Bilker Bunker in Düsseldorf Wie aus Stoffresten neue Mode wird

Düsseldorf · Ein neuer Nachhaltigkeitsmarkt feierte im besonderen Ambiente des Bilker Bunkers jetzt Premiere. Zu sehen gab es viele Unikate.

 Die Zwillingsbrüder Ben und Kurt Etuk machen aus Stoffresten neue Kleidung – nachhaltig und innovativ.

Die Zwillingsbrüder Ben und Kurt Etuk machen aus Stoffresten neue Kleidung – nachhaltig und innovativ.

Foto: Lars Dargel/The Dorf

Im Sommer gibt es öffentliche Modenschauen auf dem Laufsteg an der Königsallee. Doch was läuft im Winter parallel zur Orderrunde während der Düsseldorfer Fashion Days in den Showrooms und auf der nur Fachbesuchern vorbehaltenen Messe Neonyt im Areal Böhler? Brandneu: „Sustain!“. Unter diesem Titel eröffnete erstmals der wiederbelebte Bilker Bunker seine Türen für einen besonderen Pop-Up-Markt, komplett finanziert von der Wirtschaftsförderung. 15 nachhaltige Düsseldorfer Marken und die Designer dieser Kollektionen und Produkte präsentierten sich eindrucksvoll zwischen Beton und Stahl, erklärten den zahlreichen Besuchern ihre Konzepte und demonstrierten, wie vielfältig Nachhaltigkeit sein kann.

„Mit ,Sustain‘ schlagen wir einerseits eine Brücke zu bestehenden Formaten“, sagte Wirtschafts-Dezernent Christian Zaum bei der Eröffnung. „Darüber hinaus ermöglichen wir aber auch neue Zugänge zum innovativen Mode- und Lifestyle-Angebot der Landeshauptstadt, indem wir Nachhaltigkeit für eine breite Zielgruppe erlebbar machen.“

So gestalten etwa die 28 Jahre alten Zwillingsbrüder Ben und Kurt Etuk in ihrem Atelier in Unterbilk Jeans, Hemden, Hosen und Röcke nicht nur geschlechtsneutral, sondern aus Ladenhütern („Deadstock“). Damit sind Restposten gemeint, die nicht verkauft wurden und niemand mehr zu Kleidung verarbeiten wird. „Wir kaufen diese Stoffballen günstig ein und machen daraus, was Neues“, erklären Kurt, gelernter Bekleidungstechniker, und sein Bruder Ben, Brandmanager. „Wir wollten schon immer etwas bewegen und einen Weg aus der Überproduktion an Kleidung finden.“ Sie gehen sparsam mit den Materialien um, legen Wert auf Handwerkskunst und schaffen mit jedem Teil ein Unikat.

Nicht verkaufte Teile nimmt die Designerin wieder auseinander

Das Prinzip Weiterentwicklung von Kollektionen und auf Bewährtem aufbauen verfolgt seit Jahren erfolgreich Marion Strehlow. Die Auflagen ihrer Kollektionen sind überschaubar und wenn sich ein Teil nicht verkauft, nimmt sie es irgendwann wieder auseinander und setzt es neu mit anderen Elementen – wie Denim – wieder zusammen und schon findet es einen Liebhaber.

Einzigartig sind die Taschen und Portemonnaies, die die Design-Ingenieurin Jasmin Schmitz in traditioneller Handwerkskunst herstellt. Das verwendete Leder ist pflanzlich gegerbt, wird regional in der Toskana produziert und die einzelnen Stücke sind nicht nur Unikate, sondern auch auf Langlebigkeit ausgerichtet. „Das verwendete Leder stammt von Pferden und ist ein Nebenprodukt der Fleischindustrie, das ansonsten auf dem Müll landen würde“, sagt die Gründerin der Marke Monolar mit Sitz in Pempelfort.

Altes zu neuem Leben erwecken, darum geht es dem Goldschmiede-Duo Karin Heimberg und Maryvonne Wellen. Sie nutzen nur recycelte Edelmetalle, Silber und Gold, die sie im Atelier am Fürstenplatz zu schlichten Ringen, Armreifen und Ketten verarbeiten. Neu hinzugekommen ist die Kollektion mit 2nd-life-Edelsteinen wie Brillanten. Nicht umsonst haben die Designerinnen ihre Marke „202 Editions“ genannt – jedes Schmuckstück wird nur in einer auf 202 Exemplare limitierten Auflage produziert: „Wir wollen keine Massenware.“ Das war auch der einhellige Tenor der zahlreichen Besucher.

Eher das Besondere suchte Clara Grothus, die als Masterstudentin für „Nachhaltige Unternehmensführung“ begeistert von den zahlreichen Ideen war, die erstmals gebündelt auf der Plattform im Bilker Bunker gezeigt wurden. „Ich selbst kaufe sehr wenig, vieles davon ist Second, und zum Glück strickt meine Mutter supergern“. Als Agentin für Mode, die seit 30 Jahren in Düsseldorf einen Showroom betreibt, ist Ellen Leydorf stets auf der Suche nach Neuem. Während sie in der Workshop-Koje von Freitag, einem Unternehmen, das seit 30 Jahren Taschen aus recycelten Lkw-Planen produziert und weltweit verkauft, aus Resten ein eigenes Täschchen zusammenbaut, betont sie, wie spannend es sei, die Marken zu erleben, die einen nachhaltigen Ansatz verfolgen.

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