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Düsseldorf-Tannenhof soll eigene S-Bahn-Station erhalten

Verkehr in Düsseldorf : Ein S-Bahn-Halt für Tannenhof?

Die Bezirksvertretung 8 fordert die Wiederaufnahme der Planung. VRR und Deutsche Bahn sehen die Maßnahme hingegen kritisch.

Die Arbeiten im Glasmacherviertel ruhen, doch Ende des Jahres soll laut dem Bauträger alles in trockenen Tüchern sein und die Entwicklung endlich starten. Wenn das Neubauviertel dann tatsächlich eines Tages Realität sein sollte, wird das nicht nur Auswirkungen auf Gerresheim haben – das Wohnen, den Handel und nicht zuletzt den Verkehr –, sondern auch auf das weitere Umfeld.

Den Blick weit in eine noch etwas ungewisse Zukunft hat auch die CDU im Stadtbezirk 8 geworfen und eine Idee hervorgeholt, die eigentlich schon in den Schubladen zu verstauben schien. Es geht um die Wiederaufnahme der Planungen eines S-Bahn-Haltes Tannenhof zwischen Gerresheim und Flingern – wenn denn das Glasmacherviertel realisiert wird. Die Verwaltung soll mit der Deutschen Bahn und dem VRR die Verhandlungen wieder aufnehmen, so die Forderung. In der Bezirksvertretung 8 fand die CDU dafür eine Mehrheit, im Ordnungs- und Verkehrsausschuss wurde das Thema vorerst vertagt.

In den Planungen für die
1988 eröffnete Ost-West-S-Bahn ist eine Haltestelle Tannenhof zwischen den genannten Bahnhöfen in der Tat auch noch enthalten. Allerdings ist ebenfalls hinterlegt, dass dies erst bei genügendem Verkehrsaufkommen umgesetzt werden soll. Auch in städtischen Verkehrs- und Planungskarten sei dieser Halt stets berücksichtigt gewesen, argumentieren Christian Rütz und die neue Bezirksbürgermeisterin Dagmar von Dahlen in einem Antrag, der bereits im Oktober vergangenen Jahres eingereicht wurde. Im geltenden Bebauungsplan sowie im Flächennutzungsplan sei dafür sogar schon ein Standort festgelegt worden: ein Parkplatz nördlich der Gleise auf Höhe der Höherhofstraße – dort, wo heute unter anderem auch der Schützenverein Vennhausen seinen Standort hat.

Zwar sei im Zuge der bisherigen Planung für das Glasmacherviertel wie auch für das ehemalige Lager 61 die S-Bahnstation Tannenhof noch nicht thematisiert worden. Doch würden beide Vorhaben voraussichtlich das „genügende Verkehrsaufkommen“, das in der Planung der 1980er Jahre als Voraussetzung für eine Realisierung der Idee genannt wurde, gewährleisten.

„Der S-Bahnhaltepunkt würde Vennhausen und den Tannenhof sowie Gerresheim-Süd ohne die Notwendigkeit für Streckenneubauten hervorragend an das schienengebundene ÖPNV-Netz anschließen und eine direkte Verbindung zum Lastring Flingern, zum Hauptbahnhof und zu anderen Stadtbereichen herstellen“, hebt die CDU hervor. Es böte sich zudem die Möglichkeit zur Verknüpfung mit der geplanten Stadtbahnverlängerung der U 73 in das Glasmacherviertel sowie für die Anlage eines Park&Ride-Platzes mit Mobilstation an. Rütz und von Dahlen sind jedenfalls sicher: „Der S-Bahn-Halt Tannenhof würde die Ziele der Verkehrswende erheblich voranbringen.“

Von der Deutschen Bahn liegt mittlerweile eine Stellungnahme vor, und die sieht das Vorhaben wie nicht anders zu erwarten eher kritisch. Der Anpassungsbedarf bei Gleisen, Weichen, Spurplan, Oberleitung und bei der Eisenbahnüberführung An den Mauresköthen sei beträchtlich, heißt es von dem Unternehmen. Ob ein solcher Halt fahrplantechnisch überhaupt machbar sei, könne die Bahn ohne Durchführung einer vertieften Fahrplanstudie ohnehin nicht sagen.

Auch der VRR bezweifelt die Sinnhaftigkeit einer solchen Maßnahme. So würde ein Halt Tannenhof kaum mehr als ein Kilometer vom Bahnhof in Gerresheim entfernt liegen, würden sich fußläufigen Einzugsbereiche zum Teil überlappen. Die Werthaftigkeit eines neuen S-Bahn-Halts stuft der VRR bei entsprechend hohen Investitionskosten daher als gering ein. Weiterhin würde der geringe Abstand der beiden Haltestellen auch eine deutliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit der hoch belasteten S-Bahn-Strecke zwischen Gerresheim und dem Hauptbahnhof bedeuten, da die Züge nur eine geringe Geschwindigkeit fahren könnten.

Von der Verwaltung heißt es schließlich: Ein Standort für einen S-Bahn-Halt Tannenhof direkt an der Eisenbahnüberführung An den Mauresköthen sei sicher sinnvoll, da eine direkte Straßenverbindung gegeben sei und ein möglicher Bahnsteig direkt an das Brückenbauwerk anschließen würde. Im Westen sei zwar ein Eingriff in Privatgrund erforderlich, im Osten biete der Parkplatz dafür aber ausreichend Fläche für Bushaltestellen, Personentunnel oder auch einen P&R-Platz.

Dem gegenüber stünde jedoch eine hohe Investitionssumme (vermutlich 5,5 Millionen Euro plus Planungskosten) sowie die von Bahn und VRR genannten Punkte, sodass der VRR als Aufgabenträger kaum von einer Notwendigkeit zu überzeugen sei. „Deshalb würde die Planung für den Tannenhof S vermutlich ins Leere laufen und ist nicht weiter zu empfehlen. Stattdessen sollte eine verbesserte Zugänglichkeit für den Halt Gerresheim S nach Westen in das Gebiet Glasmacherviertel eingeplant werden“, heißt es von der Stadt.