Düsseldorf: Wie gefährlich der Chemie-Einsatz am Pfingstmontag war

Feuerwehr : Wie gefährlich der Chemie-Einsatz am Pfingstmontag in Düsseldorf war

Für große Unruhe in den sozialen Netzwerken hatte der Einsatz der Feuerwehr in einer Lagerhalle Düsseldorf Unterbilk gesorgt. Ein Behälter mit einer Chemikalie war in Brand geraten. Das ist passiert.

Für viele Düsseldorfer war es ein Schock am Pfingstmontag. Über Twitter forderte die Feuerwehr die Bürger auf, Fenster und Türen wegen eines Chemieeinsatzes in Unterbilk geschlossen zu halten. Sogar Bürger in Norden berichteten von einer Rauchwolke. Die hatte aber mit dem Feuer an der Martinstraße nichts zu tun. Aber wie gefährlich war das für die Anwohner? Die Antworten.

Was ist passiert? Am Pfingstmontag um 2.09 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Im Hinterhof einer Firma für Grundwasserreinigung war ein etwa 200 Kilo schwerer Behälter mit einer Chemikalie in Brand geraten. Der Geruch breitete sich sehr schnell in dem Stadtteil aus. Entdeckt wurde der Brand von Mitarbeitern einer Reinigungsfirma.

Die Vorsichtsmaßahmen Da man zunächst nicht wusste, wie gefährlich die  Chemikalie ist, wurde von der Feuerwehr die so genannte Warn-App Nina ausgelöst. Die forderte alle Anwohner auf, ihre Fenster und Türen geschlossen zu halten. Nachdem der Behälter mittags zu einem Entsorgungsfachbetrieb nach Reisholz abtransportiert wurde, nahm die Feuerwehr die Warnung dann wieder zurück. Die Messungen ergaben, dass zu keiner Zeit für die Bevölkerung eine Gefahr bestanden habe, auch während des Transportes nicht.

Der zweite Brand Für Unruhe, die vor allem durch die sozialen Netzwerke befeuert wurde, sorgte die Tatsache, dass auch Bürger im Norden eine große Rauchwolke bemerkten. Die allerdings hatte nichts mit dem Einsatz an der Martinstraße zu tun. Fast parallel dazu waren in Kalkum 50 Strohballen in Brand geraten, die jede Menge Qualm verursachten. Die Lage dort hatte die Feuerwehr schnell unter Kontrolle.

Das Problem Warum hat der Einsatz so lange gedauert? Die Rauchentwicklung vor Ort konnte von der Feuerwehr schnell eingedämmt werden. Es stellte sich aber heraus, dass es sich bei der Chemikalie um so genanntes Natriumdithionit handelte. Ein komplettes Ablöschen war nicht möglich, da die Chemikalie mit Wasser heftig reagiert. Darum war es notwendig, den Behälter zu der Spezialfirma zu bringen. Dabei half auch die Henkel-Werksfeuerwehr, die im Umgang mit Chemikalien viel Erfahrung hat.

Was dann geschah Von Unterbilk aus wurde der Behälter zu der Spezialfirma an der Oerschbachstraße gebracht. Hier stellte sich heraus, dass sich die Chemikalie erneut selbst erhitzt hatte. Es konnten immer nur kleine Mengen des Stoffs mit viel Wasser verdünnt und dann abgelöscht werden. Alle Einsatzkräfte mussten dabei spezielle Schutzkleidung tragen. Insgesamt waren daran rund 60 Kräfte der Feuerwehr Düsseldorf, ein Löschzug, ein ABC-Zug, verschiedene Sonderfahrzeuge der Berufsfeuerwehr, die Löschgruppe Umweltschutz und der Technik und Kommunikationszug der Freiwilligen Feuerwehr, mehrere Führungsdienste sowie  der städtische Rettungsdienst beteiligt. Erst als ein deutlicher Abfall der Wärme in dem Behälter festgestellt wurde, wurde der Chemiebehälter zur ordnungsgemäßen Entsorgung an die Fachfirma übergeben. Die Arbeiten zogen sich noch bis in den Dienstagnachmittag bis ungefähr 17.00 Uhr hin.

Wo kommt die Chemikalie her? Warum eine so gefährliche Chemikalie mitten in einem Wohngebiet aufbewahrt wird, fragten sich viele Düsseldorfer. Gebraucht wird das Natriumdithionit, um das Grundwasser zu reinigen. In Unterbilk wurde eine Verunreinigung des Grundwassers durch Chromat festgestellt. Das ist eine Chemikalie, mit der zum Beispiel Küchenarmaturen überzogen werden. Dieses muss in einem sehr komplizierten Verfahren aus dem Grundwasser herausgefiltert werden. Das dauert mehrere Jahre. Dazu wird die Chemikalie benötigt.

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