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Düsseldorf trauert um die Hexe von der Kö

NAchruf : Trauer um die Hexe von der Kö

Die Straßenkünstlerin Angelika Tampier starb im Alter von 66 Jahren.

Sie war ein echtes Original, und jeder Düsseldorfer kannte sie: die Hexe von der Kö. Seit 1995 stand Angela Spook auf der Nobelmeile und verbreitete ihren charmanten Zauber. Der ist nun allerdings für immer verflogen, denn die Straßenkünstlerin ist jetzt im Alter von nur 66 Jahren gestorben.

Spitzer Hut, schwarzes Gewand, in der einen Hand der Besen, in der anderen ein Rabe – so kannte ganz Düsseldorf die Hexe von der Kö. So „verzauberte“ Angelika Tampier alias Angela Spook 25 Jahre lang die Passanten auf der Nobelmeile. Nahezu bewegungslos verharrte die Straßenkünstlerin dort jahrzehntelang auf ihrem Posten zwischen „Prange“ und dem Juwelier „Blome“. Stundenlang, jeden Tag, auch bei Regen und Schnee. Wenn man ihr Geld in den Hut schmiss, bedankte sie sich mit einem Zwinkern.

Zu Hause war die gebürtige Sauerländerin in Flingern. Hier hatte sie auch ihr Atelier, wo ausgestopfte Vögel hingen und sich an den Wänden alte Bücher stapelten – zum Thema Hexerei. Bei Hausbesuch erzählte sie dem Express im Jahr 2008, dass ihr Job richtige Knochenarbeit ist: ,,Das steife Stehen geht auf den Rücken. Außerdem hab ich mir schon Frostbeulen geholt und im Sommer den Rücken verbrannt. Passanten hatten Mitleid und haben mich eingecremt.“

Hexe zu sein war eben auch im 21. Jahrhundert nicht einfach. Kein Wunder also, dass es nicht der erste Berufswunsch von Angelika Tampier war: „Nach dem Abi wollte ich Kunst studieren, hab die Prüfung nicht geschafft. Dann hatte ich erst eine Kneipe, hab mich als Kurierfahrerin durchgeschlagen und schließlich bei „Prange“ geputzt.“

Wie bodenständig die Hexe von der Kö privat war, zeigte sich auch in ihren eigenen vier Wänden. Moderner Schnickschnack wie Telefon, Heizung, Klo oder Dusche waren Fehlanzeige. Hier bewies sie ihr Improvisationstalent und ging einfach im Nachbarhaus aufs Klo, duschte mit dem Gartenschlauch auf dem Hof. Meist nachts um drei, denn dann stand sie auf: „Das ist im Winter zwar ziemlich kalt, aber dann bin ich für die Arbeit auf der Kö abgehärtet“, erklärte sie damals trocken. Zur „Arbeit“ an der Kö kam sie anschließend nicht zauberhafterweise auf dem Besen, sondern mit dem Fahrrad.

Woran Angelika Tampier starb, ist unklar. Nachbarn berichten allerdings gegenüber der „RP“, das die Hexe von der Kö in letzter Zeit sehr schwach gewirkt habe und krank gewesen sein soll. Offenbar waren ihr auch immer mehr Haare ausgefallen.

jme

(jme)