Produzent aus Düsseldorf Explodierende Preise für Olivenöl – „Am Anfang hielten die mich für verrückt“

Düsseldorf · Wegen Missernten musste Bastian Jordan die Preise für sein Olivenöl erhöhen – drei Mal. Wird das Lebensmittel jetzt zur Luxusware?

 Bastian Jordan in der Olivenöl-Abteilung von Edeka Zurheide: Der Liter kostet aktuell 26 Euro, im Februar 2023 lag der Preis noch unter 19 Euro.

Bastian Jordan in der Olivenöl-Abteilung von Edeka Zurheide: Der Liter kostet aktuell 26 Euro, im Februar 2023 lag der Preis noch unter 19 Euro.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Er ist schon als kleines Kind auf Olivenbäume geklettert, hat aus dem Hobby seines Opas ein erfolgreiches Familienunternehmen geformt – aber so etwas, sagt Bastian Jordan, das habe er noch nie erlebt. Der 43-Jährige produziert Olivenöl auf der Insel Lesbos, verkauft es als Feinkost in Deutschland und musste im vergangenen Jahr gleich drei Mal die Preise erhöhen. „Vor allem die kleinen Händler haben mich anfangs für verrückt gehalten“, erinnert sich Jordan. Dann aber zogen auch große Hersteller nach, mittlerweile sorgt der Preisanstieg von Olivenöl regelmäßig für Schlagzeilen.

Zuletzt war es sogar dem Statistischen Bundesamt eine Nachricht wert: Während die Preise für Lebensmittel wie Gemüse, Milch oder Sonnenblumenöl im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind, kostet Olivenöl in Deutschland aktuell rund 50 Prozent mehr als noch im Frühjahr 2023. „Manche Marken im Supermarktregal kosten heute sogar 150 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren“, sagt Silvia Monetti von der Verbraucherzentrale NRW. Die Kunden von Jordan Olivenöl haben die Inflation mehrfach mitbekommen.

Bei Edeka Zurheide hat Bastian Jordan einen großen Verkaufsstand rund um eine Säule. Während im Olivenöl-Regal daneben einige Produkte vergriffen sind, stehen hier Dutzende Flaschen und Kanister mit dem Logo des Familienunternehmens. Um die Preissteigerung zu zeigen, schnappt sich der Mann mit der Brille und dem Drei-Tage-Bart einen Ein-Liter-Kanister. „Das ist unser Bestseller“, sagt der geborene Düsseldorfer.

„Natives Olivenöl Extra“, also die höchste Güteklasse, kostete im Februar 2023 bei ihm noch 18,50 Euro. Seitdem ging es schrittweise rauf: erst auf 20 Euro („das war noch zärtlich“), dann im September auf 22,50 Euro, und nur einen Monat später auf 26 Euro. „Spätestens dann hieß es: Der hat sie nicht alle“, sagt Jordan. „Aber wir waren genauso geschockt.“

Für den Hintergrund der Preisexplosion braucht es einen kleinen Exkurs in die Produktion von Olivenöl: Spanien ist das weltweit wichtigste Erzeugerland, mit einer Menge von rund 1,5 Millionen Tonnen Olivenöl im Jahr. Normalerweise. In den Jahren 2022 und 2023 aber wurde dort weniger als die Hälfte produziert, weil die Hitze einen großen Teil der Ernte vernichtet hatte. „In Andalusien waren 40 Grad im April, das hat die Blüten der Olivenbäume pulverisiert“, sagt Jordan. „Ein einziges schlechtes Erntejahr hätte man noch verkraften können, aber zwei in Folge waren eine Katastrophe.“

Rückseite eines Ein-Liter-Kanisters Olivenöl von Jordan: „Transparenz ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal.“

Rückseite eines Ein-Liter-Kanisters Olivenöl von Jordan: „Transparenz ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal.“

Foto: Maximilian Nowroth

Marktwirtschaftlich logisch ist, dass bei knappem Angebot die Preise steigen – weil jene, die noch lieferfähig sind, mehr verlangen können. Aber was hat das mit den Kleinbauern auf der griechischen Insel Lesbos zu tun, von denen Jordan die Oliven bekommt? Ganz einfach: Der Deutsche musste den griechischen Lieferanten mehr zahlen, damit sie ihre Ware nicht an wen anders verkaufen. Denn in Europa gibt es gleich drei Börsen, an denen Olivenöl gehandelt wird. Dass aus dem Lebensmittel flüssiges Gold wurde, konnte also jedermann jederzeit sehen. Als sich im Herbst 2023 zeigte, dass die Ernte ein zweites Mal miserabel wird, musste Jordan reagieren und die steigenden Einkaufspreise im großen Stil an die Endkunden weitergeben. „Ehrlich gesagt hätten wir seitdem sogar noch mal erhöhen müssen“, sagt der Unternehmer. „Aber irgendwann wird es zu viel, da verzichten wir lieber auf Marge.“

Verzicht auf Marge, damit Preise nicht weiter steigen müssen

Dass sich Jordan das im wahrsten Sinne des Wortes leisten kann, hat er auch dem Einstieg eines Investors zu verdanken: Der Solinger Software-Unternehmer Mirko Novakovic hat vergangenes Jahr 45 Prozent der Anteile an der GmbH gekauft. „Das sichert uns ab“, sagt Bastian Jordan.

Worauf sich der Olivenöl-Produzent außerdem verlassen kann, sind seine Kunden. Zu Beginn der Preiserhöhungen habe er sich noch gefragt, „ob überhaupt noch einer Olivenöl bei uns kaufen wird“. Dann aber zeigte sich: Der Absatz sank zwar ein wenig, der jährliche Umsatz blieb mit rund fünf Millionen Euro aber in etwa gleich. Am Carlsplatz verkauft Händler Detlev Brock an seinem Stand „Kräuterhexe“ Jordans Öle. Er sagt: „Die Leute reden über die gestiegenen Preise. Aber wer Qualität haben will, hat auch eine höhere Zahlungsbereitschaft.“ Trotzdem: Wird das Produkt bei den aktuellen Preisen nicht zum Luxusartikel?

Bastian Jordan erzählt, dass sich sogar seine Tochter mit dieser Frage vor Kurzem in einer Facharbeit in der Schule beschäftigt habe. Seine Antwort: nein. „Luxus ist der falsche Begriff, denn Olivenöl ist ja immer noch ein nützliches Lebensmittel.“ Der Unternehmer setzt darauf, dass Kunden die Reinheit seines Produktes schätzen. Während Marktführer Bertolli laut Etikett das Öl „aus der EU und aus Drittländern“ bezieht, stammt es bei Jordan nachweislich nur von der Insel Lesbos. „Transparenz ist ein Qualitätsmerkmal“, sagt der Mittelständler.

Jetzt hofft er auf eine gute Ernte in Andalusien. Bisher gab es genug Regen, die Olivenbäume haben schon Blüten. „Sobald es geht, senken wir die Preise wieder ein Stück“, sagt Jordan. „Sonst wird es ungesund.“

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