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Düsseldorf von oben in 40 000 Bildern

Düsseldorf von oben in 40 000 Bildern

Warum ein städtisches Amt die Stadt aus der Vogelperspektive fotografiert.

Düsseldorf. Einfach faszinierend: Der Perspektivwechsel, den Luftbilder bringen, wirkt auf viele Betrachter fast schon zauberhaft. Die eigene Welt aus einer anderen Sicht zu sehen, macht Millionen Menschen Freude. Das zeigt etwa die erfolgreiche ZDF-Reihe „Deutschland von oben“, die es 2012 sogar in die Kinos schaffte. Und auch im Lokalen ist die Faszination groß, das zeigt etwa der jährliche Stand vom Vermessungs- und Liegenschaftsamt beim Bücherbummel — das Angebot von Luftbildern aller Art gehört stets zu den beliebtesten bei der Veranstaltung.

Doch warum fotografiert ein städtisches Amt überhaupt die Stadt von oben? „Das kommt darauf an, um welche Art Luftbild es sich handelt“, erklärt Kurt Nellessen, er ist der Herr über mittlerweile 40 000 Luftbilder im Bestand der Stadt. „Mit Hilfe von Senkrecht-Aufnahmen, so wie man sie von Google Earth kennt, erfüllen wir eine ganze Reihe von Aufgaben. Vor allem vermessen wir die Stadt mit Hilfe dieser Bilder“, sagt der Abteilungsleiter im Vermessungs- und Liegenschaftsamt.

Der Aufwand, der dabei betrieben wird, ist bemerkenswert: Aus bis zu 1200 einzelnen Senkrecht-Aufnahmen, die nacheinander aus einem Flugzeug heraus geschossen werden, montieren die Fachleute zunächst eine Art Stereomodell (siehe Kasten). Da die Aufnahmen kurz hintereinander entstehen und es überlappende Bereiche gibt, kann man die dreidimensionale Lage der fotografierten Gegenstände zueinander berechnen.

Aus dem Stereomodell entsteht im nächsten Schritt ein Orthophoto — einfacher gesagt: ein Luftbild, das mit einer Karte deckungsgleich ist — mit einer beeindruckenden Schärfe. Nellessen: „Wir sind in der Lage, darauf einzelne Straßeneinläufe oder Gasschieber auszumachen.“

Und: „Die Vermessung der topographischen Gegenstände, etwa Straßenbegrenzungen, Kanaldeckel oder Hecken, geschieht in dem Stereomodell.“ Die Messergebnisse und Bilder dienten beispielsweise dazu, um daraus den Pflegeaufwand für das Gartenamt in den Grünanlagen abzuschätzen.

Da aus dem Stereomodell auch Geländehöhen ableitbar sind, können auch Überschwemmungsszenarien simuliert werden, wichtig für den Hochwasserschutz in der Stadt. Ebenfalls aus den Senkrechtaufnahmen errechnet wird die Größe von versiegelten und nicht-versiegelten Flächen — das ist wichtig für die Berechnung der Abwassergebühren oder bei der Bemessung von neuen Kanälen.

Außer diesen Senkrecht-Luftbildern — die älteste erhaltene Düsseldorf-Ansicht datiert von 1927 — erstellt die Stadt seit 2005 auch Schrägluftbilder. Die haben von Amtswegen „außer der Tatsache, dass sie schön sind und für viele Veröffentlichungen der Stadt genutzt werden, einen weiteren großen, vor allem dokumentarischen Nutzen“, wie Abteilungsleiter Nellessen sagt.

Deshalb ist die Stadt dazu übergangen, alle laufenden größeren Bauprojekte und sonstige Vorhaben regelmäßig mit Schrägluftbildern zu dokumentieren. So wurde etwa der Abriss des Tausendfüßlers auch aus der Vogelperspektive fotografiert. Die Sachbearbeiter in den Ämtern der Stadt nutzen die Bilder für ihre fachlichen Feststellungen, das erspart ihnen viele Ortstermine.

Erst vor kurzem fand wieder ein Helikopter-Rundflug über Düsseldorf statt, bei dem der Stand verschiedener Bauprojekte festgehalten worden ist — vom entstehenden FH-Campus bis zu den neuen Hallen auf dem früheren Stora-Enso-Gelände in Benrath.

Geschossen hat die Bilder übrigens Nellessen selbst. Der 63-Jährige ist zwar kein gelernter Fotograf, lehnt sich aber dennoch bei den Rundflügen mutig mit seiner Kamera aus dem Helikopter, um die beste Perspektive zu finden. „Wir haben es am Anfang mal mit einem Profi-Fotografen versucht, aber der hatte große Schwierigkeiten, die zu fotografierenden Gebäude zu finden. Also mache ich es selbst“, erklärt Kurt Nellessen.

“ Die Fotos aus der aktuellen Serie werden in loser Folge in der Printausgabe der WZ abgedruckt.