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Düsseldorf: Traditions-Café Liebeck & Gabel schließt

Gastronomie : Café Liebeck und Gabel schließt

Beim Café Liebeck und Gabel wird seit 70 Jahren Tradition gelebt. Stammkundinnen treffen sich dort seit Jahrzehnten zum Kaffeeklatsch mit Frankfurter Kranz und Binenstich. Doch Ende Oktober ist Schluss.

Frankfurter Kranz, Bienenstich, gedeckter Apfelkuchen — beim Café Liebeck und Gabel wird Tradition gelebt. Das zeigt sich nicht nur bei der Auswahl an Klassikern in der Vitrine. Draußen sitzen ältere Damen in der Sonne, genießen Kaffee und Torte, tauschen den neuesten Klatsch aus, grüßen ein ums andere Mal Bekannte, die den Laden betreten. Das Café in der Nordstraße, vor knapp 70 Jahren eröffnet, gehört zum Inventar in dem Viertel. Ende Oktober ist es damit nun vorbei, am 28. ist zum letzten Mal geöffnet, am 29. wird das Inventar verkauft.

Aus gesundheitlichen Gründen muss der Inhaber aufhören

Der Inhaber muss aus gesundheitlichen Gründen aufhören, knapp vor dem 70. Geburtstag des Cafés. Seiner langjährigen Mitarbeiterin Alexandra Peckhaus fehlten für eine Übernahme die finanziellen Mittel. Die Einrichtung hat nicht nur charmant Patina angesetzt, die gepflegt gelb-weiß-gestreiften Sonnenschirmen und kleinen Marmortischen wirken wie aus einer anderen Zeit. Vielmehr wäre eine Rundum-Erneuerung nötig, um aktuellen Vorgaben zu entsprechen und somit dauerhaft weitermachen zu können, wie Peckhaus erzählt. Für sie schlicht nicht machbar. Das Café wurde daher anderweitig verkauft, noch wird fleißig spekuliert, was der neue Besitzer aus den Räumen macht.

Christl Rüb, Grudrun Lesche und Ingrid Lütters hoffen, dass es wieder ein Café oder ein anderer Gastrobetrieb wird, der den Geschmack der älteren Generation, den der zahlreichen Stammkunden, trifft. „Dass das Liebeck und Gabel schließt, ist für uns eine große Katastrophe“, stellen sie mit leicht schockierten Blicken fest. Viele alteingesessene Pempelforter und Derendorfer gehen in dem Laden ein und aus, manche täglich. „Wir kommen schon seit Jahrzehnten hierher, zweimal in der Woche - das wollen wir nicht aufgeben“, erzählen die Frauen.

In dem Café haben sie sich überhaupt erst kennengelernt; schon ihre Eltern oder ihre späteren Ehemänner gingen für Torte und Kaffee dort hin - für sie wurde der Besuch daher zur Selbstverständlichkeit. Und vor etwa 20 Jahren entwickelte sich daraus ihr Kaffeeklatsch. Sie saßen zunächst an verschiedenen Tischen, nickten sich zu, grüßten sich Woche für Woche - irgendwann nahmen sie sich einen gemeinsamen Tisch, kamen ins Plaudern. Sie sind nicht die einzigen, die sich auf diese Weise gefunden haben.

Das Café hat sich über Jahrzehnte als Treffpunkt etabliert. „Hier haben sich so einige Leute kennengelernt, die regelmäßig zusammensitzen“, weiß Peckhaus. Sie steht seit 27 Jahren hinter der Theke, seit ihrer Ausbildung, hat beobachtet, wie sich das Viertel und die Menschen mit der Zeit veränderten. Weniger Luxus, mehr Billigläden kamen in die Straße, sagt sie. Das Café blieb hingegen weitgehend gleich, wie ein Fixpunkt für die Anwohner, voll mit Erinnerungen.

Prüflinge verhalfen zum Namen „Café Angstschweiß“

So mancher kennt das Liebeck und Gabel noch unter dem scherzhaften Namen „Café Angstschweiß“. Damit spielen die Gäste auf die Führerscheinanwärter an, die einst in Scharen dort saßen und zitternd auf ihre Prüfung warteten. Einige ältere Kunden waren damals selbst davon betroffen, eine Dame muss beim Erzählen erst einmal grinsen. Lang ist es her.

Andere holen sich die Erinnerungen jetzt einfach mit nach Hause - und zwar in Form von Tischen und Stühlen, die bereits verkauft werden. Einige sind schon weg, werden künftig privat in Wohnzimmern oder auf Balkonen genutzt. Statt Torten sind Gläser und Teller in den Fenstern des Cafés ausgestellt, alles soll raus, spätestens dann am 29. Oktober, bevor der Betrieb endgültig schließt. Für Rüb, Lesche und Letters geht damit eine Ära zu Ende, sie brauchen einen neuen Treffpunkt. Wo das sein wird, ist noch offen, noch sind sie etwas ratlos. „Gastronomie-Angebote gibt es in der Straße ja mehr als genug. Wir hoffen, für uns ist da etwas dabei - später vielleicht sogar wieder an der alten Adresse. Das wäre schön.“