Sicherheit bei der Euro 2024 Polizei bewertet EM-Spiele in Düsseldorf mit „grün“

Düsseldorf · Fünf EM-Spiele werden in Düsseldorf ausgetragen. Polizei und Stadt bereiten sich auf Fan-Märsche, englische Fans und Taktik-Spione vor.

Polizisten bei einer Übung zum Umgang mit gewaltbereiten Fußballfans.

Polizisten bei einer Übung zum Umgang mit gewaltbereiten Fußballfans.

Foto: dpa/David Young

Am Montag wird erstmals der EM-Ball über Düsseldorfer Rasen rollen. Die Fußball-Europameisterschaft 2024 beginnt in wenigen Tagen, fünf Spiele werden in der hiesigen Arena ausgetragen. Polizei, Verbände und Organisatoren rechnen mit etlichen Fans, langen Märschen zum Stadion und großem Andrang beim Public Viewing. Polizeiführer Dietmar Henning und Britta Zur, Dezernentin für Ordnung und Sport, informieren, wie sich Polizei und Stadt auf Risiken vorbereiten.

Risiko bei Spielen

Fünf von 51 Begegnungen finden in Düsseldorf statt, davon drei Vorrundenspiele. Diese bekannten Partien bewertet die Polizei als „grüne“ Spiele, also mit geringem Risikopotenzial, sagt Polizeiführer Henning. Am Montagabend, 17. Juni, stehen die Teams aus Österreich und Frankreich auf dem Platz. Die Nationen und Fans stünden in keinem problematischen Verhältnis zueinander, sagt Henning. Beim Spiel am Freitag, 21. Juni, legt die Polizei ein besonderes Augenmerk auf die Ukraine, die gegen die Nationalelf aus der Slowakei spielt. Die Polizei hatte im Vorfeld geprüft, woher die Zuschauer im Stadion kommen. Anhand der Besucher geht die Polizei auch hier von einem friedlichen Verlauf aus. Bei der Partie Albanien gegen Spanien am Montag, 24. Juni, werden nur wenige albanische Fans erwartet. Besucher aus Spanien werden in der Überzahl sein, so der Polizeiführer. Darum sei auch hier das Risiko von Auseinandersetzungen gering.

England-Fans

Mit vielen Kräften wird die Polizei auch bei Spielen der englischen Nationalelf im Einsatz sein. England spielt zwar in Gelsenkirchen und in Köln, die Polizei rechnet aber damit, dass viele Fans in Düsseldorf übernachten und in der Altstadt feiern. Es gebe ein großes Störerpotenzial im englischen Fußball, sagt Henning, doch vor allem in den Liga-Begegnungen. „Für die Fans der Nationalelf gilt das nicht“, sagt der Polizeiführer. Die Polizei habe auch Buchungen in Hotels und Ferienwohnungen ausgewertet, um dieses Risiko bewerten zu können. „Demnach machen wir uns keine großen Sorgen über szenetypisches Verhalten.“

Einsatzkräfte

An Spieltagen in Düsseldorf und zu allen Partien mit großem Zulauf in der Altstadt wird die Polizei mit bis zu 1500 Kräften im Einsatz sein. Für die Behörde gilt für die 31 EM-Tage eine Urlaubssperre. „Es werden alle da sein“, sagt Polizeiführer Dietmar Henning. Hinzu kommen je nach Bedarf Hundertschaften aus anderen Städten. Auch das Ordnungsamt werde verstärkt Präsenz zeigen, sagt Dezernentin Britta Zur.

Spionage

Die Nationalmannschaften werden ihre letzten Spielzüge vor den Begegnungen im Paul-Janes-Stadion trainieren. Die Anlage in Flingern ist dafür bestens geeignet, da sie sich „gut verhüllen“ lässt“, so Henning. „Den Verbänden und Teams war es wichtig, dass ein ungestörtes Training möglich ist.“ Dafür werden Zäune als Sichtschutz aufgebaut. Die Polizei wird zudem den Luftraum beobachten, um Taktik-Spionage per Drohnen zu verhindern.

