Düsseldorf: Polizei verteidigt Einsatz gegen Hells Angels

Düsseldorf: Polizei verteidigt Einsatz gegen Hells Angels

Tipp auf angebliches Waffenlager an der Theodorstraße war falsch. Vorwürfe werden überprüft.

Düsseldorf. Es war eine besondere Gemengelage, die zum Großeinsatz in der Nacht zum Samstag führte. Eine Weihnachtsfeier der Hells Angels, zu der Rocker-Größen aus Frankfurt und dem Ruhrgebiet angereist waren. Die Party fand in einem Haus an der Theodorstraße in Rath statt, das der Städtischen Wohnungsgesellschaft gehört. Und dann gab es einen Tipp auf ein angebliches Waffenlager in dem Club. Damit begründeten Kriminaldirektor Dietmar Kneib und Einsatzleiter Bernd Schünke das „robuste Vorgehen“ der rund 400 Beamten, darunter auch das SEK mit Maschinenpistolen und einem Panzerwagen. Gefunden wurde nichts. Inzwischen ist allerdings bereits die erste Strafanzeige eingegangen, weil ein Partygast angeblich misshandelt wurde, als er schon am Boden lag. Rechtsanwalt Wolf Bonn vertritt noch weitere zehn Besucher der Weihnachtsfeier, die ebenfalls juristisch gegen den Polizeieinsatz vorgehen wollen.

Foto: privat

Wie Kneib erklärte, ist die Lage angespannt. Erst vor ein paar Tagen hatten Rocker einen Döner-Imbiss in der Altstadt verwüstet. Außerdem gibt es Konflikte im Rotlicht-Milieu, seit mit „D-City“ (hier sind die älteren Hells Angels organisiert) und „Old Town“ (der Club, der von Türken aus der Türsteher-Szene gegründet wurde) zwei rivalisierende Chapter in Düsseldorf aktiv sind. Als besonders gefährlich wurde die Weihnachtsfeier eingeschätzt, weil das Groß-Bordell „Oceans“ von dem Club aus fußläufig zu erreichen ist. „Der Besitzer hat ein Betretungsverbot für Hells Angels ausgesprochen.,“ so Kneib. Außerdem sollte die Party nachher noch in der Altstadt fortgesetzt werden.

Foto: si

Darum wurden mehr als 300 Gäste und 150 Fahrzeuge bereits ab 18 Uhr bei der Anfahrt kontrolliert. Gegen zwei Personen lagen Haftbefehle vor, mehrere Messer und Betäubungsmittel wurden sichergestellt. Wie der Einsatzleiter erklärte, habe man gegen 19 Uhr dann einen Hinweis bekommen, dass sich in dem Gebäude ein Waffenlager befinden würde. Die diensthabende Amtsrichterin habe gegen 21 Uhr dem Durchsuchungsbeschluss zugestimmt. Daraufhin wurden die Spezialkräfte des SEK samt Panzerfahrzeug angefordert, weil „Gefahr im Verzuge“ war. Gegen Mitternacht erfolgte dann der Zugriff.

Die sei, so Wolf Bonn, völlig unverhältnismäßig gewesen. Die Partygäste wurden zu Boden gebracht und gefesselt. Auch DJ Mike K. war den Polizisten nicht geheuer. Sie stießen sein Mischpult um und legten setzten ihn ebenfalls außer Gefecht. Angeblich befanden sich auch zahlreiche Gäste in dem Club, die nichts mit den Hells Angels zu tun haben. Darunter eine 30-Jährige, die mit einem Knöchelbruch ins Krankenhaus gebracht wurde. Bonn widerspricht den Angaben der Polizei, dass die Frau schon am frühen Abend verletzt wurde: „Im Augusta-Krankenhaus ist sie nachweislich um 0.45 Uhr angekommen.“

Wie Dietmar Kneib versicherte, werden die Vorwürfe gegen die Beamten geprüft. Er bestritt auch, dass es bei dem Einsatz zu unnötigen Sachbeschädigungen kam. Bei der Pressekonferenz gestern wurden Fotos gezeigt, um entsprechende Vorwürfe des Club-Pächters zu entkräften.

Rechtsanwalt Bonn strebt allerdings auch eine Zivilklage an: „Der gesamte Einsatz war rechtswidrig.“ Dass Strafanzeigen gegen einzelne Polizisten sinnvoll sind, da ist Bonn eher skeptisch.

Mehr von Westdeutsche Zeitung