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Düsseldorf: Stadt eröffnet geschütztes Haus nur für Frauen

Bundesweit einzigartiges Projekt : Ein Haus für obdachlose Frauen

Nahe dem Hauptbahnhof eröffnet die Stadt im Januar ein Haus für obdachlose Frauen, das rund um die Uhr Schutz und Privatsphäre bieten soll. Das Projekt ist bundesweit einzigartig. Wir haben uns vor der Eröffnung umgeschaut.

. Dass in dem Gebäude an der Friedrich-Ebert-Straße etwas ganz Besonderes, sogar Einzigartiges entsteht, sieht man ihm von außen nicht an. Graue Fassade, große Fenster, vor der Tür rauschen Busse und Bahnhofsanlieger vorbei. Doch dahinter verbirgt sich ein Großprojekt der Landeshauptstadt, ein Projekt, das Schule machen könnte – und das es der zuständigen Amtsleiterin Miriam Koch zufolge bundesweit kein weiteres Mal so gibt: ein Haus nur für wohnungslose Frauen, mit Notschlafstelle, kommunaler Unterbringung und Tagesstätte auf sieben Etagen. Insgesamt 62 Plätze entstehen hier. Am 15. Januar soll das Haus eröffnen.

Zuvor wurde das Gebäude, das früher ein Hotel war, umfassend saniert. Eigentlich hatte der Inhaber, der Immobilienunternehmer Filifoz Anter, vor, an dem Standort ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs wieder ein Hotel zu eröffnen. Doch das Unternehmen hat schon einige ähnliche Projekte im sozialen Bereich umgesetzt, sagt Anter. Als er von der Suche der Stadt nach einem geeigneten Haus für eine Unterbringung nur für Frauen gehört habe, habe er deshalb nicht gezögert. „Und jetzt bin ich unheimlich froh, dass wir uns hier engagieren können.“ Die Sanierung des Hauses hat das Unternehmen finanziert, das die Immobilie jetzt für zunächst 15 Jahre an die Stadt vermietet. Betrieben werden Tagesstätte, Unterbringung und Notschlafstelle dann von der Diakonie. „Das ist für uns ein echter Glücksfall“, sagt Miriam Koch.

Etwa ein Drittel der
Obdachlosen sind Frauen

 Amtsleiterin Koch in der 300 Quadratmeter großen Tagesstätte
Amtsleiterin Koch in der 300 Quadratmeter großen Tagesstätte Foto: Bretz, Andreas (abr)

Denn der Bedarf ist groß: Rund 1300 Menschen leben in Düsseldorf in kommunalen Obdächern, darunter etwa 250 Frauen. Durch die Corona-Pandemie hat ihre Zahl zugenommen, schätzt Koch. Die tatsächliche Obdachlosigkeit bilden diese Zahlen aber nicht ab – Schätzungen des Landes NRW zufolge sind rund ein Drittel der Obdachlosen Frauen. Diese schaffen es jedoch häufig, nicht auf der Straße zu landen, kommen etwa bei Bekannten unter und wechseln häufig den Schlafplatz. Viele von ihnen erleben sexuelle und psychische Gewalt. Und suchen selten Hilfe, sagt Koch. „In den Tagesstätten wird ganz deutlich, dass die Männer gemessen an ihrer Zahl deutlich mehr Raum einnehmen.“ Die bisherigen Angebote Ariadne und Kleine Ariadne, die ebenfalls von der Diakonie betrieben werden, seien ständig überlastet. Zudem sei das Gebäude in der Querstraße, in dem die Notaufnahme für Frauen bislang untergebracht ist, stark sanierungsbedürftig.

Das Haus an der Friedrich-Ebert-Straße soll die bisherigen Angebote zusammenführen und ersetzen. An 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr soll hier schutzbedürftigen und akut obdachlosen Frauen geholfen werden. Rund 700 000 Euro Miete lässt sich die Stadt das pro Jahr kosten, dazu kommen etwa 170 000 Euro für Betriebs- und Nebenkosten.

 Im Erdgeschoss gibt es zusätzlich ein kleines Beratungsbüro mit Blick zur Straße. Die Vorhänge wurden noch nicht geliefert.
Im Erdgeschoss gibt es zusätzlich ein kleines Beratungsbüro mit Blick zur Straße. Die Vorhänge wurden noch nicht geliefert. Foto: Bretz, Andreas (abr)

In Einzelzimmern lassen sich Abstandsregeln besser umsetzen

Dafür wird es deutlich mehr Plätze geben, vor allem in Einzelzimmern. Schon vor der und dann auch in der Corona-Pandemie habe sich die Notwendigkeit dafür gezeigt, sagt Koch. Viele der Frauen seien psychisch krank oder auffällig, ihnen kommen die Einzelzimmer besonders zugute. Zudem ließen sich so auch Hygiene- und Abstandsregeln einfacher einhalten. Auch für Frauen mit Kindern werden mehr Plätze geschaffen.

Die Etagen sechs bis acht sind für die kommunale Unterbringung reserviert. Die insgesamt 27 Zimmer sind – wie sich bei einer Vorab-Begehung im November zeigt – fertig und teilweise schon möbliert. Jedes davon ist mit hellem Boden in Holzoptik ausgestattet und weiß gestrichen, mit eigenem kleinen Bad und Pantryküche. Die großen Fenster fallen auf – und dass die Zimmer trotz der zentralen Lage ruhig sind. „Ich bin begeistert von diesen Räumen, sie sind hell, freundlich und bieten den nötigen Schutz“, sagt Miriam Koch.

In den vier Etagen darunter ist der Notschlafbereich für obdachlose Frauen untergebracht. Pro Etage gibt es eine kleine Gemeinschaftsküche und einen Raum, in dem Wäsche gewaschen werden kann. Auch diese Zimmer haben ein eigenes Bad. Alle Räume sind zudem barrierearm, ein Zimmer ist rollstuhlgerecht ausgestattet.

In der ersten Etage entstehen Büros für die Verwaltung und die Erstaufnahme, das Erdgeschoss beherbergt die rund 300 Quadratmeter große Tagesstätte, eine eigene Küche und einen kleinen Beratungsraum. Dass das Gebäude früher ein Hotel war, kam den Planern entgegen: So war jedes Zimmer schon mit eigenem Bad ausgestattet. Das gesamte Gebäude sowie die Zimmer sind in nüchternen Farben gehalten, es dominieren Grau und Weiß. Mit Absicht, sagt Koch: Einerseits sei die meiste Dekoration aus Brandschutzgründen ohnehin verboten, andererseits sorge dies für eine klare, saubere Atmosphäre. Und es bleibt ein Unterschied zum Wohnraum – denn als dauerhafte Lösung ist das Haus nicht gedacht. Dennoch sollen sich die betroffenen Frauen hier sicher und wohlfühlen, sagt Koch. „Sie können sich zurückziehen, haben Privatsphäre, aber auch Anschluss an andere und an Beratungsangebote.“