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Düsseldorf: Trainierte Tänzer setzen den Körperkult in Szene

Capitol Theater : Trainierte Tänzer setzen den Körperkult in Szene

„Ballet RevolucÍon“ wird im Capitol Theater von zwei Choreografen inszeniert. Die Show ist äußerst körperbetont.

„Viva la revolución“ – der Schlachtruf von Fidel Castro wirkt nach. Auch einige Jahre nach dem Ableben des legendären Kämpfers ist die Revolution noch nicht passé. Was Umbrüche in Politik und Gesellschaft auf der Karibik-Insel angeht, erfährt man in diesen Tagen zwar nur wenig. Dafür aber arbeiten junge Tanz-Athleten aus den weltberühmten Talentschmieden in Havanna an ihrer „Ballet Revolución“. Mut beweisen sie – wie vor 60 Jahren Castro – und machen Schluss mit tradierten Vorstellungen von der scharfen Trennung von Tanz-Stilen. Mit klassischem Ballett, akademischen Posen bis in die Fingerspitzen, Dauer-Pirouetten, Prinzen-Sprüngen und Spitzentanz à la ‚Dornröschen’ beginnen sie – natürlich zu schnurrigen, dann dröhnenden Klängen einer Karibik-Band.

Dann schlagen sie plötzlich Räder und zelebrieren Flickflack- und Salto-Kunststücke, heizen ein mit rasanten, virtuosen Nummern aus Streetdance und Breakdance und imitieren Michael Jacksons Moonwalk im Turbotempo. Dreist, frech und originell wirkt die Update-Fassung der Show mit kubanischen Top-Athleten, die seit fast zehn Jahren durch die Welt tourt und mal wieder, für einige Tage, im Capitol ihre Zelte aufgeschlagen haben.

Bis zum kommenden Sonntag gastieren sie mit ihrem explosiven Mix. Explosiv nicht nur, weil die elf Männer und sechs Frauen immer mehr Haut zeigen, sich körperlich verausgaben, manchmal austoben, sondern auch wegen der Musik. Neben ratternder, ansteckender Percussion-Ladung aus der Karibik im Bigband-Sound mischen sie darunter live eingespielte Tophits, u.a. von Teenie-Schwarm Shawn Mendes („Senorita“), Camila Cabello, Justin Timberlake, Enrique Iglesias, Adele („Hello“), Justin Bieber, J Balvin und Calvin Harris. Die ausgelassene Stimmung von Sängern, Musikern und Tänzern überträgt sich schnell auf das Parkett – spontanes Johlen und Anfeuern wie bei Pop- und Rock-Events.

Eine Ballett-Revolution benötigt gleich zwei Choreografen: Roclan Gonzalez Chavez sorgt für kubanische Karibik-Folklore und afro-amerikanisches Ballett, der Australier Aaron Cash indes machte in Los Angeles Furore mit anderen Tanzshows, hat sogar auch mit Michael Jackson gearbeitet. Mit ihrer Auswahl an Absolventen von namhaften Tanzakademien in Havanna demonstrieren Cash und Chavez, dass hochtrainierte Ballett-Tänzer aus Kuba sich anders bewegen als in Europa oder den USA – sie sind muskulöser und akrobatischer, dabei aber auch geschmeidiger und mit extremer Beindehnung, manchmal über 180 Grad hinaus. Mit lockeren Hüften und Schultern springen und fliegen sie wie Katzen von einem Partner zum nächsten Gegenstand, einem Stuhl oder einem Podest – landen geräuschlos und setzen sogleich zum nächsten Spreiz-Sprung an.

Mit Treffsicherheit und Gespür für leicht erotischen Kitzel setzt Kostümdesigner Jorge Gonzalez (Catwalk-Trainer und berühmt, auch aus deutschen Talkshows, als ‚King of High Heels’) den unverblümten Körperkult in Szene. Zuerst in hautengen und buntgeblümten Hemden, dann in aufgeschlitzten Shirts, die Männer später in blankem, durchtrainiertem Oberkörper. Die Choreografie passt zu dem Outfit, feiert sie doch in erster Linie männlich kraftbetonten Tanz. In Gruppen oder Soli dominieren Kampfsport-Szenen wie in archaischen Kulturen oder Freundschaftsritualen. Ein Hauch von Homo-Erotik ist in einigen Szenen nicht zu übersehen. So wirken Frauen – sobald sie in diese Männerwelt vordringen - zunächst wie dekoratives Beiwerk. Erst langsam entwickeln sich daraus Liebes-Pas-deux mit fließenden Bewegungen, die Körper verknäueln sich, lösen sich erst in spektakulären Hebefiguren, untermalt von spontanem Applaus und Rufen, besonders aus Kehlen der jungen Zuschauerinnen. Die Show bietet wimmelnde Körperbilder am laufenden Band. Auf soviel Körperkult und elektrisierender Mambo-Dynamik reagieren nicht nur Tanz-Fans begeistert. Ob Castros Erben an dieser Revolución Gefallen finden? Die Frage bleibt offen.

Bis 12. Januar, Capitol Theater, Erkrather Straße. Tickets: ab 32 Euro.

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