Fan-Walks

Die Fans der Nationalmannschaften werden gemeinschaftlich zum Stadion laufen. Treffpunkt für die Fans aus Österreich und der Ukraine wird an den jeweiligen Spieltagen der Rheinpark in Golzheim sein. Von dort aus werden bis zu 5000 Anhänger zur Arena marschieren. Frankreich, Slowakei und Spanien haben als Treffpunkt für die Fan-Walks den Aquazoo im Nordpark, die Strecke führt dann weiter nördlich durch Stockum. Auch hier erwartet die Polizei jeweils bis zu 5000 Teilnehmer. Mit knapp einem Kilometer haben die Albanien-Fans die kürzeste Strecke, sie treffen sich am Messeparkplatz P1. Auch bei den Fan-Walks ist die Stadt auf deutlich mehr Teilnehmer vorbereitet, als die Verbände angemeldet haben.

Altstadt

Das Ordnungsamt bereitet sich auf den Fall vor, dass es in der Altstadt sehr voll werden könnte – eventuell zu voll. Die Einsatzkräfte des Ordnungsamts werden die Besuchermengen und mögliche Engstellen beobachten, sagt Britta Zur. Wenn der Andrang zu groß ist, wird das Ordnungsamt bestimmte Bereiche sperren, etwa die Zugänge zum Burgplatz oder die Freitreppe. Für den Notfall hat die Stadt zudem eine Allgemeinverfügung vorbereitet. Wenn es nötig ist, müssen die Gastronomien ihre Terrassen schließen und dürfen keine Getränke in Gläsern und Glasflaschen ausgegeben.

Mannschaftshotels

Drei Hotels sind für die Nationalteams und andere EM-Gäste reserviert. Die Mannschaften aus Österreich, Albanien und der Slowakei werden im Hyatt Regency Hotel im Medienhafen unterkommen. Die Spieler aus Frankreich, Spanien und der Ukraine residieren im Lindner Congress Hotel in Lörick. Das Steigenberger Parkhotel wird in diesen Tagen zum „VIP-Hotel“ für berühmte EM-Gäste. Wer zu den Spielen komme, sei unter Verschluss, sagt Polizeiführer Dietmar Henning. Nur so viel: Einige „illustre Besucher“ werden in dem Hotel an der Kö absteigen, die auch privates Sicherheitspersonal mitbringen.

Sicherheitslinien

Um die Arena gelten an Spieltagen zwei Sicherheitslinien, eine innere und eine äußere. Die innere umfasst das Stadion bis zu den Zäunen. Die äußere Sicherheitslinie beinhaltet das komplette Gelände, inklusive Zugänge und Ticketschalter. Vor den Spielen werden Einsatzkräfte der Polizei beide Bereiche absuchen, unter anderem mit Spürhunden, bevor sie die Spielstätte an die Veranstalter übergeben.

Fan-Zonen

Vor allem bei Deutschlandspielen rechnet die Polizei mit großem Andrang in den Fan-Zonen. Am Schauspielhaus ist Platz für bis zu 2000 Zuschauer, am Unteren Rheinwerft für 7800 Personen – dort werden LED-Wände und barrierefreie Aussichtsplattformen aufgebaut. Der Burgplatz fasst bis zu 5000 Besucher, alle Spiele werden dort übertragen. Die Fan-Zonen gelten als öffentlicher Raum, es wird dort keine Zugangskontrollen geben.

Verkehr

Viele Fans werden voraussichtlich mit der Bahn zum Stadion fahren. Die U78 wird darum „maximal möglich verstärkt“, sagt Britta Zur. Zusätzlich sollen Busse die Zuschauer zur Arena bringen. Radfahrer müssen sich auf Umleitungen einstellen. An Spieltagen wird es phasenweise Umleitungen des Radverkehrs aus Kaiserswerth am Rhein geben, damit sich Radfahrer und Fan-Walks nicht in die Quere kommen. Der Burgplatz ist wegen der Fan-Zone vorerst nicht befahrbar für Radfahrer, hier ist eine feste Umleitung eingerichtet. Ebenfalls fällt der Taxistand am Burgplatz weg, stattdessen werden 20 Stellplätze an der Heinrich-Heine-Allee eingerichtet.

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