasen und Blumenbeete statt Asphalt und Schotter ist angelaufen. Doch wann gibt es eine verbindliche Satzung für Hausbesitzer?

Die Gartensaison ist bereits in vollem Gange, viel Sonne und hohe Temperaturen lassen die Botanik aufblühen. Doch in den letzten Jahren befinden sich vor allem grüne Vorgärten auf dem Rückzug, viele Hausbesitzer setzen auch in Düsseldorf aus vermeintlich praktischen Gründen statt auf Rasen und Blumenbeete lieber auf Kieselsteine, Beton, Granit, Splitt oder schlichten Schotter aus dem Baumarkt. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) nennt sie „Gärten des Grauens“ und warnt vor einer „Versteinerung der Städte“. Vergleichsweise spät hat nun auch die Stadt Düsseldorf eine Kampagne gegen den grauen und unökologischen Trend gestartet: „Mach’s bunt“ – für klimafreundliche und artenreiche Vorgärten“, ist der Titel einer Kampagne, die Gründezernentin Helga Stulgies und Gartenamtsleiterin Doris Törkel vor Ostern im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen einbrachten.

In Schotterflächen entwickelt sich hartnäckiges Unkraut

„Blumenwiesen statt Steinwüsten“ heißt die Parole, denn: „Schottergärten greifen um sich“, sagte Törkel und erklärte, dass die nicht einmal pflegeleicht seien: „Im Gegenteil, sie entwickeln über die Jahre ein besonderes Unkraut, das dann nur schwer zu entfernen ist.“ Problematisch seien auch die gerne unter den Kies oder Schotter gelegten Folien, die ein Versickern des Regenwassers verhindern. Ganz zu schweigen davon, dass sich die steinernen Böden im Sommer stark aufheizen. Pflanzenreiche Gärten dagegen spenden Schatten und kühle Luft, produzieren Sauerstoff, binden Feinstaub, reinigen also die Luft. Schon kleine Blumen oder Kräuterwiesen seien „Paradiese für Insekten und Vögel, weil sie Lebensraum und Nahrung zur Verfügung“ stellten, heißt es im „Mach’s bunt“-Faltblatt des Gartenamtes.

In der Politik kam das alles im Prinzip gut an, obwohl es deutschlandweit bereits 2017 eine Kampagne „Rettet den Vorgarten“ des Bundesverbandes Garten- und Landschaftsbau gegeben hatte. SPD-Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke jedoch forderte eine noch „öffentlichkeitswirksamere Bewerbung des Projektes auch in den sozialen Netzwerken“. Christian Rütz (CDU) fragte, warum die Stadt nicht mehr und Handfesteres gegen die Betonwüsten unternehme: „Eigentlich wollte die Stadt doch schon planungsrechtliche Vorgaben entwickeln und mögliche Zuschussmodelle eruieren“, sagte Rütz. Tatsächlich verpflichtet die Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen (§8) im Grundsatz dazu, Vorgärten zu begrünen oder zu bepflanzen. Doch Umweltdezernentin Stulgies stellte klar, dass das zuständige Bauamt noch keine gültige, gerichtsfeste Satzung für das ganze Stadtgebiet habe vorlegen können, die betonierte Vorgärten verbietet oder verbindlich begrenzt.

Auf jeden Fall sei die grüne Umwandlung eines Schottergartens kein Hexenwerk, sagt das Gartenamt: Schon mit dem Verteilen von Sand und Erde zwischen den Steinen könne jeder danach ganz einfach Saatgut ausbringen. Übrigens: Auch der Parkplatz beziehungsweise die Garagenzufahrt muss nicht komplett asphaltiert oder geschottert sein – zwei Spuren zwischen Rasen genügen.