Düsseldorf: Mieter fürchten um ihre Wohnungen

Friedrichstadt : Mieter in Düsseldorf fürchten um ihre Wohnungen

Nachdem ihr Wohnhaus an einen Investor verkauft wurde, haben Mieter der Bunsenstraße Angst, durch höhere Mieten aus dem Haus gedrängt zu werden. Ein Besuch.

„Das hier ist meine Heimat. Hier auszuziehen - das könnte ich nicht verkraften“, sagt Renate Röder. Die 81-Jährige wohnt schon seit 61 Jahren an der Bunsenstraße. Und nun fürchtet sie um ihre Wohnung. Ein Investor hat das Haus gekauft – und direkt eine Mieterhöhung angekündigt. Dabei wurde die erst im vergangenen Jahr um 15 Prozent erhöht. Schon jetzt gebe sie mehr als die Hälfte ihrer Rente für die Miete aus.

Renate Röder wohnt in einer von acht Wohnungen an der Bunsenstraße 12. Die Mieter haben sich gemeinsam an die Öffentlichkeit gewendet – weil sie befürchten, auf lange Sicht aus der Wohnung gedrängt zu werden. Mit immer höheren Mieten. „Wir haben das gleiche Phänomen in anderen Häusern“, sagt Oliver Ongaro vom „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“, der auch selbst in der Bunsenstraße 12 wohnt. Der gleiche Investor (Lodde Immobilien) habe bereits vor ein paar Jahren in Köln ein Mietshaus gekauft. Dort seien die Mieten nach Sanierungs- und Energiesparmaßnahmen um 85 Prozent gestiegen, berichtet Ongaro.

Betritt man das Haus mit der braunen, etwas abgenutzten Fassade, kommt man erstmal in ein dunkles, wenig einladendes Treppenhaus. Der Putz bröckelt und man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass hier etwas gemacht werden muss. Die Wohnungen jedoch sind freundlich und hell – und liebevoll renoviert. „Wir haben hier alles selber gemacht“, sagt Dieter Kirchholtes (82), der auch schon hier wohnt, seit er ein Kind war. „Sogar die Rohre und Leitungen. Sie hätten das Haus mal sehen müssen, als ich hier eingezogen bin.“

Natürlich gebe es einiges, was mal gemacht werden müsste – das Treppenhaus, die Rohrleitungen, die Fassade. In manchen Wohnungen gebe es sogar nur einfach verglaste Fenster. „Meinen Heizkörper habe ich selber angeschafft. Ansonsten heize ich mit dem Backofen“, sagt Renate Röder. Doch wenn das bedeutet, dass sich die Mieter bald die Wohnung nicht mehr leisten können, würden sie lieber verzichten.

Weil sie in den vergangenen Jahren so viel selbst gemacht haben, waren die Mieten recht günstig – zwischen 6,80 und 8 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete. Dann kamen vor vier Jahren, im vergangenen Jahr und nun noch einmal die Erhöhung um je 15 Prozent. Und auch wenn die letzte Erhöhung nur kurze Zeit vor dem Gespräch mit der Presse zurückgezogen wurde – in einem Schreiben von der Hausverwaltung, das gestern eingegangen ist, heißt es, es handle sich um ein „Versehen unsererseits“ – sind die Mieter misstrauisch.

„Diese Vorgehensweise gibt es immer wieder“, sagt Ongaro. Häuser, in denen Jahre nichts gemacht wurde, weil sie in Privatbesitz waren, werden von Immobilienfirmen gekauft, dann werden Maßnahmen zur Modernisierung vorgenommen – Modernisierung und nicht Instandsetzung. Denn erstere könne man auf die Miete umlegen.

Gemeinsam haben sie sich an den Mieterbund und nun auch an die Öffentlichkeit gewandt. Doch das sei nicht immer so, weiß Ongaro. „Viele trauen sich nicht, so etwas öffentlich zu machen“, sagt er. Denn sie befürchteten, dass es dann noch mehr Ärger mit dem Eigentümer geben könnte. Mit der Aktion in seinem eigenen Wohnhaus will er auch erreichen, dass mehr Menschen sich trauen, solche Vorgänge öffentlich zu machen.

„Wir haben die Mieterhöhung zurückgezogen. Das war ein Versehen des Verwalters. Wir halten uns an das geltende Mietrecht. An einer Luxussanierung haben wir kein Interesse“, heißt es vom Investor Lodde. Doch sicher sind sich die Mieter der Bunsenstraße da nicht. Sie befürchten trotzdem, dass sie auf Dauer aus ihrem Haus gedrängt werden sollen.

„Mich kriegen die hier nicht raus“, sagt Renate Röder und fügt an: „Obwohl, wenn die wirklich wollen, dann wahrscheinlich schon.“

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