Show „Traumschiff“ in Düsseldorf Trapez-Duo begeistert Zuschauer im Apollo Varieté

Düsseldorf · Christoph Gobet und Julian Kaiser lernten sich als Barkeeper und Techniker beim Zirkus kennen. Aktuell treten sie in Düsseldorf auf.

Christoph Gobet und Julian Kaiser sind das Duo „High Tension“. Mit ihren Auftritten verblüffen sie aktuell die Zuschauer im Düsseldorfer Apollo Varieté.

Christoph Gobet und Julian Kaiser sind das Duo „High Tension“. Mit ihren Auftritten verblüffen sie aktuell die Zuschauer im Düsseldorfer Apollo Varieté.

Foto: Stefan Giersch

Sie stehen in ihren bodenlangen Capes auf der Bühne des Apollo und genießen das Scheinwerferlicht. Dann startet die Musik und alles geht ganz schnell. Die Capes elegant abgeworfen, gehen sie zu einem Seil und hangeln sich hoch zum Trapez.

Nein, es gibt keine Leiter. „Und die wird es auch nie geben. Klettern bleibt“, sagt Christoph Gobet resolut und ergänzt: „Das ist unsere Visitenkarte.“ Sein Partner Julian Kaiser zeigt Verständnis, bevorzugt aber die Leiter. Denn es ist hochanstrengend und kraftraubend, die Beine im rechten Winkeln vom Oberkörper gestreckt bis in die Zehenspitze, sich am Seil mit den Händen nach oben zu hangeln.

Wenn Kaiser oben ist, folgt Gobet, und keiner steigt so elegant und anmutig hoch wie er, als wäre es ein Leichtes. Gemeinsam sind die beiden das Duo High Tension (Hochspannung). Momentan treten sie als Schlussakt mit ihrer Nummer im Apollo Varieté auf. Waghalsig folgt akrobatische Höchstleistung. Ein freier Fall - ob waag- oder senkrecht - nach dem anderen folgt in den nächsten Minuten. Da halten sie sich gegenseitig nur an den Beinen oder Füßen - und das Ganze temporeich zur rockigen Musik, eigens für die Luftnummer komponiert.

2017 haben sie sich kennen gelernt, zusammen geprobt. Julian, der Fänger (mehr als 90 Kilo), und Christoph, der Flieger (63 Kilo). 2018 hatten sie als Trapez-Duo ihren ersten gemeinsamen Auftritt in Bamberg. Nach ein paar Vorstellungen war Schluss: Corona. „Eine Zeit, an die ich nicht gerne zurückdenke“, sagt Gobet.

Denn er hatte schon eine lange Durststrecke als Artist hinter sich. Berühmt wurde der 47-Jährige mit seinem Partner Rodrique Funke als „die Sorellas“. Ein weltklasse Trapez-Duo, das sogar mit einem Clown beim Zirkusfestival in Monte Carlo ausgezeichnet wurde. Beide besuchten die renommierte Artistenschule in Berlin, lernten sich dort mit 15 Jahren kennen, gingen in dieselbe Klasse, und entwickelten später zusammen ihre Nummer.

Rodrique Funke ließ sich in
der Sommerpause operieren

Bis 2015. Rodrique hatte Rückenprobleme. Bandscheibenvorfall. Er nutzte die Sommerpause, um sich operieren zu lassen. „Wir hatten wieder ein Engagement bei Roncalli“, sagt Gobet. „Doch dann mussten wir einsehen, dass es nicht mehr geht. Ich bin in ein ganz tiefes Loch gefallen.“ Er trainierte allein. Doch ihm fehlte der Zirkus. Denn zum Zirkus wollte der Schweizer schon immer.

Also heuerte er beim Circus Flic Flac an, ging mit auf Tournee - als Barkeeper.

Dort lernte er Julian Kaiser kennen. Der 32-Jährige stammt zwar aus einer Zirkusfamilie, doch im Gegensatz zu Christoph, der schon als kleiner Junge zum Zirkus wollte, war die Manege für ihn höchstens ein Besuch bei Verwandten. Er wuchs bürgerlich auf, lernte Groß- und Außenhandelskaufmann spielte recht gut Fußball in der Landesliga.

Bis zu einer Verletzung. Da suchte er sportlichen Ausgleich und begann mit seinem Cousin zu trainieren. Beim Zirkus fing er dann als Techniker an „und bin ein paar Wochen mitgerollt“, sagt er.

Regelmäßigen sportlichen Ausgleich gab es allerdings nicht, weil sein Vetter viel zu beschäftigt war. Und da er schon ein bisschen Luftakrobatik probiert hatte, trainierte er plötzlich mit Christoph.

„Aber nicht, um in der Manege aufzutreten“, wie er bescheiden erklärt. Zum Training kamen dann der Techniker und Barkeeper zusammen. „Um sich fit zu halten“, wie beide betonen.

Doch Christoph Gobet wollte zurück auf die Bühne, in die Manege. „Du brauchst einen Partner“, sagte ihm sein Freund, der Chansonnier und Schauspieler Tim Fischer, und hatte ihn schon für ihn ausgesucht.

Gefragt, getan. Es lief langsam an. 2019 traten sie für längere Zeit als „High Tension beim Weihnachtszirkus in Regensburg auf. Dort führte Rodrique Funke, der aufgrund seiner Rückenprobleme die Seiten gewechselt hatte, Regie.

Er steht auch heute dem Duo High Tension mit Rat, Tat und Tricks zur Verfügung. Er ist ein guter Tipp-Geber, sagt Gobet. „Ich kann ihn immer anrufen“, sagt Kaiser.

Rodrique Funke spricht von „meinem Vermächtnis“. Denn die Trapeznummer ist ähnlich der der Sorellas, aber sie hat auch ihre persönliche Note. Seit vergangenen Jahres sind High Tension wieder im Geschäft. Sie traten im Herbst im Spiegelzelt auf Rügen auf. Und dann kam der Anruf von Vivi Paul. Sie fragte an, ob sie im Winter beim Circus Roncalli in New York auftreten wollen.

„Amerika war schon immer schon ein Traum“, sagt Christoph Gobet und war begeistert. Anders Julian Kaiser: „Muss das denn sein“, lautete seine erste Reaktion. „Ich habe ein wenig Flugangst“, fügt er erklärend hinzu.

Heute sind sich beide einig. Es war super. Und das Folge-Engagement stand auch schon fest. Das Apollo Varieté. Dort ist das Duo High Tension bis 23. Juni zu sehen.

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