Düsseldorf: Wie ein Chef seine Mitarbeiter motiviert

Das gute Beispiel : Wie ein Chef seine Mitarbeiter motiviert

Der Inhaber der Elektro Kai Hofmann GmbH sorgt für eine gute Stimmung im Betrieb. Seine Mitarbeiter sollen frei und eigenverantwortlich arbeiten.

Die Lagerhalle in Eller wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Alle paar Minuten fährt eine S-Bahn vorbei, der Parkplatz vor dem Backsteinbau ist staubig. Erst auf den zweiten Blick bemerke ich, dass die Halle mehr als ein Lager ist. Unter dem gebogenen Dach ist ein modernes zweistöckiges Büro aus Stahl und Glas untergebracht. Hier hat die Elektro Kai Hofmann GmbH ihre Zentrale. Im Inneren sitzen Michaela Meißner und Dunja Jordan, das „Büroteam“ und Pepe. „Ich habe öfter auf den Hund vom Chef aufgepasst“, sagt Dunja Jordan. Sie ist dadurch auf den Hund gekommen. Pepe, den sie vor drei Wochen bekommen hat, darf sie mit ins Büro bringen.

„Ich möchte eine tolle Stimmung im Team haben. Die Mitarbeiter sollen Lust haben, hier zu arbeiten“, sagt Inhaber Kai Hofmann. Nichts sei langweiliger als acht Stunden am Fließband zu stehen. Hofmann muss es wissen. Er hat bei Mercedes eine Lehre gemacht. „Da war kein Platz für Individualität.“ Danach hat er Roboter programmiert, die Technikerschule besucht und den Meister gemacht. 1995 machte er sich selbstständig. Er war das Chaos leid, dass in dem Betrieb herrschte, in dem er arbeitete. „Es gab keine Checklisten, keine Abläufe, keine Struktur“, so Hofmann. Sein Entschluss war: „Ich mache das anders!“

Das merkt auch sein Team. „Ich gebe zwar den Rahmen vor, die Mitarbeiter arbeiten aber frei und eigenverantwortlich“, sagt Hofmann. Michaela Meißner fängt zum Beispiel öfter um 6 Uhr morgens an zu arbeiten. „Dann ist es hier noch ruhig und ich kann produktiver arbeiten“, sagt Meißner, die seit fünf Jahren im Betrieb ist. Die Flexibilität sei wichtig und in anderen Betrieben selten. „Keiner meiner Kollegen hat schon irgendwo gearbeitet, wo man sich selbst organisiert“, sagt Meißner.

Ein anderer Mitarbeiter hat sich ein Arbeitszeitmodell gewünscht, das mit dem seiner Frau zusammenpasst. Zwei Mal in der Woche kommt er um 6 Uhr morgens, um ab 14 Uhr seinen kleinen Sohn zu betreuen. „Das hat natürlich Auswirkungen auf den Betrieb, aber wir machen das möglich“, so Hofmann.

Kai Hofmann gibt sich lässig, ist aber zielstrebig: 30 Jahre lang war er Fußballspieler, heute Marathon-Läufer und Trainer. Im Februar kam er bei einem Skilanglauf über 50 Kilometer trotz widriger Umstände ins Ziel, sagt er. „Das erzähle ich meinen Angestellten, damit die sehen, dass man es auch trotz aller Widerstände schaffen kann.“

Die Firma von Kai Hofmann ist kein klassischer Elektrikerbetrieb, hier dreht sich alles um die Themen Smart Home, Sicherheit und Videoüberwachung. Die Firma stattet Unternehmen und Privathaushalte mit Netzwerken aus, die sämtliche Elektronik wie Heizung, Rollladen, Licht etc. regeln. Zurzeit bearbeitet er Pläne für das Nachwuchszentrum der Fortuna am Flinger Broich. „Im Büro sind wir auf dem neuesten Stand der Technik. Das motiviert auch das Team“, so Hofmann.

Die Motivation seines Teams spielt für ihn eine Riesenrolle: Jeden Morgen treffen sich die Mitarbeiter um 7 Uhr zur Frühbesprechung. An einem langen Tisch tauschen sich die Mitarbeiter über Probleme bei der Montage aus, bevor sie losfahren. „Wir feiern auch viel gemeinsam“, sagt Kai Hofmann. Altweiber steht jedes Jahr auf dem Programm, am nächsten Tag ist der Laden zu. Die Mitarbeiter gehen zusammen auf die Kirmes, zum Rafting und Wasserski oder versuchen, gemeinsam aus einem Escape Room herauszukommen.

„Das fördert den Zusammenhalt und das ist wichtig“, findet auch Michaela Meißner. Zum 50. Geburtstag des Chefs haben die Mitarbeiter einen Planwagenfahrt durch Düsseldorf organisiert. „Da waren alle dabei. Das sagt ja auch schon was“, sagt sie. Neben Incentives wie gemeinsamen Ausflügen erhält jeder Mitarbeiter pro Monat 44 Euro auf einer Firmengeldkarte, die er bei verschiedenen Geschäften einlösen kann. Hofmann plant außerdem ein neues Konzept für ein betriebliches Vorsorgemodell.

Die Mitarbeiter danken es ihrem Arbeitgeber mit Loyalität. „Die Führungskräfte sind 24 beziehungsweise 20 Jahre im Betrieb, mehrere Auszubildende sind zurückgekommen“, sagt Hofmann, der Wert auf eine Lob- und eine Kritikkultur legt. „Ich breche mir keinen Zacken aus der Krone, wenn ich das Lob eines Kunden weitergebe“, so Hofmann. Andererseits wird Kritik ausgesprochen. „Dabei geht es immer um die Sache, nicht um die Person.“

Das einzige, was ihm noch fehlt, sind „noch mehr gute Mitarbeiter“. Denn wie alle Handwerksbetriebe spürt auch Kai Hofmann den Fachkräftemangel.

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