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Düsseldorf: OB Geisel startet in den Wahlkampf für zweite Amtszeit

Kommunalwahl 2020 : OB Thomas Geisel und Freunde starten das „Projekt zweite Amtszeit“

Der OB stellte neue Unterstützer vor, sagt, was er will und worauf es ankommt – auf die SPD allenfalls am Rande.

Die SPD kommt bei Thomas Geisel nur noch im Impressum vor. Jedenfalls auf seiner neuen Wahlkampf-Homepage. Nein, er sei der letzte, der sich von seiner Partei distanziere, sagt er, „ich bin seit 35 Jahren stolzer Sozialdemokrat“. Und überhaupt: Er kandidiere ja auch auf Platz 1 der Liste für die Ratswahl im September, natürlich unter SPD-Logo. Nur wenn es um das Amt des Oberbürgermeisters geht, („Da stehe ich als Person zur Wahl, nicht die Partei“) lässt er die Genossen lieber beiseite – und wer wollte ihm das angesichts der Lage der SPD verdenken. Andererseits darf man sicher sein, dass auch seine OB-Kandidatur wieder von der Landes- und der Stadt-SPD nicht zu knapp unterstützt wird – auch finanziell.

Nun, eigentlich sollte es am Dienstagmorgen in der sechsten Etage des neuen Bürohauses „Fürst und Friedrich“ gar nicht so sehr um Geisel oder die SPD gehen, sondern um die Unterstützer des OBs. Seine neue Wählerinitiative, seine „Testimonials“. Zwölf waren gekommen, darunter drei von seiner Werbeagentur. Außerdem Männer wie Fortunas früherer Kultzeugwart Aleks Spengler („Ich mag Alt, Fortuna, DEG und den OB“) , der Stadtsoziologe Reinhold Knopp (“Geisel kümmert sich persönlich um die Stadtteile; beim Thema Wohnen, etwa mehr rechtlichem Schutz vor Verdrängung, muss ich ihn ein bisschen zum Jagen tragen“) oder Andreas Vogt, der Schutzpatron der Himmelgeister Kastanie (“Er ist einfach ein guter OB für Düsseldorf und soll es auch bleiben“). Und Frauen wie Bea Kallen („Ich war schon 2014 dabei; er zeigt klare Kante gegen Rechts“) oder Shaylin Shahinzad aus dem Jugendrat („Er steht für Respekt und Vielfalt“).

Was ein OB braucht? Vision, Kompetenz, Leidenschaft

Aber dann spricht natürlich doch wieder vor allem Thomas Geisel über das „Projekt zweite Amtszeit“; fairerweise muss man dazu sagen, weil er auch von den Journalisten am meisten gefragt wird. Und so sagt Geisel zum Beispiel, dass es für das OB-Amt dreierlei bedürfe: „Einer Vision, Kompetenz und Leidenschaft.“ Dass er da das ein oder andere Defizit bei seinen bis jetzt bekannten Mitbewerbern Stefan Engstfeld (Grüne) und Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) sieht, kommt zwischen den Zeilen heraus. Aber er lässt es heraus.

Seine Vision von Düsseldorf ist die  „einer sympathischen, wirtschaftsstarken und sozialen Metropole für alle Bewohner“. Dagegen kann wohl niemand bei vollem Verstand etwas haben, Geisel hat sich allerdings schon ein recht hohes Maß an Glaubwürdigkeit erarbeitet, wenn es um die Verteidigung einer toleranten, weltoffenen Stadtgesellschaft geht. Natürlich spricht er darüber, dass noch viel mehr Wohnraum entstehen müsse, um den Preisdruck zu mildern und Verdrängung aus der Stadt zu vermeiden. Beim Thema Klimaschutz will er sich keineswegs vor den Grünen verstecken, im Gegenteil: „Die haben bei der Verkehrswende auf Bezirks- und Ratsebene manches zerredet und blockiert.“ Dass die umstrittenen Umweltspuren ihm spürbar schaden könnten, fürchtet er nicht: „Ich glaube eher, dass immer mehr Menschen darüber nachdenken, ob man wirklich jeden Tag und alleine mit dem Auto in die Stadt fahren muss.“ Es sei Unfug, erst perfekte Rahmenbedingungen etwa beim ÖPNV zu fordern, „nein, man muss auch mal einen ersten großen Schritt tun, damit sich etwas bewegt“. Im übrigen gebe es genügend freie Kapazitäten – in vielen Bussen und Bahnen und auch auf Park+Ride-Plätzen, die längst nicht alle genutzt würden.

So richtig Wahlkampf machen will Geisel aber erst in der heißen Phase, in den sechs Wochen ab Anfang August. Auch wenn er es jetzt schon kaum erwarten kann, genauso wie seinen Gegner von der CDU. Optisch verpassen ihm die Layouter und Werber (übrigens dieselbe Agentur wie im Wahlkampf 2014) orange als Grundfarbe, das zeigt seine neue Homepage – genau wie jede Menge Bilder:  Geisel als Bub bei der Einschulung, mit seiner Frau und den Töchtern beim Toben im Rheinpark, mit Johannes Rau 1994, im Gespräch mit Bürgern am Tresen und natürlich auch als Marathonläufer. Gegeben wird also wieder der dynamische Menschenfänger.

Ob es wieder zum Sieg reicht, wird man im September sehen.