Düsseldorf: Ordertage auf fünf Messen und in 670 Showrooms

Fashion Net : Ordertage auf fünf Messen und in 670 Showrooms

Vom 25. bis 28. Januar läuft die Mode-Fachmesse CPD. Es werden 3000 Kollektionen gezeigt, zum letzten Mal auch in den Fashion-Häusern.

Der Abschiedsgruß auf der Berliner Fashion Week lautete: „Wir sehen uns in Düsseldorf“, erzählt Fashion Net-Geschäftsführerin Angelika Firnrohr. Das Wiedersehen findet am kommenden Wochenende vom 25. bis 28. Januar 2020 statt. Das ist die Kernzeit zu den CPD-Ordertagen auf den fünf Modemessen und in den rund 670 permanenten Showrooms, wo mehr als 3000 Kollektionen präsentiert werden, letztmalig auch in den beiden Fashion-Häusern.

Manche Mode-Kunden bleiben auch länger, bis zu zehn Tagen, wie André Baum berichtet, der als Managing Director von C.E.d.E.R russische Einkäufer betreut. Rund 700 Kunden hat der Modemann dort, der schon während seiner sechs Jahre bei Steilmann Erfahrungen für seine Selbständigkeit sammelte. Knapp die Hälfte von denen kommt nach Düsseldorf. Bereits im Vorfeld macht er 480 Termine. „Sind Sie auch trinkfest?“, scherzte ein Berichterstatter während der Vorpressekonferenz. Baum winkt ab. Wodka sei Klischee, die Abende würden kürzer, auch, weil über 90 Prozent seiner Kunden Kundinnen sind, und die würden lieber Wein trinken.

Die russische Kundschaft, die nicht nur auf der Messe tüchtig einkauft, sondern auch sonst viel Geld in der Stadt lässt, trägt einen Großteil bei zur Stabilität und Planungssicherheit des Orderstandpunkts Düsseldorf, wo Mode rund acht Prozent der lokalen Wirtschaftsleistung ausmacht, unterstützt durch die Wirtschaftsförderung der NRW-Metropole. Deren neue Amtsleiterin Theresa Winkels, die schon bei der Tour de France für die Stadt mit am Rad drehte, um Düsseldorf zu promoten, setzt für den Modestandort auf die Parole: „Durch Wandel bewahren.“

Karrieren gelingen auch in einer schrumpfenden Branche

Dies gelingt offenbar am besten durch Einzelkarrieren. Wie das heute noch flott gelingen kann in einer schrumpfenden Branche, verkörpert Neu-Düsseldorfer Philipp Kassel, Gründer und Inhaber von 7 Perplex, der nach seinem Hauptschulabschluss in Willich-Anrath und Höherer Handelsschule noch höher hinaus wollte, klugerweise jedoch zwischendurch in Teilzeit Privatkunden bei der Commerzbank beriet, bevor er ein Studium draufsetzte. Das Bankgeschäft war dann aber doch nicht so seins: „Dort geben sie dir eine Aufgabe, um dir eine Aufgabe zu geben.“

Das nicht nur körperlich durchtrainierte Gegenspiel zu Karl-Lagerfeld-These, dass, wer in Jogginghosen auftritt, die Kontrolle über sein Leben verloren habe, schrieb seine Bachelorarbeit über das Phänomen, dass heutzutage für drei bis sieben Euro produzierte Turnschuhe als limitierte Sneaker auf einem durchgeknallten Liebhaber-Markt Preise bis zu 30 000 Euro pro Paar erzielen. Spannende Spanne. Kassel: „Ein Paar Nike für 130 können da rasch 5000 Euro bringen.“ Der höchste Paar-Preis, den er erzielt hat, lag bei 10 000 Euro.

Der 26-jährige Schuhhändler, der für den laufenden Absatz schon mal einen schnell umlagerten Pop Up-Shop im Kaufhaus Breuninger aufbaut, hat inzwischen einen eigenen Showroom mit Rheinblick am Mannesmannufer. Zu seinem Kundenstamm gehören in der Szene bekannte Rapper und halb Borussia Mönchengladbach. Top-Kunden, mit denen er schon mal einen sechsstelligen Jahresumsatz macht, werden über den eigenen Instagram-Kanal betreut — mit persönlichen Sprachnachrichten. Und wenn einer dann doch nicht kauft, wird er gefragt, warum nicht. Weiterempfehlungen sind wichtig, wobei beim Sneaker-Hype es nicht selten die Teenies sind, die ihren Eltern die teuren Treter empfehlen.

Nun sei Mode aber nicht nur ein Wirtschaftsfaktor in der Stadt, sondern auch Teil der kulturellen DNA Düsseldorfs, betonen die Fashion-Netzwerker. Schade, dass sie – und die Kulturschaffenden - es dann nicht hinbekommen haben, die erste Ausstellung des bedeutenden Modefotografen Peter Lindbergh im Museum Kunstpalast bereits während der anstehenden Ordertage zu eröffnen. Sie beginnt erst am 5. Februar. Aber vielleicht kommen dann zumindest noch einige russische Einkäufer in den Genuss von Lindberghs „Untold Stories“, so der Titel.