Workshop im Zakk in Düsseldorf Was tun, wenn der Lieblingsonkel plötzlich rechte Sprüche macht?

Düsseldorf · Im Zakk beschäftigten sich Vorträge und Workshops mit den Ursachen des Aufstiegs der AfD. Darüber hinaus gab es Tipps zu wirksamen Gegenstrategien.

 Sabine Reimann (v.l.) und Fabian Virchow (beide HSD), Pater Wolfgang, Lilian Mettler (mobile Beratung gegen Rechtsextremismus) und Oliver Schneider (Zakk).

Sabine Reimann (v.l.) und Fabian Virchow (beide HSD), Pater Wolfgang, Lilian Mettler (mobile Beratung gegen Rechtsextremismus) und Oliver Schneider (Zakk).

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

(tino) Das Zakk, also das Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation war am Sonntagnachmittag ein Rechte-freier Raum. „Düsseldorf stellt sich quer“ hatte sich als Organisator der Veranstaltung „Raus aus der Ohnmacht, rein in die Aktion“ vorbehalten, vom Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder durch rassistische, nationalistische, antisemitische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu verwehren. So waren die 300 Teilnehmenden also in einem „Safe Space“ und konnten sich frei über Strategien im Kampf gegen rechtsextreme Positionen im Alltag und auf der Arbeit informieren.

„Raus aus der Ohnmacht, rein in die Aktion“ ist eine Folge der großen Demonstration in Düsseldorf gegen Rechtsextremismus Ende Januar. „Im Anschluss daran bekamen wir häufiger Fragen gestellt, wie: Was kann man eigentlich gegen die AfD tun? Viele fragen sich, wie sie die verbleibende Zeit bis zu den Europawahlen nutzen können, weil sie nicht ohnmächtig zuschauen wollen, wie dieses Land und Europa immer weiter nach rechts rutschen“, erläutert DSSQ-Aktivist Oliver Ongaro. „Als ersten Schritt aus dieser Hilflosigkeit haben wir die Veranstaltung ins Leben gerufen.

So gab es zwei Impulsreferate, einmal zu „Politische Strategien der AfD auf kommunaler Ebene“ und zum Thema „Die AfD Düsseldorf und ihr Umfeld“, bevor vier Workshops angeboten wurden. Besonders beliebt war der von Dominikaner-Pater Wolfgang Sieffert geleitete Workshop „Haltung im Alltag – Engagement für Menschenwürde und gegen rechte Stimmungsmache“.

Was kann jeder Einzelne, was können wir zusammen im Alltag tun? Um diese Fragen drehte sich der Workshop, in dem Sieffert mit den Teilnehmenden Antworten suchte. „Wahrscheinlich haben schon alle Menschen einmal negative Erfahrungen mit rechten Parolen und Diskriminierung gemacht und sich gefragt: Wie kann ich meine andere Haltung dazu zum Ausdruck bringen?“, erläutert Sieffert. „Wie kann man reagieren, wenn der Lieblingsonkel plötzlich rechte Sprüche macht oder wenn in der S-Bahn jemand rassistisch diffamiert wird? Für solche Erlebnisse wollen wir im Workshop Antworten finden.“ Nachvollziehbare Tipps gab es auch. „Wenn euch eine Gruppe von 20 Neonazis entgegenkommt, machte es wie ich, lauft weg“, so der Pater.

Gewerkschafter Tim Ackermann leitete den Workshop „Was tun gegen rechts auf der Arbeit/im Betrieb?!“. Er riss der AfD die öffentliche Maske, die Partei für den sogenannten „kleinen Mann“ zu sein, vom Gesicht.
„Die AfD versucht, sich als die besseren Arbeitnehmervertreter darzustellen. Die AfD versucht, mit Sozialneid und nicht mit Inhalten zu punkten“, erläutert Ackermann. „Aber im AfD-Parteiprogramm steht nichts über prekäre Arbeitsbedingungen und auch beim Rentenkonzept ist nicht viel zu holen.“ Auch das Abstimmungsverhalten im Bundestag stimme nicht im Geringsten mit den Aussagen überein. So stimme die AfD meist mit CDU/CSU und der FDP gegen den Ausbau des Sozialstaates. Im Workshop „Keine Räume für extreme Rechte – vom Verein über die Kneipe bis hin zur Schule handlungsfähig gegen rechte Akteur*innen“ gab es Hinweise, wie man es den Rechtsextremen erschweren könnte, Versammlungsräume zu mieten.

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