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Düsseldorf: Schulen bereiten sich auf Wiederbeginn vor

Coronakrise in Düsseldorf : Corona: Düsseldorfs Schulen rüsten sich für den Neustart

Die Stadt lässt Gebäude reinigen und besorgt Seife – dennoch gibt es viel Skepsis, auch unter den Schülern. Ganz viel Geduld werden die allermeisten Sportvereine benötigen – und Schwimmbadgänger.

Die Corona-Zahlen in Düsseldorf bleiben unspektakulär: Am Donnerstag wurden insgesamt 863 infizierte Düsseldorfer registriert, am Vortag waren es 837. Für mehr Aufregung sorgt da die Einigung von Bund und Ländern auf eine sehr moderate Lockerung der Anti-Coronavirus-Auflagen. In der Wirtschaft überwiegt die Enttäuschung, auch wenn IHK-Präsident Andreas Schmitz von einem Lichtstreifen am Horizont“ sprach, zugleich aber mahnte: „Ganz sicher benötigen auch Gastronomie und Hotellerie eine Perspektive, denn diese sind von der Corona-Krise besonders hart betroffen.“

Politisch sehen die Grünen nun Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) in der Pflicht: „Er muss jetzt handeln, um die von Bund und Ländern genannten Voraussetzungen zu schaffen – insbesondere mehr Tests und eine vollständige Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten“, sagt Fraktionssprecherin Angela Hebeler.

Nach wie vor besonders umstritten ist die schrittweise Wiederöffnung der Schulen. Die Schulen haben jetzt noch zweieinhalb Wochen Zeit, sich hygienisch und organisatorisch darauf vorzubereiten. Die Stadt verspricht umfassende Reinigungsmaßnahmen sowie die ausreichende Bereitstellung von Seifenspendern und Einmaltüchern. „In einer ersten Zwischenbilanz der gemeinsamen Begehungen mit den Schulleitungen ist eine positive Tendenz erkennbar“, sagt Geisel. So lange das Schulministerium jedoch noch keine Weisung mit praktischen Hinweisen zur Durchführung des Unterrichts erlassen habe, könne zur konkreten Organisation des Unterrichts keine Aussage getroffen werden, so Geisel.

Bei vielen Lehrern, Schülern und Eltern jedenfalls gibt es eine große Skepsis. So glaubt die Landesschülervertretung in Düsseldorf nicht, dass die notwendigen Schutzmaßnahmen in der Unterrichtspraxis durchgesetzt werden können. Sebastian Kay Schmitz, Schüler am Lore-Lorentz-Berufskolleg, hat in einem Brief an Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), stellvertretend für den Abi-Jahrgang an seiner Schule, die Sorgen konkretisiert. Das beginnt bei der Anreise der Schüler mit Bus und Bahn und setzt sich fort über der Sorge um vorerkrankte Angehörige: „Einige Abiturienten haben ein Elternteil, welches schwer krank ist und zu Hause vom anderen Elternteil gepflegt wird“, schreibt Schmitz. Und fragt schließlich, wie die Sicherheitsstandards bei den Sport-Prüfungen eingehalten werden sollen, wenn doch insbesondere in Mannschaftssportarten die Tröpfchen-Übertragung besonders leicht erfolgen kann.

Stark betroffen ist und bleibt aber auch der Vereinssport in Düsseldorf. Klar ist jetzt: Bei allen Mannschafts- und Kontaktsportarten ist kein Wiederbeginn in Sicht. „Die allermeisten Sportvereine leiden sehr stark unter den strikten Einschränkungen“, sagt Sportdezernent Burkhard Hintzsche, und lobt sie zugleich: „Obwohl das alles den  Sport sehr hart trifft, gibt es von den Vereinen fast keine Klagen, alle nehmen die Lage sehr professionell.“ Immerhin: Für verantwortbar hielte Hintz­sche, wenn in einigen ausgesuchten Sportarten ein Neustart erfolgen würde: „Ich denke da neben dem Laufen auch an Skaterfahren, an Golf, Tennis oder sogar Beachvolleyball – wohlgemerkt: immer ohne Zuschauer und unter Einhaltung aller Schutzstandards.“ CDU-Sportexperte Stefan Wiedon sieht das ähnlich. Insgesamt ist er aber sehr skeptisch, weil mögliche Viren im Eifer des sportlichen Gefechts einfach viel weiter durch die Luft flögen:  „Insofern fehlt mir leider die Fantasie, wie in absehbarer Zeit in Hallen oder auf Sportplätzen wieder halbwegs normal trainiert oder gespielt werden soll.“ Mittlerweile wäre er schon sehr froh, wenn es am 1. September wieder losgehen könnte.“ Auch für die Bäder sieht Wiedon keine Öffnung in Sicht, „weder für Hallen- noch für die Freibäder“, weil bei letzteren vor allem an Hitzetagen einfach kein geordneter Betrieb mit Abstandsregelungen zu managen sei. Heißt: Die Freibadsaison wird 2020 wohl komplett ausfallen.