Düsseldorf: "Wasserwege" für Wanderer

Düsseldorf: "Wasserwege" für Wanderer

Die Naturfreunde haben elf neue Info-Tafeln rund um den Unterbacher See und den Elbsee aufgestellt. Sie sollen zum Wandern einladen.

Düsseldorf. Zwei Dinge haben Lili Libelle, Tina Teichrohrsänger und Rudi Reiher gemeinsam. Sie leben alle am Unterbacher See und haben eine Menge über dieses Leben zu erzählen. Da können sie nun auch - auf den neuen Tafeln, die Naturfreunde Düsseldorf rund um den Wasserweg aufgestellt haben. Dort werden unter anderem die Geschichten der hier vorkommenden Arten und sogar eines Baches erzählt - aus deren Perspektive.

Foto: Judith Michaelis

Seit jeher sehen es die Naturfreunde als ihre Aufgabe, Menschen in die Natur zu bringen und ihnen dort naturkundliche Bildung näherzubringen, weiß Matthias Möller von der Düsseldorfer Ortsgruppe. Das ist auch Ziel des neuen Projektes „Wasserwege“. Dazu werden sowohl Wanderwege rund um Gewässer ausgewiesen als auch bestehende genutzt — so wie hier um den Unterbacher See und den Elbsee.

Elf Info-Tafeln wurden hierzu um die beiden Seen herum aufgestellt. Die ganze Runde hat etwa 12,6 Kilometer und dauert ungefähr drei Stunden. Man kann sich aber auch für nur einen der beiden Seen entscheiden. Am Unterbacher See finden Besucher sechs Info-Tafeln, am Elbsee sind es fünf.

Und darauf geht es um das Leben rund um die beiden Gewässer. Das sind eben zum Beispiel die Geschichten der Bewohner - eine Kiebitz-Familie erzählt zum Beispiel über die Probleme ihres alltäglichen Lebens.

Wenn ein Vierbeiner etwa zu nah an das Nest und die Küken kommt und die scheue Familie erschreckt - zusammen mit dem Aufruf, Hunde an der Leine zu lassen und den brütenden Vögeln nicht zu nahe zu kommen. „Wir wollten das eben nicht mit dem erhobenen Zeigefinger machen, sondern spielerisch die Leute zum Nachdenken bringen“, sagt Möller.

Auch Geschichtliches ist mit auf den Tafeln zu lesen. Es wird zum Beispiel eine Erinnerung an Erna Bergfeld beschrieben, die lange Zeit am Unterbacher See gelebt hat und Mitglied bei den Naturfreunden war. Außerdem werden aktuelle Probleme, die es an solchen Gewässern, die ja auch Freizeit- und Erholungsgebiet sind, immer wieder gibt thematisiert - zum Beispiel das Thema Müll.

Matthias Möller, Naturfreunde Düsseldorf

,Auf der zugehörigen Tafel geht es um die neue Trendsportart Plogging, bei der Jogger auf ihren Wegen Müll aufsammeln - auch am Elbsee haben sich dafür schon Gruppen gebildet. Außerdem wird erklärt, warum man die Enten und Gänse am See nicht füttern soll - eben mehr, als ein einfaches Verbotsschild, das war den Machern wichtig.

Die Geschichten und Texte haben die Mitglieder der Naturfreunde geschrieben. Start des Projekts war im vergangenen November, seitdem wurden die Tafeln erarbeitet. Zwei Hauptamtliche und fünf bis zehn Ehrenamtliche waren dafür im Einsatz.

Für das gesamte Projekt, das es auch an anderen Gewässern in NRW gibt, sind zwei Jahre eingeplant. Es wird durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung gefördert. Am Sonntag wird der Wasserweg mit seinen neuen Info-Tafeln eröffnet.

Doch nicht nur die neuen Tafeln sind Teil des Wasserwegs. „Uns war es wichtig, das ganze auch interaktiv zu gestalten“, sagt Markus Maaßen, der als Hauptamtlicher am Projekt beteiligt ist. So gibt es auf jeder Tafel einen QR-Code, der zu einer Internetseite führt.

Dort gibt es dann Gelegenheit, mehr Geschichten nachzulesen. „Wir mussten elf für die Tafeln aussuchen, es sind bei der Vorbereitung aber viel mehr entstanden“, sagt Maaßen. Außerdem gibt es die Idee, dass dort auch Besucher ihre eigenen Geschichten und Bilder hochladen können.

Die beiden Seen, Unterbacher See und Elbsee, aus der Perspektive der Besucher also - und das mit ihren jeweils eigenen Erinnerungen und Erfahrungen .

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